HanseMerkur unterstützt junge Gründerinnen

Vom 27.06.2016

Die HanseMerkur sucht nach echten Macherinnen und Vorreiterinnen, bei deren Geschäftsidee das Teamwork eine besondere Rolle spielt

Die beiden Gründerinnen der Plattform Tandemploy, Anna Kaiser (l.) und Jana Tepe. (Foto: Picture Alliance)

Die beiden Gründerinnen der Plattform Tandemploy Anna Kaiser (l.) und Jana Tepe. (Foto: Picture Alliance)

Mit dem Ziel, diese Gründergemeinschaften zu unterstützen, hat die HanseMerkur den mit 5.000 Euro dotierten „Hand in Hand“-Preis ins Leben gerufen und diesen zusammen mit der Frauenzeitschrift EMOTION auf dem EMOTION.award 2016 erstmals übergeben.

Gewinner ist die junge Firma Tandemploy von Jana Tepe und Anna Kaiser aus Berlin. Ihre Geschäftsidee ist eine ungewöhnliche Jobsharing-Plattform, über die Unternehmen und qualifizierte Bewerber zusammenfinden. Der Clou: Für jede ausgeschriebene Position werden zwei Mitarbeiter als Tandem vermittelt, die sich den Job flexibel aufteilen. Den perfekten Tandempartner finden die Jobsharer auf www.tandemploy.com mithilfe eines Matching-Algorithmus.

Im Interview mit der HanseMerkur erzählen Jana Tepe und Anna Kaiser über ihre Start-up-Phase, über den Arbeitsmarkt der Zukunft und warum es für sie besonders wichtig ist, als Geschäftsführerinnen Hand in Hand zusammenzuarbeiten.

 

HanseMerkur: Wo haben Sie sich kennengelernt?

Jana Tepe: In unserem vorherigen Job in einer Personalberatung für die Digitalwirtschaft in Berlin. Wir waren Kolleginnen.

 

HanseMerkur: Wie ist Ihre Geschäftsidee entstanden?

Anna Kaiser: Im Job. Jana bekam eine Tandembewerbung von zwei Frauen, die sich eine von ihr ausgeschriebene Führungsposition teilen wollten. Nach dem Interview zu dritt war sie so begeistert, dass sie dem ersten Menschen davon erzählen musste, den sie traf. Das war, durch puren Zufall, ich. Wir waren beide direkt total angetan vom „Jobsharing“-Arbeitsmodell und so kam der Stein ins Rollen.

 

HanseMerkur: Wie haben Sie sich auf die Unternehmensgründung vorbereitet?

Jana Tepe: Gar nicht. Wir haben einfach gemacht. Zwei Tage nach der Idee haben wir beide gekündigt, acht Wochen später mit der Gründung angefangen, bei Anna im Homeoffice. An Tag eins haben wir uns dann einen Plan überlegt, wie wir vorgehen wollen, und uns dann Schritt für Schritt das nötige Wissen angeeignet. Eigentlich lässt sich ja alles ergoogeln oder erfragen, wenn man nur ein gemeinsames Ziel vor Augen hat. Vieles ist auch einfach gesunder Menschenverstand.

 

HanseMerkur: Wie sieht Ihre Arbeitsteilung aus?

Anna Kaiser: Wir teilen uns die Geschäftsführung, also auch die typische Geschäftsführer-Arbeitswoche von 80 Stunden. Jede von uns arbeitet um die 40 Stunden, was wirklich sehr sehr human ist für Gründerinnen. Bei Urlaub und Krankheit springen wir für die andere ein, sind immer aussagefähig und können für die andere Entscheidungen treffen. Dabei haben wir aber durchaus eigene Schwerpunkte, die uns jeweils mehr liegen. Jana: Marketing & Kommunikation, und ich: Sales & Produkt

 

HanseMerkur: Wo arbeiten Sie besonders gut Hand in Hand miteinander?

Jana Tepe: Wir arbeiten generell sehr gut zusammen. Das liegt vor allem daran, dass wir sehr ähnliche Werte haben und ein gemeinsames Ziel. Außerdem passt es natürlich super, dass wir unterschiedliche Stärken haben. So war eigentlich von Anfang an klar, wie wir bestimmte Aufgaben aufteilen. Bei bestimmten Themen wiederum arbeiten wir immer sehr eng miteinander, z. B. bei Finanzierungsfragen und Kooperationen.

 

HanseMerkur: Und was motiviert Sie?

Anna Kaiser: Unsere Vision. Wir träumen von einer Arbeitswelt, in der Menschen mit weniger – aber cleverer! – Arbeit mehr erreichen. Und das ist durchaus keine Utopie, sondern im Bereich des Möglichen, wenn wir nur unser Wissen über gute und produktive Arbeit endlich anwenden!

Außerdem ist es natürlich toll, dass wir mittlerweile in unserem eigenen Unternehmen, mit unserem Team leben und ausprobieren können, was wir auch nach außen erzählen und vertreten. Unternehmer/in zu sein heißt auch, gesellschaftliche Verantwortung zu tragen. Wir können im eigenen Unternehmen vieles anders machen, austesten, Freiräume geben und eine Arbeitswelt schaffen, die wirklich lebensfreundlich ist. Wir möchten zeigen, dass die meisten „Abers“ eigentlich nicht gelten. Die Hürden sind oft nur im Kopf.

 

HanseMerkur: Was war bisher Ihre größte Herausforderung?

Jana Tepe: Es gab nicht „die Größte“. Aber wir hatten natürlich viele viele kleinere und mittelgroße Herausforderungen, zum Beispiel die Finanzierung immer wieder zu sichern und das in einer Art und Weise, die zu uns passt. Oder das Jobsharing Modell generell erst wieder auf die Agenda zu bekommen. Vor allem Letzteres ist uns mittlerweile super gelungen. Als wir vor drei Jahren selber „Jobsharing“ gegoogelt haben, gab es einen Wikipedia-Eintrag über „Arbeitsplatzteilung“ und einen Blogbeitrag aus den 80er-Jahren. Wenn man heute nach „Jobsharing“ sucht, sind die ersten zehn Seiten voll mit Artikeln von uns, über uns. Das Thema hat definitiv wieder mehr Präsenz, ist bei vielen Personalern, Unternehmern und Politikern wieder auf der Agenda.

 

HanseMerkur: Wie wollen Sie Ihr Unternehmen weiterentwickeln?

Anna Kaiser: Wir entwickeln uns und unsere Produkte ständig weiter. Ganz neu ist z. B. unsere Software und Servicelösung flex:workz, die größere Unternehmen von innen heraus flexibilisiert. Das große Ziel ist, Organisationen mit cleverer Software optimal bei ihrer Flexibilisierung auf die Sprünge zu helfen. Hier wollen und werden wir uns stetig weiterentwickeln – und dabei möglichst nachhaltig und bedarfsorientiert einstellen und wachsen.

 

HanseMerkur: Wie verändert sich der Arbeitsmarkt? Wie stark werden Ihr und ähnliche Unternehmen den Arbeitsmarkt verändern?

Jana Tepe: Der Arbeitsmarkt verändert sich gerade stark, einerseits durch die Digitalisierung, andererseits durch unsere demografische Entwicklung und die sich wandelnden Werte und Bedürfnisse von Arbeitnehmern. Der Wandel ist unaufhaltsam und auch teilweise unberechenbar. Sicher ist jedoch, dass Organisationen und Menschen, die flexibel aufgestellt sind, die besten Karten haben, auf jegliche Veränderungen schnell zu reagieren. Hier gilt es vor allem, alte Strukturen aufzubrechen, alte Denkmuster und Gewohnheiten in Frage zu stellen – und handlungsfähiger und flexibler zu werden!

 

HanseMerkur: Welche 5 Tipps würden Sie Gründern geben?

Anna Kaiser: Wir tun uns immer schwer mit Tipps. Man bekommt selbst so viele – und manche sind auch sehr gut. Aber letztlich gilt es immer, aufs eigene Bauchgefühl, auf die Intuition zu hören – und Dinge auch mal komplett anders zu machen, als alle anderen sie machen. Nur so entsteht schließlich Innovation.

Also vielleicht am ehesten:

  1. Mutig sein, sich trauen, Dinge anders zu machen
  2. Auf den Bauch hören – er hat fast immer Recht!
  3. Sich darauf besinnen, was wirklich zählt und warum man Dinge tut
  4. Immer mal wieder innehalten, Pausen machen, reflektieren (muss man sich manchmal bewusst zu zwingen & Zeit dafür nehmen, gerade in trubeliger Gründerphase)
  5. Humor bewahren (hilft immer!)

Weitere Gründertipps gibt auch die HanseMerkur hier.