Nachwuchssorgen im Baugewerbe

Vom 09.11.2016

Das Handwerk erlebt goldene Zeiten, doch die Betriebe kommen bei der guten Auftragslage nicht hinterher. Der Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse.

Der Fachkräftemangel wird auch im Baugewerbe zum Balanceakt. (Foto: Picture Alliance)

Der Fachkräftemangel wird auch im Baugewerbe zum Balanceakt. (Foto: Picture Alliance)

Die deutsche Konjunktur läuft weiter auf Hochtouren, trotz aller Krisen im europäischen Raum, denn über 43,5 Millionen Menschen haben einen Arbeitsplatz. Auch das Finanzministerium kann mit einem satten Plus an Steuern rechnen. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften, um die Orders auszuführen.

Besonders die Güterausrüstungsindustrie und die verarbeitende Industrie der Elektrobetriebe können die Stellen nicht in gewohnter Weise besetzen. Sie haben erhebliche Nachwuchssorgen, da die dort benötigen Spezialisten auf höchstem Ingenieur-Niveau arbeiten müssen. Die Firmen können ihre Produkte wegen des schwachen Euros derzeit zu günstigen Verkaufspreisen in der globalen Welt anbieten.

An der Schweizer Grenze findet ein reger Austausch von Fachkräften statt. Die Eidgenossen werben gut ausgebildete Facharbeiter und Ingenieure aus dem süddeutschen Raum ab. Auf deutscher Seite werden ebenfalls Fachkräfte aus Schweizer Kantonen eingestellt. Das Werben um Personal bringt die besten Mitarbeiter hervor, zumal sie auch an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen und somit dem Unternehmen ein erhebliches Potential an Wissen mit einbringen.

Auftragsbücher der Unternehmen prall gefüllt

Das Baugewerbe hat zunehmend Nachwuchssorgen, da die Anschaffung von Immobilien, sowie die Sanierung des Eigenheims in der Bevölkerung weiter einen massives Interesse findet. Die Handwerksbranche ist weiterhin hervorragend beschäftigt, da die Aufträge kaum noch mit den Mitarbeitern zu bewältigen sind.

Der Handwerkermangel bringt viele Unternehmen in Schwierigkeiten, da sie oft nicht termin- und fachgerecht die baulichen Vorhaben ausführen können. Teilweise müssen sie auch Aufträge ablehnen, was ein verlorener Umsatz für den Handwerker ist. Vielfach greifen inzwischen etablierte Unternehmen auf Subunternehmer aus dem Osten Europas zurück, die nicht im ausbauenden Bereich diese Qualifikation haben.

Durch die von der Bundesregierung gefassten Beschlüsse hinsichtlich der Haussanierung und energetischen Erneuerung hat dieser Wirtschaftszweig goldenen Boden. Die Menschen haben weiterhin eine hohe Kauf- und Konsumlust, was einerseits sehr erfreulich für den Handel ist, andererseits gehen die Kapitalerträge auf den Sparkonten wegen der niedrigen Zinsen zurück.

Da die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen weiterhin tief halten wird, könnte dieser Boom anhalten und weiterhin für Wohlstand und Arbeitsplätze sorgen.

Mangel an Arbeitskräften wird zur Wachstumsbremse

Für die Verbände und die Handwerksbetriebe rächt sich jetzt, dass sie jahrelang keine Jugendlichen eingestellt und ausgebildet haben. Die Zahl der Mitarbeiter im Bau hat sich in mehr als zwanzig Jahren halbiert. Der Mangel an Arbeitskräften am Bau wird somit zur Wachstumsbremse. Obwohl gerade Deutschland das Vorzeigeland in der dualen Ausbildung ist, war das Image des Arbeiters auf dem Bau noch nie so schlecht.

Deutschland ist kein Einwanderungsland, bei dem man wie in anderen Industrienationen Mitarbeiter nach ihrer Qualifikation aussuchen und beschäftigen kann. Hoffnung setzen die Handwerker auf die Flüchtlinge, müssen aber immer wieder zu ihrem Leidwesen feststellen, dass sie ohne jegliche Ausbildung und Qualifikation sind.

Betriebe stellen bedauerlicherweise fest, dass ihnen die Politik aus Berlin zu viel versprochen hat. Abgesehen von einigen Ausnahmen wird es noch einige Jahre dauern, bis sie auch die Sprachkenntnisse überwunden haben, um einen festen Platz in Berufsleben zu finden, damit die Lücken geschlossen werden.