Rezept für eine bessere Welt

Vom 18.11.2016

Ich kann es nicht mehr ertragen, dass sich in der Start-up-Szene alle nur um sich selbst drehen. Liebe Welt, wach auf! Diese Krise geht uns alle an.

Der Schlüssel für eine bessere Zukunft liegt in unseren Mitmenschen. (Foto: Getty Images)

Der Schlüssel für eine bessere Zukunft liegt in unseren Mitmenschen. (Foto: Getty Images)

Es ist wunderbar, wenn die Menschen sich Gedanken darüber machen, wie Leben noch schöner, gesünder, reiner und komfortabler geht. Meine Lieben, ich bin schon länger der Meinung, dass wir wegkommen müssen von dieser ständigen Innovation unseres Selbst und unseres Egos.

Ich kann es nicht mehr hören, dass sich die besten Gründer, die ich kenne, nur um sich selbst und ihr sowieso schon übervolles Konto drehen. Vor einer Weile gab es einen Fall, da erzählte mir jemand, er wolle seinen vierten Ferrari verkaufen, und sprach im nächsten Satz dann über seine arme Großmutter in Russland. Da ist mir die Kinnlade runtergefallen.

Als ich anmerkte, dass es vielleicht eine gute Idee sei, den Ferrari zu verkaufen und das Geld an die Großmutter zu geben, wurde ich ziemlich blöd und schockiert angeschaut.

Liebe Welt, ich stehe zwischen Investoren und sozialen Innovatoren und weiß mittlerweile wirklich, wovon ich rede. Investoren geben sich weltoffen und interessiert, sind dabei aber hardcore exklusiv und kontaktscheu gegenüber 99,9 Prozent der Menschheit. Wer nicht die eigenen Kriterien an Reichtum, Schönheit, Netzwerk oder Bildung erfüllt, bleibt draußen – sorry.

(Auch bei den meisten Social-Impact-Investoren in Deutschland ist das übrigens leider der Fall).

Das Schlimmste daran ist der Unterschied zwischen Versprechen und Handeln. Schon wegen des Peer-Pressure bekomme ich auch persönlich häufig ein „Ja” als Antwort – bei Dinner Partys oder Konferenzen zum Beispiel. Ständig werden mir dann Intros zu sozialen Inkubatoren gemacht, um zu helfen. Danke, aber die meisten kenne ich schon und eure Intros bringen nicht viel.

Diese Krise geht uns alle an

Was ich erreichen will, liebe Elite Deutschlands, ist euch bewusst zu machen, dass diese Krise uns alle etwas angeht und euer exklusives Handeln eine bessere Zukunft für die Gesellschaft als Ganzes verbaut. Soziales Handeln bedeutetet, sich „herabzulassen” und sich mit den Menschen auseinander zu setzen, die nicht in die eigene Schublade passen.

Es bedeutet, Respekt und Toleranz gegenüber dem Fremden zu zeigen. Der Schlüssel für eine bessere Zukunft liegt in unseren Mitmenschen, also macht bitte nicht mir die Intros, sondern den unzähligen Personen mit Potenzial da draußen um euch herum.

Soziale Innovation beginnt mit besseren menschlichen Beziehungen und mit mehr menschlichem Füreinander. Wenn ihr euch benehmt wie Idioten und im Gegenzug dazu eventuell hin und wieder auf elitären Dinner Partys euren Geldbeutel für die Armen zückt, ist das keine Lösung, sondern eher etwas peinlich.

Die Welt wächst immer mehr zusammen und wir haben jetzt die Wahl zu entscheiden, ob wir Blöcke bauen wollen – mittlerweile auch innerhalb unseres Landes – oder ob wir damit beginnen möchten, uns gegenseitig mit Respekt zu behandeln und über das unfassbare Potenzial der Menschen um uns herum zu lernen, es zu begreifen und zu fördern.

Bei allen Nicht-Romantikern unter uns entschuldige ich mich für die folgenden Sätze, aber ich glaube daran, dass wir zu allererst in unserer Gesellschaft den Gedanken zentral verankern müssen, dass wir in Kooperationen und in Partnerschaften versuchen sollten, das Beste für den Gegenüber und uns selbst zu erreichen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr viel bringt dies gegenüber dem Partner von Vornherein verbal zu kommunizieren und immer wieder zu wiederholen. Wieso geht man überhaupt immer davon aus, dass der Andere eine Agenda hat, die uns selbst schaden könnte?

Woher kommt die ständige Angriffshaltung? Uns geht es doch mehr als gut. Ich verstehe das wirklich nicht.

Um nochmal klar zu machen, wieso eine Veränderung in unserer Gesellschaft unbedingt notwendig ist, möchte ich auf die AfD zu sprechen kommen, weil wir mit unserem Handeln anti-kooperative, Blöcke bildende und rückläufige Strömungen nähren.

Die Menschen haben die Nase voll

Liebe Elite, die Mehrheit da draußen versteht eure exklusive soziale Innovation nicht. Die Menschen in Europa und in den USA sind so weit, dass sie die Nase voll haben von noch mehr Innovation und Experimenten auf ihre Kosten, die die meisten von ihnen nicht verstehen. Sie fühlen sich abgehängt.

In Amerika wählt man sogar lieber einen in die Jahre gekommenen, weißen Amerikaner, der an die Broker mit heißer Freundin aus den goldenen Jahren an der Wallstreet erinnert. Trotz „grab them by the pussy”-Kommentaren, orangefarbener Haut und einem beachtlichen track record an fraglichen, rassistischen Aktionen, haben die Menschen in den USA zu ihm gehalten.

Dann ist da noch das Phänomen ISIS: Die Menschen suchen sich alle möglichen Zufluchtspunkte, weil sie eure exklusive Innovation – oder eher eure Lüge vom sozialem Handeln und „sozialem Unternehmertum” – nicht verstehen. Vielleicht drücke ich mich etwas platt aus, aber das ist mittlerweile Fakt.

Auf menschlichen Kontakt kommt es an

Würdet ihr es wirklich ernst meinen mit dem guten Willen für die Menschheit, so würdet ihr euch anders verhalten und euch gegenseitig mit mehr Respekt begegnen. Ich habe übrigens auch aufgehört, meinen Facebook-Newsfeed ernst zu nehmen, weil man hier nur in seiner eigenen Blase bleibt. Sogar die meisten der Massenmedien erreichen sehr viele der Menschen nicht, die wir im Moment an radikale Strömungen verlieren.

Der Schlüssel liegt im menschlichen Kontakt. Ihr müsst lernen, aufeinander zuzugehen, euch nicht zu verschließen und euch mit Respekt zu behandeln. Wieso erwartet ihr von Menschen, dass sie sich ändern und anpassen und seid selbst nicht dazu bereit euch gemeinsam mit euren Mitmenschen weiter zu entwickeln?

Was ist der Unterschied zwischen euch und allen anderen Menschen auf der Welt, außer, dass ihr vielleicht Glück hattet und in eine andere Realität geboren wurdet? Wenn wir heute so vielen Menschen helfen und von ihnen lernen könnten, so sollten wir das auch tun.

Die Welt verändert sich extrem schnell und wir werden nicht weiter kommen, wenn wir es ablehnen, dazuzulernen und das Kapital zu nutzen, das im Kopf, im Handeln und im Herzen unserer Mitmenschen steckt.

Wenn ihr statt des nächsten Euros, den ihr spenden möchtet, einer Person einen Handschlag gebt, die nicht in eure Schublade passt und sie danach fragt, was sie sich am meisten für die Zukunft wünscht, so ist schon viel getan.