Brauchen wir wirklich noch Bargeld?

Vom 04.02.2016

Rentner und Lesebrillenträger müssten nicht mehr endlos lange ihre Münzen suchen. Kartenbelege nicht mehr ausgedruckt und unterschrieben werden.

Die Bundesregierung plant ein Bargeldlimit von 5000 Euro. (Foto: Picture Alliance)

Die Bundesregierung plant ein Bargeldlimit von 5000 Euro. (Foto: Picture Alliance)

Die Bundesregierung plant, Bargeldtransaktionen auf 5000 € zu begrenzen. Damit ist nun endlich eine Diskussion in Gang gekommen, die überfällig ist. Bargeld sehen viele als „geprägte Freiheit“. So eine Art letzter Freiraum für die Bundesbürger, die ansonsten immer mehr überwacht werden. Ich habe da so meine Zweifel.

In Polen oder in der Türkei zahlen schon jetzt immer mehr kontaktlos mit dem Handy. In Dänemark zahlen schon heute die meisten Leute mit Karte. Kontaktloses Bezahlen ohne Bargeld hat für Supermärkte und ihre Kunden große Vorteile. Der Kassiervorgang lässt sich drastisch beschleunigen. Wie gesagt, wenn man das Handy nur noch hinhalten muss, von Kreditkarten und EC-Karten spreche ich hier weniger.

Am Flughafen passieren schon jetzt immer mehr Reisende mit dem Smartphone als Bordkarte die Kontrollen. Im Handel testen die ersten Ketten wie Aldi und Kaufland kontaktloses Bezahlen. Heute hat fast jeder ein Smartphone, die ganze Welt des Handels ließe sich erheblich vereinfachen. Schon jetzt lässt sich mit dem Smartphone alles bezahlen. Die sogenannte NFC-Technologie für kontaktloses Bezahlen ist im Iphone 6 sogar schon eingebaut.

Wer braucht denn wirklich noch Bargeld?

Eigentlich nur Leute, die ihre Bargeldeinnahmen nicht melden und Steuern hinterziehen. Und wer noch?  Die Oma mit dem berühmten Bargeld unter dem Sofakissen? Dazu kann man nur sagen: Ohne Bargeld sind Rentner besser geschützt. Denn wer Bargeld mit sich herumschleppt oder es gar hortet, kann leichter beklaut werden. Auch Trinkgeld lässt sich per Handy bezahlen.

Bargeld ist anonym, es ist die Lieblingswährung der großen und kleinen Kriminellen. Da muss man sich nicht nur Drogendealer vorstellen, es gibt viele Gewerbe, in denen Bargeldeinnahmen sehr schwer zu kontrollieren sind, wie etwa Blumenhändler, Gastronomen bis hin zu haushaltsnahen Dienstleistern und sogar Rechtsanwälten. Die Finanzämter können zwar anhand der Einkäufe abschätzen, welche Umsätze gemacht werden, aber wirkliche Kontrolle haben sie darüber nicht.

Nun, ich habe Finanzämter nie gemocht und schon früher den staatlichen Ankauf von illegal erstellten Kundendaten heftig kritisiert. Aber es ist eine große Illusion, zu glauben, dass die Finanzminister den Bürgern diese letzte Steueroase auf Dauer lassen werden. Zu groß sind die zu erwartenden Mehreinnahmen, wenn Schwarzgeld einfach abgeschafft wird.

Totalüberwachung und Big Data

Und was meist übersehen wird: Mit Big Data leben wir längst in einer Welt der totalen Konsumüberwachung. Das Internet baldowert unser Verhalten, unsere Interessen, unsere Daten schon jetzt immer genauer aus und die Industrie ist längst auf dem Weg, mit schlauen Algorithmen alles in Werbeprozesse umzuwandeln, aus denen sich Gewinn schlagen lässt.

Werbeprofi Frank Rauchfuß, CEO von intelliAdMedia, nennt das „ein ganzheitliches Tracking der Customer Journey“, das die „Wechselwirkungen zwischen mobilem und stationären Web sowie zwischen Online und Offline-Aktivitäten realitätsnah abbilden“ könne.

Wir mögen das nicht schön finden, aber die fortschreitende Vernetzung von jedem mit jedem, die schier unbegrenzten Möglichkeiten, Daten zu speichern, und die rasanten Rechengeschwindigkeiten werden diese Entwicklung noch weiter vorantreiben.

Der Aberglaube, dass wir der Totalüberwachung entgehen können ist längst durch Big Data widerlegt. Ob der Datenschutz da jemals noch mithalten kann, wage ich zu bezweifeln.

Wenn künftig alle Zahlungswege ohne Bargeld nachverfolgt werden können, ist vollkommene Steuerehrlichkeit hergestellt. Vielleicht können wir dann sogar die Steuern endlich mal wieder senken?