Autonomes Fahren – Traum oder Albtraum

Vom 23.09.2016

Bei Stephen King war es noch Horror: Christine, das selbstfahrende Auto. Uns erwartet hoffentlich eine rosigere Zukunft.

Stephen Kings Christine war ein 1958er Plymouth Fury in rot-weißer Lackierung. (Foto: Getty Images)

Stephen Kings Christine war ein 1958er Plymouth Fury in rot-weißer Lackierung. (Foto: Getty Images)

 

Eine Dreiecksbeziehung zwischen einem 17 Jahre alten Außenseiter, seiner neuen Freundin und einem spukenden Oldtimer – klingt nach einer spannenden Geschichte? Ist es auch.

Es ist die Geschichte von Christine von Stephen King. King ging es vor allem darum, dass es seinen Lesern eiskalt den Rücken hinunterläuft. Dabei thematisierte er bereits einige der Albträume – oder Träume – in den Köpfen der heutigen Automobilindustrie: Ein Auto, das ohne menschliche Kontrolle fährt.

Angesichts der gerade begonnenen IAA Nutzfahrzeuge in Hannover und im Vorfeld des Pariser Autosalons Anfang Oktober ist das autonome Auto in allen Köpfen – ebenso wie die damit assoziierten Risiken.

In der weltweiten Automobilindustrie sind gerade zwei dominierende und übergreifende Trends auszumachen, zusätzlich zu den Entwicklungen in den einzelnen Märkten: Erstens, eine größere staatliche Einmischung in die Marktdynamik durch Subventionen und Kaufanreize.

Und zweitens, die wachsende Faszination des autonomen Fahrens und die damit verbundenen (erheblichen) Investitionen bei Entwicklern und Herstellern.

Herausforderung künstliche Intelligenz

Nach einem Jahr, das durch den Abgasskandal vor allem vom Thema der emissionsfreien Autos geprägt war, wirkt es nun so, als ob die Branche sich vergewissern will, dass sie sich neu erfinden kann. Deshalb herrscht nun eine große Faszination vom Auto der Zukunft, das sich selbst fährt und eigenständig einparkt.

Künstliche Intelligenz ist ganz klar eine große Herausforderung – und wird sicherlich bald dazu führen, dass Dinge einfacher werden oder gar erst möglich werden, wenn sie es bisher nicht waren.

Automatisiertes Lernen und Big Data haben das Know-how und Lernen bereits beschleunigt und die Erfahrung in vielen Branchen verändert, vom Web bis zum Internet of Things. Selbst Roboter haben bewiesen, dass sie eine Art künstliches Bewusstsein haben können.

Vielleicht lag Stephen King ja als Visionär richtig. Wir könnten bald eine rosige Version der Christine haben. Sie kann eigenständig die Kinder aus der Schule abholen.

Nur was, wenn sie plötzlich eigenständig beschließt, in die Waschstraße zu fahren mit den Kindern auf dem Rücksitz? Oder wenn die Software abstürzt und sie plötzlich falsch abbiegt oder zu schnell fährt?

Bitte vergessen Sie den Fahrspaß nicht

Die Suche nach dem richtigen Algorithmus, die Berücksichtigung zahlreicher Straßen und Wetterbedingungen, die Lösung von Gesetzes- und Versicherungslücken sind alles Bereiche, in die Autobauer und Tech-Firmen investieren müssen.

Die Nutzerfreundlichkeit zu optimieren ist essenziell, vor allem weil die intelligente Maschine bessere Entscheidungen treffen müsste als menschliche Fahrer.

Wenn immer mehr Teile unseres Lebens durch Algorithmen kontrolliert, gemanagt oder reguliert werden – wo bleibt dann noch der Spaß beziehungsweise der Fahrspaß?

Ein Auto ist nach wie vor ein Statussymbol der Mittelklasse. Zudem hat es bei Liebhabern Kultstatus und einen hohen Freizeitwert. Wo bleibt das Zickzackfahren auf der Landstraße, um den Beifahrer zu beeindrucken oder das Gefühl der Freiheit, wenn im Cabrio die Haare im Wind flattern?

Selbst das Abwürgen des Motors beim Anfahren am Berg hat doch einen angesichts der Christine-Szenarien fast nostalgischen Charme. Den Spaß am Fahren sollten Autobauer auf ihrem Weg zum autonomen Fahren jedenfalls im Auge behalten, sonst nützen all die Annehmlichkeiten des autonomen Fahrens und der fortschrittlichen Technik wenig.