Daimler dockt an Gründerszene an

Vom 20.07.2016

Wer denkt, die deutsche Industrie zehre nur von alten Erfolgen, irrt: Daimler entwickelt die Ideen von übermorgen im Jutebeutel-Biotop Kreuzberg.

Hier entstehen Daimlers neueste Visionen. (Foto: Daimler)

Hier entstehen Daimlers neueste Visionen. (Foto: Daimler)

Berlin-Kreuzberg. Im Betahaus, mittendrin im Hipster-Schmelztiegel, gibt es im Erdgeschoss frisches, vorkonfiguriertes Bio-Essen aus dem Automaten und dazu Urban-Gardening quasi vor dem Gebäude – ein neues Startup, was sonst? Außen herum ein internationales und urbanes Bildungsmilieu – verteilt auf vier Stockwerke.

Experten aus der Startup-Szene sowie Daimler-Mitarbeiter

In diesem Umfeld hat sich mittlerweile auch Daimler etabliert. Für das Projekt „Peninsula“ zogen neue Mitarbeiter aus der Gründerszene in das Kreuzberger Betahaus, ein Co-Working-Office, ein.

Das Team der sogenannten „Halbinsel“ treibt Projekte abseits der Konzernstrukturen voran und profitiert dabei von schnellen Entscheidungen und großen Gestaltungsspielräumen. Ein Dutzend junge IT-Experten aus einem Dutzend verschiedener Länder für die neu gegründeten Teams aus dem Van- und Truck-Bereich.

Das Ziel ist die Entwicklung von innovativen Lösungen für Transport und Warenbeförderung. Unterstützt werden die Kollegen, die beispielsweise von Startups wie myTaxi, internationalen IT-Firmen oder von Web- und Mobilitätsdienstleistern wie HERE stammen, von Daimler-Kollegen aus Stuttgart. Die „Stuttgart-Peninsulaner“ bündeln den Input und die Ideen aus dem Berliner Startup-Umfeld und leiten die Impulse weiter in die Daimler-Welt.

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Die Arbeitsplätze im Kreuzberger Co-Working-Office. (Foto: Daimler)

Lösungen für Transport und Warenbeförderung

Ob Fleetboard-Apps oder Logistiklösungen für die sogenannte last mile. Das internationale Team – mit Mitarbeitern aus Indien, Kanada, Italien, Venezuela und Deutschland – produziert schon Output auf der Suche nach digitalen Lösungen. Mehr und Konkretes dazu jedoch erst nach der offiziellen Vorstellung im Rahmen der Nutzfahrzeug-IAA im September.

Agile Teams gibt es zwar in allen Sparten im Unternehmen. Daimler-Mitarbeiter in so einem unkonventionellen Umfeld widersprechen jedoch den gängigen Erwartungen. Bei einem Besuch der Peninsula sagte Vorstandschef Dieter Zetsche: „Mut zum Risiko, große Gestaltungsspielräume, kurze Entscheidungswege: mit Peninsula haben wir einen Raum für Kreative geschaffen, die sonst vielleicht nicht bei einem Großkonzern arbeiten würden.“

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Daimler Chef Dieter Zetsche (Mitte) zwischen Mitarbeitern der Peninsula. (Foto: Daimler)

Auffallend ist, wie passend der Name Peninsula für das HR-Projekt ist. Eine Halbinsel, angebunden an die Erfahrungen, Infrastruktur und Ressourcen des Konzerns und doch mit kurzen Entscheidungswegen sowie großen Gestaltungsspielräumen im Berliner Startup-Umfeld, um Projekte mit Partnern aus dem Startup-Umfeld zu entwickeln.