Apple Pay: Bald auch in Ihrem Supermarkt

Vom 08.11.2016

Die Einführung von Apple Pay steht in Deutschland offenbar kurz bevor. Was ist das eigentlich und was macht der Dienst mit unserem Bezahlverhalten?

Bereits Anfang des Jahres startete Apple seinen Bezahldienst in China. (Foto: Getty Images)

Bereits Anfang des Jahres startete Apple seinen Bezahldienst in China. (Foto: Getty Images)

Letzte Woche sah es kurz so aus, als würde Apples hauseigener Bezahldienst, Apple Pay, auch bei uns in Deutschland starten. Hinweis darauf waren die Apple-Pay-Hilfeseiten, die plötzlich auf Deutsch verfügbar waren. Den Dienst gibt es seit 2014, als er in den USA gestartet ist. Seitdem sind acht weitere Länder hinzugekommen, darunter Frankreich, England und, ganz neu, die Schweiz.

Apple Pay ist eine Art des kontaktlosen Bezahlens, die über die Nahfunktechnologie NFC funktioniert. In Deutschland steckt das kontaktlose Bezahlen noch in den Kinderschuhen. Anbieter solcher Lösungen sind hierzulande vor allem die Mobilnetzbetreiber.

Ihre Kunden können, wenn sie eine passende App heruntergeladen haben, das Smartphone vor ein NFC-fähiges Lesegerät halten und ohne Eingabe des PIN schnell und bequem bezahlen. Genauso funktioniert die Bezahlung mit einer EC- oder Kreditkarte, auf die ein Funksymbol gedruckt ist. Bei Rewe oder Rossmann können Sie schon jetzt mit Apple Pay zahlen, wenn Sie aus einem Land kommen, in dem Apple Pay freigeschaltet ist.

Was soll an Apple Pay so besonders sein?

Wenn es also die Möglichkeit schon gibt, kontaktlos zu zahlen, warum wird die Einführung von Apple Pay mit Spannung erwartet? Das liegt einmal an der schieren Größe: Angeblich nutzen bereits 12 Millionen Menschen Apple Pay. Damit wäre Apple schon jetzt einer der größten Mobile Payment-Anbieter der Welt. Alle Besitzer eines neueren iPhones, iPads oder einer Apple Watch sind potentielle Nutzer von Apples Bezahldienst – ein riesiges Marktpotenzial.

Zweitens punktet Apple mit Datenschutz und Sicherheit. Das Thema Mobile Payment wird seit Jahren heiß diskutiert und passiert ist in dieser Zeit nicht viel. Das liegt vor allem daran, dass man nicht wusste, wie man die Sicherheit von mobilen Zahlungslösungen gewährleisten kann. Während sich alle die Köpfe heißgeredet und mögliche Sicherheitsprogramme mit komplizierten Namen ausgedacht haben, kam Apple klammheimlich mit einer ganz einfachen Lösung um die Ecke.

Das iPhone 6 ist mit einer Technologie ausgestattet, die Fingerabdrücke auslesen kann. Das macht sich Apple auch bei Apple Pay zunutze und schafft damit eine eindeutige Identifikationsmöglichkeit: Nur als Besitzer meines iPhones kann ich damit auch bezahlen.

Außerdem werden meine Käuferdaten anonymer behandelt: Während der Händler bei der Zahlung mit Karte sowohl meinen Namen als auch meine Konto- bzw. Kartendaten erfährt, kriegt er bei der Zahlung mit Apple Pay nur die Info, dass die Transaktion von der Bank angenommen und durchgeführt wird.

Wallet-Systeme: Der Geldbeutel der Zukunft

Apple ist ein Wallet-System, Wallet bedeutet Geldbörse. Früher war es hip, an der Ladenkasse einen Louis-Vuitton-Geldbeutel zu zücken. Heute wird in den Ländern, in denen es Apple Pay schon gibt, das iPhone aus der Tasche gekramt oder die Apple Watch vor’s Lesegerät gehalten. Wie bei einem echten Geldbeutel handelt es sich bei einem Wallet-System nur um eine Hülle, in die ich verschiedene Zahlungsarten stecken kann.

Im Louis-Vuitton-Geldbeutel stecken gewöhnlich Bargeld, EC- und Kreditkarten. In der Apple Pay-Hülle stecken: bisher nur Kreditkarten. Im Hintergrund von Apple Pay liegen meine Kreditkartendaten und in fast allen teilnehmenden Ländern sind das die Karten von Visa und Mastercard.

Das wird auch beim Start in Deutschland nicht anders sein, allerdings sind hier Kreditkarten viel weniger verbreitet als in anderen Ländern. Ich bin gespannt, ob wir uns über kurz oder lang noch weitere Zahlungsarten in den Apple-Pay-Geldbeutel stecken können, die hierzulande beliebter sind, zum Beispiel der Kauf per Lastschrift oder auf Rechnung.

Das Ökosystem Apple und seine Klone

Mit Apple Pay führt Apple konsequent fort, was es mit seinen anderen Diensten schon lange macht: Der Apple-User soll alle alltäglichen Dinge, zu denen nun auch das Bezahlen gehört, innerhalb des Apple-Ökosystems durchführen können. Daher ist Apple Pay an die Apple-Endgeräte gebunden.

Im Internet, wo man ebenfalls per Apple Pay zahlen kann, an den iOS-Browser Safari. Mit dieser Fokussierung auf die eigene Kundschaft war Apple bisher höchst erfolgreich. Ganz nebenbei eignet sich Apple Pay hervorragend als Vertriebs-Booster für die zumindest in Deutschland noch nicht stark verbreitete Apple Watch. Mit ihr ist das Bezahlen noch einen Tick bequemer, als wenn ich erst mein iPhone aus der Tasche kramen muss.

Auch wenn Apple sich auf seine eigene Kunden konzentriert, werden sich Wallet-Systeme in der breiten Masse durchsetzen. Denn Apples Konkurrenz schläft nicht, und so gibt es neben Apple Pay bereits Samsung Pay sowie Android Pay aus dem Hause Google.

Auch Microsoft und andere Endgeräthersteller wie LG sind mit eigenen Lösungen am Markt. Als Besitzer eines Samsung-Smartphones nutze ich künftig Samsung Pay, ich nutze Android Pay, wenn ich ein Sony-Smartphone habe, und als iPhone-Besitzer eben Apple Pay. Das Prinzip dahinter ist immer ähnlich, und dem Endkunden wird es egal sein, aus welchem Haus seine elektronische Geldbörse kommt.

Warum gibt es Apple Pay noch nicht in Deutschland?

Dass wir hier in Deutschland noch auf Apple Pay warten müssen, und zwar voraussichtlich bis 2017, hat viele Gründe – einer davon hat, wie immer, mit den Banken zu tun. Um mitzumischen, müssten sie Kosten an Apple entrichten. Sie würden dafür bezahlen, die Schnittstellen der Apple-Geräte nutzen zu können. Das klingt erst einmal unprofitabel – wenn sich Wallet-Systeme allerdings durchsetzen, schauen die Banken dumm aus der Wäsche. Denn ich gehe nicht davon aus, dass es bald ein Sparkassen-Handy gibt.

Während Länder wie Frankreich oder England das Potenzial zu erkennen scheinen, verweisen hiesige Banken gerne darauf, sich auf ihren eigenen Dienst paydirekt zu konzentrieren. Über den zweifelhaften Erfolg des Banken-Bezahldienstes paydirekt habe ich bereits berichtet, abgesehen davon stellt sich mir die Frage, was das eine mit dem anderen zu tun hat.

Es spricht nichts dagegen, mehrgleisig zu fahren, zumal es sich um zwei unterschiedliche Ansätze handelt. Der Bundesverband deutscher Banken muss sich seit Juni sogar mit einer Petition auseinandersetzen, die die Einführung von Apple Pay fordert.

Apple Pay wird kommen, und wenn die deutschen Banken nicht mitziehen, wird sich jemand anderes dieses große Stück vom Bezahlkuchen einverleiben. Im Zweifel Apple oder Google selbst, denn das Geschäft mit dem Zahlungsverkehr könnte ihr Einstieg in lohnenswertere Finanzgeschäfte sein, die bisher noch den Banken vorbehalten sind.

Der Endkunde wird Apple Pay, wie alles aus dem Hause Apple, annehmen und nutzen. Sogar wir Bargeld-Deutschen, wenn auch vielleicht nicht gleich so selbstverständlich wie Kunden in anderen Ländern. Bei meiner letzten Dienstreise stand ich in einem Züricher Flughafenkiosk und wollte gerade Wasser und Zeitschrift bezahlen, als ich das Lesegerät entdeckte, das sowohl für Apple Pay als auch Samsung Pay ausgezeichnet war.

Ich fragte den freundlichen jungen Herrn an der Kasse, wie gut Apple Pay, drei Monate nach Einführung, denn angenommen werde. Er sagte: „Überraschend gut! Die meisten Kunden zahlen aber nicht mit dem iPhone, sondern mit der Apple Watch.“

Bis zum nächsten Mal,

Ihre Miriam Wohlfarth