Angst vor Donald Trump

Vom 11.11.2016

Im Wahlkampf hatte Donald Trump gegen das Silicon Valley ebenso gewettert wie gegen die Wall Street und Washington. Nun geht in Kalifornien die Angst um.

Die New Yorker Börse reagiert überraschend positiv auf Trumps Wahlsieg. (Foto: Getty Images)

Die New Yorker Börse reagiert überraschend positiv auf Trumps Wahlsieg. (Foto: Getty Images)

Was dies bedeutet, konnten Anleger schon einen Tag nach der Wahl beobachten. Am Donnerstag nach Trumps Wahlsieg rieben sich viele Investoren die Augen. Der Dow Jones schoss auf ein neues Rekordhoch, an der Nasdaq ging es jedoch bergab. Amazon, Facebook, Netflix oder Tesla gaben allesamt fünf Prozent oder mehr ab ohne dass es signifikant neue Unternehmensmeldungen gab. Doch die Kalifornier sind nervös.

Noch in der Wahlnacht sprach der Start-up-Investor Shervin Pishevar im Silicon Valley für die Großinvestoren und Stars der letzten Jahre als er sich für einen Austritt Kaliforniens aus dem Verbund der Vereinigten Staaten einsetzte. „Wenn Trump gewinnt, werde ich eine Kampagne ankündigen und finanzieren, damit Kalifornien zu einer eigenständigen Nation wird”, schrieb Pishevar, der unter anderem den Fahrdienst Uber finanzierte, auf Twitter.

Im Silicon Valley geht die Angst um, dass Trump aufräumt mit Steueroptimierung und Stützung der Tech-Giganten. Donald Trump hatte im Wahlkampf gegen alles gewettert, was aus dem Silicon Valley kommt. Die Aktien der FANGs – Facebook, Amazon, Netflix und Google waren ebenso gemeint und auf seiner Liste wie Apple und Tesla.

Angst vor Regulierung

Entsprechend ist die Börsenparty bei den Highflyern der Obama-Ära erst einmal vorbei, geht in Kalifornien die Angst um vor Regulierung und Verschärfung der Geschäftsbedingungen. Anleger können ihre Gewinne aus den letzten Jahren absichern mit Short-Papieren, die wir Ihnen wie folgt herausgesucht haben:

Jeweils mit Hebel drei bis fünf sichern Sie Amazon (WKN VN4WL8), Facebook (WKN PB7WU6), Netflix (WKN DL8LGR), Alphabet (WKN UW21WX), Tesla (WKN DL848W) und Apple (WKN CC4679) ab.

So könnte die old economy in den USA eine Renaissance erleben, auch dank der Konjunkturprogramme, die Stars der letzten Jahre mit ihren immens hohen Bewertungen aber vor härteren Zeiten stehen. Denn auch die Gründer sind für ihn zum Teil Establishment, sie fuhren unter Obama ziemlich gut. Es verändert sich vieles, wir betonen es immer wieder und es gilt jetzt, Entwicklungen zu ordnen und neu zu denken.

Dazu seien noch ein paar Worte zur Reaktion auf die Wahl hierzulande gesagt, denn Politik und führende Akteure aus der Wirtschaft gehören oft zusammen, gerade in den USA, aber auch in Deutschland. Viele Medien feiern ihren Liebling Clinton noch immer, so wie die BILD. Lächerlich, so finden wir und respektlos gegenüber einer, wir sagen es noch einmal – demokratischen Entscheidung der US-Bürger.

Wo bleibt das Demokratieverständnis deutscher Medien und Politik

Manchmal könnte man meinen, es hätte Burkina Faso oder der Kongo gewählt, so wie sich Steinmeier, Göring-Eckard, Oppermann oder von der Leyen aufführen. Man möchte ihnen zurufen „hey, Eure Wunschkandidatin hat verloren, DEMOKRATISCH verloren und Ihr habt nicht mal den Anstand, Trump zu gratulieren in sauberer Art.” Gleichzeitig philosophiert Merkel über Werte und empfängt sonst fröhlich Erdogan und bereit afrikanische Diktatoren. Das ist zweierlei Maß und unwürdig.

Wir sind keine Trump-Fans im Team, doch beim Demokratieverständnis einiger Leute in Medien und Politik fragt man sich, ob das nicht getroffene Hunde sind, die bellen. Denn vielleicht haben die US-Wähler indirekt auch genau handelnde Personen und Politiker wie Sigmar Gabriel gemeint, wenn sie ihre Entscheidung fällten.

Demokraten, die offenbar noch üben müssen. Bemerkenswert ist da die Einschätzung des alten SPD-Chefs Oskar Lafontaine. Man mag von ihm halten was man will, doch er stand ein für seine Überzeugung (man erinnere nur an die Schlagzeilen als gefährlichster Mann Europas) – bis zum Rücktritt als Konsequenz aus der Politik Gerhard Schröders – und scheint die Zeichen zu verstehen.

Trump ignorieren und verteufeln, wird genauso gut funktionieren wie die AfD zu ignorieren und zu verteufeln – nämlich gar nicht. Obama und Clinton hatten den Anstand, Trump demokratisch zu gratulieren und sich anständig zu „verabschieden”. Wäre schön, würden andere diese Übung verstehen.