Deutsche Fintechs: Die Aufholjagd hat begonnen

Vom 27.12.2016

Die deutsche Fintech-Szene wächst – und zwar mit einer Dynamik, die ihresgleichen sucht: 2015 ist fast jeden zweiten Tag ein neues Fintech entstanden.

Im Frankfurter Bankenviertel entstehen derzeit viele Fintechs. (Foto: Picture Alliance)

Im Frankfurter Bankenviertel entstehen derzeit viele Fintechs. (Foto: Picture Alliance)

Seit 2014 konnte die hiesige Fintech-Branche um ganze 60 Prozent zulegen. Es zeigt sich: Jungunternehmer aus dem Finanzbereich leben derzeit einen starken Gründerspirit vor.

Das beweisen die Zahlen unserer aktuellen comdirect-Studie zur deutschen Fintech-Landschaft. Auch ein Blick auf das Venture Capital, das deutsche Fintechs bisher für sich vereinnahmen konnten, verrät: Mit Start-ups aus dem Finanzbereich muss in den kommenden Jahren weiter gerechnet werden.

2016 ist ein Rekordjahr, bisher flossen 507 Millionen Euro Wagniskapital in deutsche Fintechs. Das ist bereits jetzt mehr als im gesamten Vorjahr. Zudem lohnt sich ein näheres Hinschauen auf die Sektoren Proptech (Immobilien) und Finanzierung. Mit 145 beziehungsweise 130 Start-ups bilden sie aktuell die wichtigsten Wachstumsbereiche unter den deutschen Fintechs.

Aber auch Insurtech-Startups sowie Fintechs aus den Bereichen Investment und Payment liegen in Sachen Gründungszahlen im mittleren zweistelligen Bereich – und bilden somit einen wichtigen Zukunftsmarkt ab.

Fintech-Standorte: Frankfurt wächst am schnellsten

comdirect-Studie: Fintechs in Deutschland
Comdirect-Studie: Fintechs in Deutschland. (Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.)

Im globalen Vergleich kann Deutschland als Fintech-Standort trotzdem noch nicht mithalten. London bleibt weiterhin stärkstes Zentrum der europäischen Fintech-Szene und gilt als internationale und vor allem unbürokratische Metropole.

Die meisten international bekannten Fintechs haben sich in der britischen Hauptstadt angesiedelt. Die aktuelle Entwicklung in Deutschland macht aber deutlich: Die deutschen Fintechs haben mit der Aufholjagd längst begonnen. Berlin bleibt dabei eine Klasse für sich. Mit 179 Start-ups sitzen in der Hauptstadt mehr Fintechs als in München, Hamburg und Frankfurt zusammen.

Doch auch diese Standorte sind nicht zu unterschätzen. So sicherte sich etwa das Hamburger Start-up Kreditech im vergangenen Jahr 83 Millionen Euro Risikokapital – und erzielte somit die größte deutsche Fintech-Venture Capital-Runde aller Zeiten.

Und auch Frankfurt holt deutlich auf: Im deutschen Standort-Ranking belegt die Stadt zwar nur Platz vier hinter Berlin, München und Hamburg. Jedoch weist die Finanzmetropole mit 115 Prozent die stärkste Wachstumsdynamik aller deutschen Top-Standorte auf.

Jeder Fintech-Standort hat seine Vorteile

Während in Großbritannien nur London eine maßgebliche Rolle bei den Fintechs einnimmt, entstehen hierzulande also mehrere wichtige Standorte und Ökosysteme parallel. Das ist auch gut so.

Denn jeder Fintech-Hub bringt für die Start-ups seine ganz eigenen Vorzüge mit sich. Frankfurt bietet die Nähe zu den großen Banken, München ist der Hauptsitz vieler DAX-Unternehmen und Hamburg hat sich als Digitalstandort einen Namen gemacht, wo sich unter anderem Google und Facebook angesiedelt haben. Berlin wiederum bietet eine sehr lebendige und internationale Gründerszene.

Ohnehin geht es nicht um eine Rivalität der Standorte, sondern darum, wie Banken und Fintechs es schaffen, für ihre Kunden gute Ideen hervorzubringen und diese in echte Innovationen zu verwandeln. Denn nur so lässt sich Bank neu denken.