Brennstoffzelle – Megatrend an der Börse?

Vom 11.03.2016

Investieren in neue Schlüsseltechnologien und in die richtigen First-Mover. Im Bereich Brennstoffzellen hat Ballard Power Technologies Potenzial.

In Zeiten der aufkommenden Elektromobilität und dem Trend zu erneuerbaren Energien wird das Thema Energiespeicherung immer wichtiger. (Foto: Picture Alliance)

In Zeiten der aufkommenden Elektromobilität und dem Trend zu erneuerbaren Energien wird das Thema Energiespeicherung immer wichtiger. (Foto: Picture Alliance)

 

Im Jahr 2002 schien es so, denn Ballard explodierte im Kurs (über 120 US-Dollar) und das Unternehmen war mehr als 10 Milliarden US-Dollar wert. Danach kam die Ernüchterung und der Unternehmenswert fiel gar auf unter 200 Millionen US-Dollar. Kommt nun der „endgültige“ Durchbruch? Worum geht es?

Das Grundprinzip der Brennstoffzelle ist schon 175 Jahre alt: mittels Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (02) wird Strom und Wärme erzeugt. Via Elektrolyse wird Wasser vorab in Wasserstoff und Sauerstoff aufgesplittet und dann mittels der Brennstoffzelle in Strom, Wärme und Wasser überführt.

Die Brennstoffzelle wandelt also die chemisch gespeicherte Energie (Wasserstoff) in Strom um. Brennstoffzellen sind keine Energiespeicher, sondern Energiewandler. Wasserstoff ist ein ideales Speichermedium, gerade wenn man überschüssigen regenerativen Strom (Solar, Wind) wie bei uns in Deutschland zur Verfügung hat.

Das weltweit führende Know-How besitzt das kanadische Unternehmen Ballard Power Technologies, das als Vorreiter der Branche gilt und über 30 Jahre bereits erfolgreich in der Forschung und Entwicklung tätig ist. In den vergangenen 20 Jahren haben sich nun vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für den Einsatz von „grünem“ Wasserstoff und der Umsetzung in Energie mittels Brennstoffzelle ergeben.

Ballard könnte damit vor seiner Neu-und Wiederentdeckung stehen, da man sich auf einige wenige Kernmärkte (Busse und Schienenfahrzeuge, Material Handling wie Gabelstapler und Kraftfahrzeuge) konzentriert hat und hier das Know-How mit namhaften Partnern und Kunden in der ganzen Welt teilt (F & E, Kooperationsabkommen, Auftragsfertigung, Zulieferung und Lizenzgeschäften).

Chinafantasie: Mehr-Wege-Strategie

Mit einer Reihe großer namhafter chinesischer Unternehmen im Bereich der Produktion von Schienenfahrzeugen (Züge und Strassenbahnen, CSR) wie auch lokal ansässigen führenden Busherstellern (Xiaman King Long – zweitgrößter Bushersteller der Welt) konnte Ballard in 2015 konkrete Aufträge vereinbaren (bislang über 300 Busse), wie auch die Fertigung von Busmodulen in großer Stückzahl (Planung Foshan Yunfu Eco Environmental Protection Industries – 12.000 Einheiten pro Jahr geplant) auf den Weg bringen.

Zudem wurden Prototypen für BZ-Systeme für Schienenfahrzeuge abgeliefert bzw. befinden sich in der Entwicklung. Ein Programm, dass 48 große chinesische Städte miteinander vereinbart haben, sieht vor, dass man jeweils 1000 E-Busse (Diesel-Hybrid, Wasserstoff-Hybrid, reine batteriebetrieben E-Busse, Gas) erwerben wird, also 48.000 E-Busse, von denen Ballard sich einige Aufträge erhofft.  Den 48 Städten, die als erste auf die E-Mobilität setzen, dürften dann unzählige Kommunen und Städte folgen gerade angesichts des neuen 5-Jahres-Planes der Regierung.

150 BZ-Busse weltweit – 15.000 in 3 Jahren?

Bislang sind nur 150 BZ-Hybrid-Busse weltweit in langjährigen Testreihen im Einsatz, und Ballard hat hierbei in circa 25 Jahren das umfassendste Know-How erarbeiten können. BZ-Busse von Ballard weltweit in 20 Großstädten fahren, die bereits 8 Mio Km hinter sich und über 10 Mio Passagiere befördert haben. Das kann nur Ballard vorweisen!

Parallel wurden die BZ-Stacks immer besser und konnten erheblich im Preis gesenkt werden wie auch der H2-Verbrauch auf 7 Kg/100 Km – im Vergleich: vor 5 Jahren wurden noch über 20 kg benötigt. Ballard setzt weltweit auf Partnerunternehmen vor Ort, wie die holländische Van Hool, die sich bei europäischen Ausschreibungen beteiligen und Ballard-Stacks in den Bussen einsetzen.

Mit VW verhält es sich besonders: man hat ein Patentportfolio in Sachen Brennstoffzelle von Ballard erworben, gleichzeitig ein langjähriges F & E-Programm mit 20 Millionen kanadischen Dollar im Jahr (2019/Option 2021) abgeschlossen. Ballard baut dabei KFZ-Typen von VW-Modellen als BZ-Hybrid um, wie zum Beispiel mit einem Audi H-Tron. Die Dieselgate-Affäre könnte hier weiteren – für Ballard positiven – Druck ausüben, d.h. die Forschungsanstrengungen noch erheblich erhöhen.

Und: man habe alle Milestones für VW bislang nicht nur erreicht, sondern diese gar überschritten. Und Ballard verfüge immer noch über IP/Patente/Know How (einige Patente wurden an VW veräußert, wobei Ballard bestimmte Nutzungsrechte behalten hat und auch weiterhin ein sehr umfassendes Patentportfolio besitzt, welches unabhängig von VW zu sehen ist), die für die ganze KFZ-Industrie bezogen auf das Thema Brennstoffzelle von Bedeutung sei.

Zum Hintergrund: Von UTX (United Technologies) wurden 2014 Patente erworben, für die UTX  ein Aktienpaket von Ballard und eine einstellige Millionenzahlung erhielt. Die Aufwendungen für dieses Know-How bzw. Portfolio soll bei über einer Milliarde US-Dollar gelegen habe. Ballard hat wertmäßig nur circa 20 Millionen US-Dollar bezahlt !  Mit namhaften OEMs (große KFZ-Zulieferunternehmen) arbeitet Ballard ebenfalls eng zusammen.

Technologische Entwicklungen

Mit der japanischen Ninshinbo hat Ballard einen Partner in der BZ-Entwicklung, der perfekt zu Ballard passt. Interessant bei dieser Kooperation ist, dass man den Platinanteil der PEM-Brennstoffzellen erheblich senken oder gar durch andere Materialien zu ersetzen plant.

Dies sind die Basics zum Unternehmen. Man verfügt über 40 Millionen US-Dollar an Bargeld, welches durch eine weitere Zahlung von VW im 1. Quartal um neun Millionen erhöht wird. Für 2016 liegt der Auftragsbestand schon mit über 58 Millionen US-Dollar über dem letztjährigen Umsatz, vor allem für BZ-Stacks für Busse.

Ballard setzt auf den Bereich Massentransport, ist aber auch im KFZ-Bereich durch OEMs wie auch wichtige Patente vertreten und setzt auf Länder bzw. Regionen wie China, Indien, Japan, USA und Europa, wo die besten Skalierungseffekte und Wachstumsperspektiven liegen.

Ist Ballard Power Technologies leader eines neuen Megatrends (Börsensymbol: BLDP, ca. 1,45 US-Dollar/1,30 Euro)?

Risikohinweis: Jeder Anleger muß seine eigene Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien von kleineren Unternehmen (SmalCaps) selbst bewerten, da die Volatilität wesentlich höher als bei Standardaktien ausfällt und ein höheres Anlagerisiko besteht. Das heißt immer auch unter dem Gesichtspunkt der Diversifizierung als spekulative Anlage betrachtet werden muss. Alle Angaben ohne Obligo !