DAX zwischen Trump und Draghi

Vom 27.10.2016

Im Gegensatz zum US-Präsidentschaftskandidaten hat der EZB-Chef klare Worte vermissen lassen. Die Botschaft ist bei Börsianern aber angekommen.

Vor gut einem Monat verteidigte EZB-Chef Mario Draghi seine Zinspolitik vor dem deutschen Bundestag. (Foto: Getty Images)

Vor gut einem Monat verteidigte EZB-Chef Mario Draghi seine Zinspolitik vor dem deutschen Bundestag. (Foto: Getty Images)

 

Entwarnung von der Tapering-Front: Mario Draghi hat den Investoren unmissverständlich klargemacht, dass Träume oder Alpträume in Sachen Tapering, also einer Verschärfung der Geldpolitik unrealistisch sind. Draghi wird bei einer lockeren Geldpolitik bleiben. Infolge dessen ist der Euro zum US-Dollar auf dem Weg zur Parität, jedenfalls solange, bis sich die Zinserhöhungsphantasien in den USA wieder in Luft auflösen.

Bis es so weit ist, könnte der schwache Euro dem DAX eine Art Zusatzantrieb geben. Denn exportorientierte Unternehmen profitieren vom Rückgang der Währung. Gleichzeitig belastet beim Aktienmarkt, dass die Konjunktur in den USA nur sehr mau läuft, das Wirtschaftswachstum auf Mehrjahrestief gefallen ist und dies auch die Autobauer zu spüren bekommen.

Dieser Sektor ist für den Index wichtig und Daimler hat mit seinem Ausblick keine gute Vorlage für die Quartalssaison geliefert, nachdem schon Continental schwächelte.

Positive Überraschungen

Dagegen zeigt sich, dass andere Firmen mit starker Marktposition wie SAP in Deutschland ihre Ziele erreichen. Dies ist auch von Apple, Microsoft, Google oder Amazon in den USA zu erwarten, die allesamt in den nächsten Tagen ihre Ergebnisse und Ausblicke für das Weihnachtsquartal präsentieren werden. Der Bankensektor in Amerika hat schon vorgemacht, dass man durchaus positiv überraschen kann.

Konjunkturell schwebt weiter das Damoklesschwert einer schwachen Volkswirtschaft in China über den Märkten. Die Zahlen zum Immobilienmarkt deuten immer mehr auf eine Blase hin, doch noch scheint die Regierung alles im Griff zu haben. Dies gilt auch für die Angst vor dem Platzen der Blase am internationalen Bondmarkt.

Italien verzinste jüngst seine 50-jährige-Anleihe unter 2,5 Prozent. Natürlich ist den meisten Investoren bewusst, dass dies keinesfalls ein risikogerechter Zins ist. Doch solange die Notenbanken den Markt für Anleihen leer saugen und die Alternativen nicht vorhanden sind, ist billiges Verschulden möglich. Da die Zinswende in den USA und Europa ausbleiben wird, darf die Bondblase weiter gedeihen.

Gibt es eine Jahresendrally?

Für den Aktienmarkt heißt dies als Fazit: Zwischen Draghi und Trump geht für den DAX nach oben und unten nicht allzu viel. Sollte sich jedoch die Rest-Unsicherheit zur US-Wahl lösen, so stünde einer kleinen Jahresendrally mangels Alternativen nichts im Weg.

Gesucht sein dürften primär dividendenstarke Unternehmen mit starkem Geschäftsmodell, sowohl im DAX als auch im S&P 500. Die Aktienampel steht auf gelb-grün. Wer dividendenstarke Titel in einem Papier zusammengefasst erwerben will, wird bei ETFs fündig, etwa der Lyxor Global Quality Income-ETF (WKN: LYX0RD) oder der UBS Global Select Dividend-ETF (WKN: A11471).