Der M&A-Markt 2016: Ein Rückblick

Vom 14.12.2016

Insgesamt war 2016 ein gutes Jahr für Mergers & Acquisitions. Megadeals prägten das Marktgeschehen, herausragend dabei die Übernahme von Monsanto durch Bayer.

Die Monsanto-Übernahme durch Bayer war das M&A-Highlight des Jahres. (Getty Images)

Die Monsanto-Übernahme durch Bayer war das M&A-Highlight des Jahres. (Getty Images)

Insgesamt war 2016 ein gutes Jahr für Mergers & Acquisitions. Megadeals prägten das Marktgeschehen, herausragend dabei die Übernahme von Monsanto durch Bayer für 66 Milliarden US-Dollar. Die Chinesen waren sehr aktiv, bis Ende November hatten sie gemäß Bundesbank bereits 43 Übernahmen in Deutschland getätigt. Dies war im Vergleich zu den Vorjahren ein starker Schub nach oben. Größter Deal hier: die Übernahme von Kuka.

Der letzte chinesische Vorstoß zur Übernahme von Aixtron, dem Anlagenbauer für LEDs und Mikroelektronik-Bausteinen, scheiterte kürzlich am Veto von Präsident Obama, weil die Aixtron-Tochter in den USA im Verteidigungsgeschäft aktiv ist. Die Amerikaner haben etwa 130 Transaktionen getätigt und waren damit auch in diesem Jahr in der Folge von fünf Jahren gleichmäßig stark mit deutschen Übernahmen unterwegs.

Die Japaner dagegen hatten sich über zehn Jahre zurückgehalten – 2016 aber wieder den deutschen M&A-Markt für sich entdeckt. Insgesamt ist Fernost in Deutschland jetzt viel aktiver: Singapur hat zwölf Transaktionen vorzuweisen, auch Korea ist am Markt sichtbar. Selbst Osteuropäer sind nun am deutschen Markt zu beobachten. Von Polen und Ungarn wurden von rund zehn Akquisitionen berichtet.

Niedrige Zinsen treiben Kaufpreise

Der Brexit hat bislang keine Auswirkungen auf den internationalen M&A-Markt gehabt. Stark wirkten sich aber die niedrigen Zinsen in Form von sehr hohen Kaufpreisen aus. Insofern war 2016 ein Jahr der hohen Unternehmens­bewertungen. Es wurden vielfach Multiples auf das operative Ergebnis im zweistelligen Bereich gezahlt.

Einer der größten Ausreißer nach oben war der Versuch von General Electric, die Lübecker 3D-Druck-Company SLM für 683 Millionen Euro zu übernehmen, die allerdings trotz des extrem hohen Multiples in Höhe des 80fachen des EBITDA, also des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, gescheitert ist. Dafür erwirbt General Electric nun Concept Laser aus Lichtenfels für 549 Millionen Euro.

Dies zeigt die große Interessenlage der Amerikaner, bei der Industrie 4.0 mit von der Partie zu sein. Der Wettlauf um Startups und etablierte Mittelständler im Industrie 4.0-Bereich hat gerade erst begonnen.

Engpass beim Angebot!

Insgesamt haben die strategischen Käufer in Deutschland eindeutig die Nase vorn. Finanzinvestoren müssen gegenhalten und scheinen bereit zu sein, jeden Kaufpreis zu zahlen. Sie agieren teilweise aus purer Verzweiflung. Der Engpass ist meist die Verfügbarkeit von Zielunternehmen, denn die Verkäufer wissen nicht, wo sie den Kaufpreis in der jetzigen Niedrigzinsphase neu anlegen sollen. Insofern verschieben sie erstmal einen möglichen Verkauf.

Nachfolge ungewiss

Das anhaltende Problem am deutschen Markt ist, dass es nicht genügend Nachfolger aus den Familien gibt. Es wird – je nach Quelle – von 17.000 bis 35.000 Unternehmen berichtet, die eine Nachfolgelösung suchen. Die Nachfolger kommen zunehmend inzwischen von außen.

Interesse an Nachfolgelösungen haben vor allem strategische Investoren wie Wettbewerber, Lieferanten und Kunden, gefolgt von Finanzinvestoren. Ausländische Kaufinteressenten kommen meist aus dem Wettbewerberumfeld, um den deutschen Markt zu erschließen. Angebote für den Kauf von Mittelständlern gibt es reichlich.

Am Markt für Distressed M&A, also Restrukturierungsfällen, geht es dagegen extrem ruhig zu. Hier schlägt sich die gute Konjunktur und das Zinstief nieder. Gefährdete Kandidaten sind vor allem in der Mode- und in der Textileinzelhandels-Branche anzutreffen. Anlässe sind dabei oft, dass Mittelstandsanleihen nicht mehr bedient werden können.

Insgesamt war 2016 ein sehr gutes und über den Jahresverlauf stabiles M&A-Jahr. Die Auftragsbücher der Transaktionsberater sind auch jetzt noch so voll, dass bis Mitte 2017 mit guten Auslastungen zu rechnen ist.