15 Jahre Euro – quo vadis?

Vom 19.01.2017

Bei aller verbreiteten Skepsis: Wenn die Mitgliedstaaten mitziehen, hat der Euro das Zeug, sich dauerhaft als Währung zu halten.

Seit 1. Januar 2002 gibt es Euro-Bargeld – mittlerweile in 19 Ländern. (Foto: Getty Images)

Seit 1. Januar 2002 gibt es Euro-Bargeld – mittlerweile in 19 Ländern. (Foto: Getty Images)

Zu seinem 15. Geburtstag am 1. Januar hat der Euro wenig freudestrahlende Glückwünsche erhalten. Stattdessen wurden eher skeptische Stimmen laut. Einige Auguren sagen für das Jahr 2017 sogar das „Endspiel um den Euro” voraus. Doch sollte man bei aller Lust an der dramatischen Zuspitzung die folgenden Punkte nicht außer Acht lassen:

Der Euro ist eine stabile Währung, eine größere Inflation ist bislang ebenso ausgeblieben wie ein drastischer Verfall seines Außenwerts. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Arbeit also grundsätzlich ganz ordentlich gemacht. Mittlerweile tritt sie allerdings zu lange und zu intensiv aufs geldpolitische Gaspedal. Das kritisiert auch der Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in seinem aktuellen Jahresgutachten.

Nicht zwingend notwendig, aber ein wichtiges Symbol

Christoph M. Schmidt ist RWI-Präsident und Vorsitzender des Sachverständigenrats. (Foto: RWI)
Christoph M. Schmidt ist RWI-Präsident und Vorsitzender des Sachverständigenrats. (Foto: RWI)

Um ein gemeinsames Europa zu schaffen, hätte man den Euro nicht einführen müssen. Doch mittlerweile ist er das wichtigste Symbol für die europäische Integration. Daher wäre es gut, er bliebe dauerhaft erhalten. Dabei hilft, dass viele der anfänglichen Konstruktionsfehler mittlerweile behoben sind.

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt hat den Ausbruch einer Krise nicht verhindern können. Zu früh hatten Deutschland und Frankreich gezeigt, dass man dessen Regeln ungestraft missachten darf.

Als die Krise dann kam, stellte die Politik zudem fest, dass sie sich auf eine solche Situation nie ernsthaft vorbereitet hatte. Schritt für Schritt wurden neue Mechanismen der Vorbeugung eingeführt, etwa die gemeinsame Bankenaufsicht und das Krisenmanagement durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Die Stabilität des Euro ist dadurch erheblich gestärkt worden.

Offene Baustellen vor allem bei den Mitgliedsländern

In dieser Architektur gibt es allerdings immer noch offene Baustellen. Diese müssen schnellstmöglich behoben werden.

Auf europäischer Ebene ist von zentraler Bedeutung, dass Bankenaufsicht und Geldpolitik künftig klar getrennt und von unterschiedlichen Institutionen wahrgenommen werden. Momentan liegen beide Aufgaben in der Hand der EZB. Doch noch viel wichtiger für den Erhalt der Währungsunion ist es, dass die Mitgliedstaaten endlich dauerhaft mehr Reformwillen zeigen.

Frankreich und Italien besonders gefordert

Schon allein aufgrund ihrer Größe sind dabei Frankreich und Italien besonders gefordert: Sie müssen durch Reformen dafür sorgen, dass ihre Volkswirtschaften sich künftig aus eigener Kraft immer wieder schnell an neue Herausforderungen anpassen können.

Frankreich sollte etwa für mehr Lohnflexibilität sorgen, Italien muss die Qualität seiner Institutionen verbessern. Dieser Reformwille ist der Schlüssel zur Stabilität des Euros.

Wenn die Mitgliedstaaten diese Verantwortung annehmen, kann der Euro sich auch dauerhaft als unsere Währung halten.