Commerzbank und Deutsche Bank – was nun?

Vom 15.10.2016

Am letzten Freitag im Dezember wussten Journalisten kaum, wo sie zuerst hinsollen. Die Qual der Wahl war in Frankfurt einen Steinwurf auseinander.

Erstrahlt am Frankfurter Abendhimmel: Der Turm der Commerzbank. (Foto: Picture Alliance)

Erstrahlt am Frankfurter Abendhimmel: Der Turm der Commerzbank. (Foto: Picture Alliance)

Nämlich in den frisch an Koreaner veräußerten Commerzbank-Turm in den 49. Stock oder doch rüber zur Presseabteilung der Deutschen Bank, die den Rettungsring suchte. Wir analysieren die Lage der beiden (ehemaligen) Aushängeschilder der deutschen Bankenlandschaft, los geht es mit der Commerzbank.

Beginnen wir bei den „Gelben“: Commerzbank-Chef Martin Zielke will mit einem massiven Konzernumbau Deutschlands zweitgrößte Bank auf Kurs bringen. Zuletzt wurde bekannt, dass die ETF-Sparte verkauft wird, das restliche Geschäft mit strukturierten Produkten ausgelagert werden soll. Zielke hat dem Aufsichtsrat die Ziele für das Jahr 2020 vorgelegt. Sie zeigen, vor welch großen Herausforderungen die Commerzbank auch in den nächsten Jahren stehen wird.

Im Zuge der Überprüfung der Strategie wird im dritten Quartal auf den Goodwill und immaterielle Vermögenswerte eine Sonderabschreibung von rund 700 Mio. Euro verbucht, weshalb unter dem Strich ein Verlust stehen werde. Gleichzeitig steigt die Risikovorsorge „aufgrund der nachhaltig schwachen Schiffsmärkte“ deutlich.

Immerhin liegen die Erträge im operativen Geschäft „in etwa auf dem Niveau des zweiten Quartals.“ Die die obige Sonderabschreibung des Ergebnis erheblich belasten wird, geht Zielke nun lediglich von einem leichten Konzerngewinn aus.

Geplante Kostensenkung

Belastet hat die Aktie vor allem der Ausblick auf die 2020er-Ziele, denn sie dürften bei Investoren für erhebliche Verunsicherung sorgen. So peilt Zielke für 2020 Erträge, also Einnahmen, von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro an. Was könnte dazu führen, dass die Erträge in den Jahren 2019 und 2020 kräftig steigen, so dass sie 2020 rund 10 Milliarden erreichen?

Der Firmenlenker will die Kosten in den nächsten Jahren energisch senken, auf nur mehr 6,5 Milliarden für 2020 von zuletzt 7,1 Milliarden. Entsprechend soll die Aufwandsquote auf weniger als 66 Prozent sinken. Sie wird errechnet, wenn man die Kosten durch den Ertrag dividiert.

Zur Erinnerung: ursprünglich hatte Zielkes Vorgänger Martin Blessing bereits für 2016 eine Aufwandsquote von 60 Prozent in Aussicht gestellt. Bei der Vorlage der 2015er-Ergebnisse musste Blessing dieses Ziel aber aufgeben, zumal die Quote im Jahr 2015 bei 73,3 Prozent gelegen hatte.

Etlichen Analysten erscheint das Ziel von 66 Prozent hingegen zu wenig ambitioniert, weil der Branchenschnitt eher bei rund 55 Prozent liegt. Die Analysten ignorieren aber offenbar, wie schwer sich die Commerzbank in den vergangenen Jahren damit getan hat, die Quote zu senken. „Die Gewinnziele sind ambitioniert und die Commerzbank hat einen schwachen Track Record beim Liefern“, schreiben die Analysten der Citigroup.

Ehrgeiziges Renditeziel

Stark im Fokus der Investoren steht zudem die Eigenkapitalrendite: Zielke stellt bei dieser Kennzahl auf den Gewinn im Verhältnis zum – um den Firmenwert aus Übernahmen bereinigten – Eigenkapital (englisch Return on Tangible Equity, kurz RoTE) ab. Der RoTE „soll Ende 2020 bei mindestens sechs Prozent liegen.“

Das Ziel basiere auf der Annahme, dass das Zinsumfeld herausfordernd bleiben werde. Die Frage ist allerdings, wie die Commerzbank es schaffen will, den RoTE so stark zu steigern. Nach 1,1 Prozent für 2014 und 4,2 Prozent für 2015 lag der Wert im ersten Halbjahr 2016 bei lediglich 2,9 Prozent.

Für wenig Begeisterung sorgt auch die Prognose zur harten Kernkapitalquote. Sie soll auf absehbare Zeit bei rund zwölf Prozent liegen und 2018 bei mehr als zwölf Prozent. Damit würde der Wert nur leicht ansteigen, gegenüber dem Juni-Stand von 11,5 Prozent. In dem schwierigen Branchenumfeld wäre aber eine höhere harte Kernkapitalquote besser, würde sie doch das Vertrauen der Investoren in die Kapitalausstattung der Bank stärken.

Die Quote wird errechnet, indem man das harte Kernkapital durch die Risiko gewichteten Aktiva dividiert. Da es zumindest kurzfristig schwer sein dürfte das harte Kernkapital deutlich zu erhöhen, müssten gegebenenfalls die Risiko gewichteten Aktiva abgebaut werden, um die Quote zu verbessern.

Mit dem Streichen der Dividende sendet Zielke das klare Signal, dass die Commerzbank vor großen Herausforderungen steht. Viele Analysten dürften daher kaum umhinkommen, die Gewinnschätzungen für 2017 weiter zu senken.

Auf der Pressekonferenz empfahl Zielke indirekt, die Aktie der Commerzbank doch gerade jetzt zu kaufen. Wer den Umweg gehen möchte und lieber Produkte mit Absicherung erwirbt, schaut sich das Memory-Papier mit WKN SE3W62 sowie mutigere Anleger die WKN PB9D0V mit Laufzeit Juni 2016 und einer hohen Seitwärtsrendite von knapp 50 Prozent.