Bayer-Monsanto-Hochzeit ohne Happy-End?

Vom 21.10.2016

Ehe Bayer Ende Oktober seine Quartalszahlen vorlegt, ist es etwas ruhiger geworden um den Deal mit Monsanto. Von einem Vollzug ist man weit entfernt.

Nicht unumstritten: Die geplante Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch Bayer. (Foto: Picture Alliance)

Nicht unumstritten: Die geplante Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch Bayer. (Foto: Picture Alliance)

 

Der Aktienkurs der Amerikaner liegt weiterhin bei rund 102 Dollar – 26 Dollar unter dem Gebot. Ein Glaube des Marktes an die Fusion sähe anders aus.

Dabei gelten die alten Bedingungen weiterhin: Bayer will für 66 Milliarden Dollar den US-Konzern schlucken. Der Konzentrationsprozess im Agrochemiesektor nimmt damit weiter Fahrt auf nachdem zuletzt China angekündigt hat, den größten Chemiekonzern der Welt zusammenbasteln zu wollen. Seitenblick am Rande – da könnte mittelfristig Übernahmephantasie bei K+S entstehen.

Doch schauen wir auf den Status Quo bei Bayer. Zuletzt hat sich der Pharma- und Chemiekonzern mit Monsanto auf einen Übernahmepreis von 128 Dollar je Aktie geeinigt, was einem Börsenwert von 56 Milliarden Dollar entspricht.

Inklusive der Nettoschulden will Bayer damit 66 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. „Dieser Schritt wird die Position von Bayer als führendem Life-Science-Unternehmen in der Welt deutlich stärken“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann.

Der Life-Science-Bereich umfasst Geschäfte rund um Gesundheit, Pflanzenschutz, Saatgut und Biotechnologie. Der Firmenlenker geht davon aus, dass der Deal Ende 2017 abgeschlossen werden wird.

Weltweite Nummer eins

Gemeinsam könnten die Partner noch mehr dazu beitragen, die stark wachsende Bevölkerung auf eine ökologisch nachhaltige Weise zu ernähren. Davon würden Verbraucher, Landwirte und die Aktionäre des deutlich größeren Unternehmens profitieren.

Mit dem Deal würde Bayer zur weltweiten Nummer eins im Geschäft mit Agrarchemie aufsteigen und in dem Bereich einen Jahresumsatz von rund 23 Milliarden Euro machen. Die Agrarchemiesparte CropScience von Bayer hatte 2015 einen Erlös von 10,4 Milliarden Euro erzielt, wovon 1,3 Milliarden Euro aus dem Saatgutbereich stammten.

Baumanns Begeisterung wird längst nicht von allen geteilt. Monsanto steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Durch einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde die Marktmacht des Mega-Konzerns deutlich zunehmen.

Insofern werden es sich die Kartellbehörden, gerade in den USA, zwei Mal überlegen, ob sie den Deal durchwinken, zumal es durch etliche andere laufenden Transaktionen ohnehin zu einer verstärkten Konzentration in der Branche kommt. Zuletzt hatten die US-Behörden die geplante Übernahme des Schweizer Konzerns Syngenta durch die Staatsfirma ChemChina genehmigt.

Zudem wollen sich die US-Chemiefirmen Dow Chemical und DuPont zusammenschließen und anschließend das Agrochemie-Geschäft abspalten. Laut der US-Beratungsfirma Verdant Partners würden die Partner Dow Chemical/Dupont sowie Bayer/Monsanto fast drei Viertel des US-Marktes für Maissaatgut kontrollieren, bei Sojabohnen wären es rund 65 Prozent.

Experten befürchten daher, dass die Landwirte künftig weniger Auswahl haben werden, während die Preise steigen, und die neuen Großkonzerne weniger Geld in Forschung und Entwicklung und damit in Innovationen stecken könnten.

Hohes Übernahmeangebot

Investoren bereitet hingegen der hohe Preis für Monsanto Kopfzerbrechen, zumal die Gewinnschätzungen für den US-Konzern kräftig im Rückwärtsgang sind. Nachdem die Analysten Ende 2015 für 2017 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von fünf Milliarden Dollar vorhergesagt hatten, liegt die aktuelle Schätzung bei nur mehr 4,1 Milliarden und damit wieder auf dem Niveau des Jahres 2013. Das sieht nicht gerade nach einem Wachstumsunternehmen aus. Bei einem Kaufpreis von 66 Milliarden Dollar entspricht das dem 16,1fachen des operativen Gewinns.

Das ist eine sehr hohe Bewertung, zumal die Preise für Agrarrohstoffe, wie Mais und Weizen in der Nähe der Mehrjahrestiefs notieren und der Abwärtsdruck wegen des Überangebots anhalten könnte. Dass sich Monsanto nun zu Preisen von 128 Dollar je Aktie kaufen lassen möchte, zeigt, dass die Amerikaner offensichtlich wissen, dass die Perspektiven nicht gerade rosig sind.

Als Bayer im Mai erstmals ein Angebot von 122 Dollar auf den Tisch gelegt hatte, hatten Analysten kolportiert, dass Monsanto 140 bis 150 Dollar je Aktie anstreben würde. Monsanto ist nun aber offenbar bereit, der Realität ins Auge zu sehen, nicht zuletzt angesichts der schwachen Quartalsergebnisse und des trüben Ausblicks.

Wegen der obigen Risiken, gerade aus kartellrechtlichen Gründen, erscheint es sehr zweifelhaft, dass Bayer mit seinem Angebot Erfolg haben wird. Denn der Aktienkurs von Monsanto liegt bei lediglich rund 102 Dollar und damit weit unter der Offerte von Bayer.

Das zeigt, dass Investoren davon ausgehen, dass der Deal mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht zustande kommen wird. Warum sollte jemand seine Aktien für 102 Dollar an der Börse verkaufen, wenn er im Fall einer Übernahme 128 Dollar bekommen würde?

Die Perspektiven von Bayer hängen am Deal mit Monsanto. Solange dürften auch die Quartalszahlen Ende Oktober kaum Dynamik nach oben entfalten, denn was mag die Börse am wenigsten? Genau – Unsicherheit. Fragen Sie mal bei der Deutschen Bank nach.