Facebook, die Jobmaschine

Vom 17.02.2017

Facebook ist für private Kontakte, so zumindest die gängige Meinung. Doch auch dieses Netzwerk lässt sich beruflich nutzen. Man muss nur wissen, wie.

Soziale Netzwerke sind aus dem heutigen Berufsleben nicht mehr wegzudenken. (Foto: Getty Images)

Soziale Netzwerke sind aus dem Berufsleben nicht mehr wegzudenken. (Foto: Getty Images)

Als ich neulich bei einem Vortrag zum Thema „Netzwerke(n)” auch auf Facebook zu sprechen kam und die Möglichkeiten als Jobportal lobte, bekam ich heftig Gegenwind: Von „Für meine Branche ist das nichts!” über „Da präsentiere ich mich ja viel zu offen…”  bis zu „Das ist ein privates Netzwerk!”.

Für den Beruf sind schließlich die berufliche Netzwerke XING, LinkedIn oder Researchgate zuständig. Gar so leicht ist die Einteilung allerdings nicht, denn Facebook kann sich für den ein oder anderen zur Jobmaschine entwickeln. Dabei ist es gerade die persönliche Seite, die es so leicht macht, auch auf Facebook nach Jobs zu suchen. Oder – was eigentlich viel mehr passiert – Jobs angeboten zu bekommen.

Machen Sie doch mal die Probe aufs Exempel: Fragen Sie einfach mal, wer von Ihren Kollegen oder Bekannten Facebook auch für den Beruf nutzt. Kaum überraschen wird es Sie, wenn die meisten auf diese Frage antworten: „Facebook nutze ich nur privat!”.

Die Gründe reichen von „Das ist ja kein Business-Netzwerk!” über „Ich will nicht, dass mich jemand aus meinem beruflichen Umfeld in meiner Freizeit sieht.” hin zu „Wie gehe ich denn dann mit Freundschaftsumfragen von meiner Chefin, meinem Kunden oder meinem Dienstleister um?”

Um Facebook auch gut für Ihr berufliches Netzwerk zu nutzen, können Sie folgendermaßen vorgehen:

Folgen Sie (für Sie) interessanten Seiten

Je nach beruflicher Situation können das Unternehmensseiten, Karriereseiten, Magazin-Seiten, Seiten von Personen sein. Darüber bleiben Sie über deren Aktivitäten auf dem Laufenden und Sie können sich auch in die Kommunikation mit einbringen, zum Beispiel Beiträge liken, kommentieren oder auch teilen.

Als Absolvent/in könnten Sie so zum Beispiel Ihrem Traumunternehmen folgen und sich über längere Zeit immer wieder mit ins Gespräch bringen. Seien Sie sicher: Irgendwann fällt das auch dem Social Media Manager oder Personalmarketing-Manager auf der anderen Seite im Unternehmen auf.

Oder Sie testen direkt die Aufgeschlossenheit und Offenheit eines Unternehmens, indem Sie Fragen über die Chat-Funktion stellen. Antwortet es schnell? Persönlich? Oder bekommen Sie eine vorgefertigte Antwort am nächsten Tag?

Suchen Sie sich „Ihre” Gruppen

Mein Tipp: Gehen Sie für Ihre Jobsuche (und für vieles weitere!) in geschlossene Gruppen. Zwar finden Sie auch auf den Unternehmensseiten Stellenangebote und Sie können auch Fragen dazu stellen. Aber: Für den verdeckten Arbeitsmarkt aber sind die Gruppen viel interessanter!

Der Grund: Hier schließen sich Menschen mit ähnlichem Interesse zusammen: „Social Media Gruppe Köln” oder „Ingenieurinnen im Rheinland”. Hier tauschen sich die Mitglieder über berufliche Fragen aus. Besonders oft werden in diesen Gruppen aber auch Stellen gepostet, die noch nicht veröffentlicht wurden. Schnell kann man dann in den privaten Chat wechseln und sich in einem Telefonat wichtige Hintergrundinformationen austauschen wie:

  • Was genau ist Inhalt dieser Stelle?
  • Wie läuft die Personalauswahl?
  • Was muss ich als Interessentin unbedingt mitbringen, was ist vielleicht nicht so wichtig?
  • Gerade im Kommunikationsbereich, aber auch in vielen anderen Bereichen, werden so zahlreiche Stellen oder auch Projekte besetzt.

Facebook für die internationale Karriere

Was hätte ich mir gewünscht, es hätte zu meiner Studienzeit in den neunziger Jahren bereits ein soziales Netzwerk wie Facebook gegeben! Um wie vieles leichter wäre es gewesen, mit meinen Freunden und Kollegen aus dem Auslandssemester oder Praktikum in Kontakt zu bleiben.

Sie haben heute diese Chance, für immer im Gespräch zu bleiben. Und so bekommen Sie immer mit, wie aus Ihrer Kommilitonin Joy irgendwann die „Vice President Global Markets” wird – und sind immer noch vernetzt. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie neben dem virtuellen Kontakt auch persönlich im Gespräch bleiben. Wenn Sie wissen, wann Sie mal wieder in New York sind, verabreden Sie sich doch mit Joy zum „Neverlunchalone”.

Dos & Don´ts beim (beruflichen) Netzwerken auf Facebook

Neben allem Positiven gibt es natürlich beim (beruflichen) Netzwerken auf Facebook auch einige Fettnäpfchen, die Sie besser vermeiden sollten. Und natürlich hat jeder Mensch auch noch eigene Grenzen, die jedem individuell wichtig sind.

Treten Sie mit Klarnamen auf. Abgesehen davon, dass Facebook andere Namen nicht zulässt (eigentlich), kann man Sie zudem unter Ihrem richtigen Namen dann auch finden, wenn man Sie über die Facebook-Suche recherchiert.

Achten Sie auf ein passendes Profilbild. Da Sie sich in einem semi-professionellen Rahmen bewegen, brauchen Sie hier kein Business-Porträt. Aber ein so gar nicht zu Ihrem beruflichen Auftreten passendes Bild würde ich auch vermeiden. Es spricht aber überhaupt nichts gegen Symbolbilder oder ein witziges Porträt.

Teilen Sie Ihr Wissen. Bei Facebook – wie überhaupt bei gutem Netzwerken – gilt: Wer viel gibt, dem wird auch gegeben. Gerade, wer viel kommentiert, interessante Beiträge oder Angebote teilt, auch mal seine humorvolle Seite zeigt, bekommt viel zurück. Das kann von Jobempfehlungen bis zu Restauranttipps, Urlaubsorten oder Tipps zur Auswahl des richtigen Backofens reichen. Sie sehen: Hier dreht sich dann auch nicht immer alles um den Beruf, stattdessen mischen sich private und professionelle Ebene.

Arbeiten Sie mit Listen. Facebook gibt Ihnen mit den Smartlists bereits die Einteilung in Enge Freunde, Bekannte und „Eingeschränkt” vor. Unter „Eingeschränkt” sollten Sie all die Personen einsortieren, zum Beispiel Ihre Chefin, mit der Sie zwar befreundet sind, die aber sicher nichts von Ihrer Bitte für Jobempfehlungen erfahren soll. Mitglieder dieser Liste erhalten nur Ihre öffentlich geteilten Beiträge.

Kommilitonen, Arbeitskollegen, Börsenliebhaber, Fußballverrückte, Business-Kontakte kommen in eine Eigene Liste. So können Sie jeden neuen Kontakt bei Facebook in eine dieser Listen einsortieren. Business-Kontakte können Sie nun gezielt über Ihre beruflichen Neuigkeiten auf dem Laufenden halten, zum Beispiel über einen Vortrag, den Sie demnächst auf Ihrem Netzwerktag halten oder einen neuen Fachbeitrag, der Ihnen aufgefallen ist.

Schützen Sie Ihre Privatsphäre. Hier gilt eine einfache Maxime: Posten Sie grundsätzlich nichts in sozialen Netzwerken, das Sie nicht auch im Büroflur an die Wand hängen würden. Das schützt Sie dann auch davor, aus Versehen einen Beitrag in der falschen Liste zu teilen.

Bilder vom Sektempfang oder auch mal ein witziges Karnevalsbild dürfen Ihre Kollegen aber ja auch durchaus mal sehen. Und wer in einer sehr konservativen Branche arbeitet, für den ist der Büroflur auch eine gute Richtschnur. Wichtig, vor allem für Studierende: Im Studium wird vieles lockerer gesehen – so gelangen eben auch mal zu lockere Bilder ins Netz. Achten Sie daher von Anfang an darauf, dass Partybilder zumindest nicht-öffentlich gepostet werden.

Achten Sie auf Ihre Privatsphäre-Einstellungen: Diese können Sie sehr individuell einstellen, es lohnt sich also, sich damit zu beschäftigen.

Achten Sie auf Vertraulichkeit: Achen Sie außerdem darauf, ob Sie manche Fragen nicht besser im privaten Chat besprechen oder direkt in einem Telefonat (von dem es hinterher eben kein schriftliches Dokument gibt!). Heikle Fragen und natürlich auch unternehmensinterne Details sollten Sie nie bei Facebook diskutieren!

Die Sache mit dem „Du”. Mit dem Siegeszug von Facebook hat sich auch das „Du” im Alltag immer mehr durchgesetzt. Wer bei Facebook in Kontakt miteinander kommt, landet sofort beim „Du”. Bei einem geschäftlichen Kontakt stellt sich dann die Herausforderung: Wie geht man damit um, wenn man persönlich oder in einem anderen Netzwerk in Kontakt miteinander tritt?

Meine Lösung: Ich frage kurz nach, ob es okay ist, wenn wir beim „Du” bleiben und biete von meiner Seite aus an, dass wir auch gerne zum „Sie” wechseln können. Damit fahre ich ganz gut. Wie ist es bei Ihnen?