BASF und der „Mehrwert“ von Analysten

Vom 24.10.2016

Mit den Einschätzungen von Analysten ist es so eine Sache. Manchmal schüttelt man den Kopf, manchmal ist man angesichts der pro-Zyklik amüsiert.

Mehrere Zwischenfälle bei BASF haben in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. (Foto: Picture Alliance)

Mehrere Zwischenfälle bei BASF haben in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. (Foto: Picture Alliance)

 

Ein schönes Beispiel 2016 ist die Aktie der BASF. Als im Februar angeblich die Weltwirtschaftskrise kommen sollte und die Wirtschaft in China einbrechen sollte, da waren die Ludwigshafener bei Kursen um 58 Euro ein Schmudellkind. Im Oktober bei Kursen von knapp 80 Euro und als Outperformer des DAX findet sie dann mancher toll und erinnert sich an die Dividende.

Schönes Beispiel ist die DZ Bank. Sie hatte BASF von „Halten” auf „Verkaufen” abgestuft am 1. März und damit zwei Euro über dem Jahrestief. Damals senkte sie den fairen Wert von 57 auf 55 Euro. 2016 dürfte für den Chemiekonzern schwierig werden, schrieb Analyst Peter Spengler.

Der Ausblick für das laufende Jahr sei ernüchternd ausgefallen. Das sah der Markt danach anders und schob die Aktie rund 40 Prozent nach oben. Anfang August, bei Kursen um 72 Euro, fiel dem gleichen Analysten auf, dass der Ölpreis sich tatsächlich und wie überraschend erholt hatte. Seine Schlussfolgerung:

Er setzte BASF mit einem fairen Wert von 80 Euro auf „Kaufen“. Das zweite Quartal sei durch solides Mengenwachstum und operative Margenverbesserungen gekennzeichnet, schrieb er. Bei steigenden Öl- und Gaspreisen sah er eine gute Chance auf Gewinnanpassungsbedarf nach oben.

Wir schauen da lieber sachlich auf das aktuelle Umfeld und sehen weiter Chancen bei BASF, wenn Analysten negativ werden und denken über Gewinnmitnahmen nach, wenn Analysten positiv sind und der Ölpreis, welch Sensation, nach dem Ausverkauf wieder über 50 Dollar anklopft.

Steigende Ölpreise

Zuletzt hatten die vorläufigen Quartalszahlen für einen Kurshüpfer gesorgt. Zwar hatte der weltgrößte Chemiekonzern einen kräftigen Umsatz- und Gewinneinbruch verbucht. Das lag aber vor allem an dem Verkauf der Gashandelsaktivitäten. Operativ lief es hingegen deutlich besser als erwartet bei BASF. Der Konzern bekräftigte daher die Prognose für das Gesamtjahr.

Das Unternehmen profitiert zusehends von den steigenden Ölpreisen, nicht nur in der Öl- und Gassparte, sondern auch im Chemikaliengeschäft. Denn der Konzern gibt die steigenden Rohstoffpreise an die Kunden weiter und hat so die Möglichkeit, die Margen zu verbessern.

Ein weiterer Anstieg des Ölpreises würde daher die Aktie beflügeln. Die Notierung des Rohstoffträgers könnte tatsächlich weiter nach oben tendieren, wenn sich bei Investoren die Erwartung verstärkt, dass sich die OPEC beim Treffen am 30. November in Wien tatsächlich auf die Details zur Kürzung der Förderung einigen kann.

Die steigenden Ölpreise kommen für BASF gerade rechtzeitig, muss sich der Konzern doch dem zunehmenden Wettbewerbsdruck in der Branche stellen. Angeblich will die chinesische Regierung die Chemiekonzerne SinoChem und ChemChina fusionieren, womit ein neuer Weltmarktführer vor BASF entstünde.

Für Rückenwind bei der Aktie sorgt hingegen die Aussicht, dass Länder, wie die USA, Frankreich oder Italien wegen der schwachen Konjunktur schon bald Konjunkturprogramme auflegen könnten. Davon würde ein Zykliker par excellence, wie BASF, deutlich profitieren.

Mit einem 2017er-KGV von 16 ist die BASF-Aktie nicht gerade günstig. Die Dividende und ihre Solidität ist aber an schwachen Tagen und vor allem in schwachen Wochen stets ein Argument, BASF immer mal wieder einzukaufen. Für die nächsten Kursimpulse werden die Quartalszahlen am 27. Oktober sorgen.