Deutschland versus USA im M&A-Medaillen-Spiegel

Vom 19.08.2016

Unternehmen aus den USA übernehmen seit Jahren mehr Unternehmen in Deutschland als umgekehrt. Die Bilanz fällt trotzdem beeindruckend ausgeglichen aus.

Noch ist Bayers Monsanto-Deal in der Schwebe. (Foto: Getty Images)

Noch ist Bayers Monsanto-Deal in der Schwebe. (Foto: Getty Images)

Die Braut sträubt sich: Bayer hat sein Angebot für Monsanto von ursprünglich 122 auf 125 Dollar je Aktie nachgebessert, was einem Gesamtvolumen von rund 58 Milliarden Euro entspricht. Doch Monsanto lehnt ab. Der Bieterkampf geht in die dritte Runde.

Sollte Bayer nun auf feindliche Übernahme umschalten und sich direkt an die Aktionäre wenden und etwa auf den Austausch von Board-Mitgliedern drängen? Damit würde Bayer aber die Katze im Sack kaufen, denn das Management würde die Bücher nicht öffnen.

Außerdem könnte viel Porzellan zerschlagen werden, denn dies dürfte die zukünftige Zusammenarbeit und Integration belasten, das heißt: Synergien gingen verloren und der notwendige Wertbeitrag zur Deckung des Kaufpreises wäre gefährdet. In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob dennoch eine einvernehmliche Lösung erzielt werden kann. Kommt die Transaktion zustande, so wäre sie der größte transatlantische Deal aller Zeiten.

Deutsche oder Amerikaner – wer hat die Nase vorn?

Gemessen an der Anzahl der Targets ist die Frage schnell beantwortet: US-Unternehmen haben in den letzten fünf Jahren mehr als doppelt so viele deutsche Firmen übernommen wie wie umgekehrt. Sie liegen konstant zwischen 130 bis 140 Deals pro Jahr, während Deutschland auf 50 bis 60 jährliche Übernahmen kommt.

Dabei zielen die Amerikaner vor allem auf den deutschen Mittelstand. Hier besteht ein großes Ausbaupotenzial in den USA, die zunehmend erkennen, dass die „typisch mittelständische“ Unternehmenspolitik ein Erfolgsmodell ist. So weicht die kurzfristige Erfolgsorientierung auch in den USA einer eher nachhaltigen Unternehmenspolitik. Dies wird durch zahlreiche De-Listings untermauert, also durch Unternehmen, die von der Börse genommen werden. Damit sind diese US-Unternehmen dann quasi Mittelständler, mit langfristig stabilen Eigentümerverhältnissen.

Es ergibt Sinn für sie, sich nicht nur langfristig auf dem US-Markt und in Zukunftstechnologien zu positionieren, sondern auch die Globalisierung des Geschäftes zu forcieren. Deutschland ist dafür die ideale Zielregion, denn erstens handelt es sich um einen der größten Märkte, zweitens sind die industriellen Standards vergleichbar hoch und drittens sind die deutschen Zielunternehmen in der Regel bereits europaweit in vielen Ländern aktiv und haben Zugang zu den osteuropäischen Low-Cost-Regionen. So erwerben die Amerikaner nicht nur attraktive Regionalgeschäfte sondern auch internationale Führungssysteme, die sie sonst erst mühsam aufbauen müssten.

Deutschland: Weniger, aber größere Deals

Gerät Deutschland damit insgesamt ins Hintertreffen? Ist der Monsanto-Deal von Bayer die Schwalbe, die eben keinen Sommer macht?

Nein: Deutsche Übernahmen in den USA sind zwar weniger zahlreich, haben dafür aber im Durchschnitt einen viel höheren Umfang. Was die größten transatlantischen Deals betrifft, liegt Deutschland weit vorn. Allein 2014 wurden die drei größten Transaktionen allesamt von Deutschen betrieben: Merck übernahm Sigmar Aldrich für mehr als 13 Milliarden Euro, ZF Friedrichshafen kaufte TRW Automotive Holdings für 9,5 Milliarden Euro, und Siemens schluckte Dresser Rand zum Preis von 7,7 Milliarden Euro.

Insgesamt ist die M&A-Bilanz zwischen den USA und Deutschland damit ausgesprochen ausgeglichen: Die größten 25 Investments der letzten fünf Jahre sind gleich verteilt: 13 Unternehmen gingen an die USA, 12 an Deutschland. Diese langfristige Gleichgewicht können wir seit den 90er Jahren beobachten. Es zeichnet nicht das Bild eines Ausverkaufs, sondern das zweier Volkswirtschaften, die immer enger verwachsen und kooperieren.