Ist Gold vielleicht doch eine Überlegung wert?

Vom 15.02.2017

Deutsche Geldanleger tun sich mit Gold schwer. Aber die historische Entwicklung deutet auf Veränderungen bei der Kapitalanlage hin. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Gold ist als langfristige Geldanlage nicht zu unterschätzen. (Foto: Getty Images)

Gold ist als langfristige Geldanlage nicht zu unterschätzen. (Foto: Getty Images)

Zum Thema Gold, gleich vorweg: Ich bin kein „Weltuntergangs-Prophet“. Ganz im Gegenteil, als aktiver Value-Investor, halte ich es mit der alten Erkenntnis – „die schönsten Häuser auf der Park Avenue in Manhattan sind alle von Optimisten gebaut“.

Es ist meine feste Überzeugung, dass die Schaffenskraft des Menschen nie versiegen wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch nach schlimmsten Katastrophen und Epochen der schieren Hoffnungslosigkeit es immer wieder aufwärts geht.

Deshalb investiere ich für meine Klienten und mich mit Bedacht – ohne Angst – seit Jahren in gute Aktienunternehmen. Wir liegen richtig, denn wir profitieren so von der Dynamik und der Entfaltung der Kreativität einer immer größer werdenden Weltwirtschaft. Der wissenschaftliche Fortschritt ist von keiner Regierung mehr aufzuhalten.

Umgang mit Risiko

Doch nicht allen Sparern und Geldanlegern ist es anzuraten, sich mit der Bewertung von Unternehmen und den Mechanismen der Börse auseinander zu setzen. Der Umgang mit dem Faktor „Risiko“ will gelernt sein. Nicht alle Besitzer von Kapital haben das erforderliche Wissen, zwischen guten und schlechten Aktien oder Fonds zu unterscheiden. Und vielen fehlt auch das Gespür, die Erfahrung oder die Zeit kompetente Bank- oder Anlageberater zu identifizieren.

Dies ist der Grund, warum in Deutschland der Aktienbesitz so wenig verbreitet ist. Nur etwa sieben Prozent unserer Landsleute besitzen Aktien. Stattdessen stapelt sich das private Volksvermögen in Schwindel erregenden Größenordnungen auf den Sparbüchern. Und zwar seit geraumer Zeit ohne echte Verzinsung. Das ist eine Katastrophe.

Zinslos – Papiergeld oder Gold?

Umso erstaunlicher ist es, dass sich kaum jemand ernsthaft die Frage stellt, in welcher Form das Kapital – zinslos – eigentlich besser aufgehoben ist: in Papiergeld oder in Gold?

Ich habe es immer wieder festgestellt: Sobald es zum Thema Gold kommt, nehmen die Gespräche eine emotionale Wendung. Die eine Fraktion hält Gold für ein überkommenes Relikt aus der Antike. Als es noch Zinsen auf Guthaben gab, war das Argument gegen Gold stets, dass es ja „keinen Ertrag“ bringt. Die Bereitschaft, sich professionell mit der Goldthematik zu beschäftigen, geht gegen Null.

Gold in der Rolle des Außenseiters

Auf der anderen Seite: wer von Gold als langfristige Kapitalanlage überzeugt ist, traut sich kaum, dies öffentlich zuzugeben. Wer den Großteil seiner Ersparnisse in Gold angelegt hat, läuft Gefahr, als „Sonderling“, als Außenseiter oder unverbesserlicher Pessimist da zu stehen. Ganz anders ergeht es den großen Aktienanlegern. Sie werden in den Medien als Stars bewundert und von ihren Fans in den Guru-Status erhoben. Da gibt es viel Applaus und Anerkennung. Ich verzichte hier auf Namensnennungen.

Wenn ich mich mit Kapital beschäftige, dann ist für Emotionen kein Platz. Mir geht es um Fakten. Und wie steht es da eigentlich mit dem Gold? Ich sehe das Gold auf einer ähnlichen Ebene wie unbebaute Grundstücke. Gemeinsam ist den beiden Anlageklassen, dass sie in ihrem Sachwert-Charakter eher für langfristige Zwecke in Frage kommen. Sie sind kaum „kaputt-bar“ und sie bereiten dem Anleger nur wenig Mühe.

Gold, die Preisentwicklung

Allgemein ist bekannt, dass der Kauf von unbebauten Grundstücken in guten Lagen in der Vergangenheit keine schlechte Sache war. Doch wir steht es um das Gold? Schauen wir uns die historische Entwicklung an.

Anfang der 1970er Jahre kostete eine Unze Feingold um die 80 US-Dollar. Zwischen 1975 und 1978 lag der Preis zwischen 180 und 100 US Dollar, im Durchschnitt etwa bei 150 US Dollar. In den Jahren von 1998 bis 2002 notierte das Gold dann bei 250 bis 300 US-Dollar. Als ich im Jahr 2003 auf die Unterbewertung von Gold zum Preis von 400 US-Dollar pro Unze hinwies, wurde ich kritisch beäugt. Heute ist die Unze Gold für 1.200 US-Dollar zu haben.

Nur wenige Kapitalanleger erlauben sich, mit Distanz auf den langfristigen Trend zu schauen. Die Erfolgsdaten sprechen für sich, wenn man bereit ist, unvoreingenommen die Preisentwicklung zu lesen. Stattdessen halten sich die Leser am kurzfristigen „auf und ab“ im Getöse der Finanznachrichten fest. Als Ergebnis ist ihr Blick vernebelt. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Warum tun sich die Deutschen so schwer mit dem Gold?

Nicht vom Gesellschaftssystem abhängig

Worin liegt die Besonderheit und der Vorzug von Gold als langfristige Kapitalanlage? Anders als Sparguthaben, Anleihen und börsennotierte Aktien, ist Gold nicht von der gesellschaftlichen Systemordnung abhängig. Kapitalanlagen in Papiergeld und börsenregulierten Mechanismen basieren auf dem Vertrauen in die staatliche Finanzordnung.

Gold hingegen ist eine der wenigen Anlagemöglichkeiten, mit denen der Kapitalbesitzer sich bewusst in die eigene Verantwortung stellt und sich nicht länger auf staatliche Versprechen verlässt.

Ich habe mir dazu meinen eigenen Reim gemacht. Ich bin überzeugt, dass hier „der Hase bei den Deutschen begraben liegt“. Dazu müssen wir in die Tiefenpsychologie des nationalen Charakters einsteigen. Der Gedanke, die staatliche Ordnung, das Finanzsystem könnte fundamental nicht mehr verlässlich sein, gefällt den Deutschen nicht. Im tiefsten Inneren greifen bei diesem Gedanken große Ängste und Panik um sich.

Traumatische Blockade

Das Trauma ist verständlich. Anders als die Schweizer, Briten oder die Amerikaner hat die deutsche Nation während der letzten 100 Jahre gleich zweimal in Währungsreformen ihre gesamten Ersparnisse verloren. Sämtliches Papiergeld, gezeichnete Kriegsanleihen, alles wurde entwertet. Und zwar von den Regierenden. Denen man vertraut hatte.

Von daher spräche alles dafür, dass gerade die deutschen Sparer aus den Erfahrungen bei den Währungsreformen gelernt haben. Anstatt besonders skeptisch dem Papiergeldsystem zu begegnen, ist die Reaktion jedoch genau umgekehrt.

Die traumatischen Erlebnisse eines vollständigen nationalen Zusammenbruchs haben eine tiefenpsychologische Verdrängung des Gedankens bewirkt: „so etwas darf nie mehr sein“. Eine massive Umschichtung des Kapitals ins Gold würde als Misstrauensvotum gewertet. Der Gedanke des kollektiven Halts der Gesellschaft liegt den Deutschen näher als der Weg in individuelle, private Lösungen bei der Frage der Kapitalanlage. Von daher die Reserviertheit gegenüber der Anlageklasse „Gold“.

Umdenken – langfristig bitte

In einer Zeit unüberschaubarer geopolitischer Verwicklungen, unkalkulierbarer nationaler Führungspersönlichkeiten, einer Tendenz zu Krisenherden mit massiven Ausgaben für die Kriegswirtschaft und andauernden Regierungsschulden stehen die Zeiten für das Papiergeld schlecht.

Es ist an der Zeit umzudenken. Für den langfristigen Erhalt Ihres Kapitals sind nur Sie verantwortlich. Die Zeiten eines behüteten Finanz- und Wirtschaftssystems könnten heute schon vorbei sein. Patentlösungen gibt es da nicht. Jede Familie sollte ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Zehn Kilo Gold – wie viel ist das?

Zum Abschluss des Goldthemas eine kleine Geschichte zur Anschauung: ich heiße Markus Elsässer. Unterstellen wir, einer meiner Vorfahren hätte im Elsass vor der französischen Revolution im Jahr 1789 zehn Kilo Gold in seinem Waldgrundstück vergraben. Gold ist sehr schwer, das Volumen ist klein. Zehn Kilo sind gerade mal so groß wie ein halber Schuhkarton.

Wenn ich heute beim Umgraben des Bodens auf die zehn Kilo Gold stieße, dann bekäme ich 360.000 Euro ausgezahlt. Das verstehe ich unter langfristigem Kapitalerhalt. Deshalb bleibt Gold für mich ein Thema und ist kein Relikt aus dem Geschichtsbuch.