Die Euro-Angst geht (noch) nicht um

Vom 02.12.2016

Sollte Italiens Ministerpräsident Renzi das Verfassungsreferendum verlieren, hätte das schwerwiegende Folgen: für Italien und den Euro. Was Anleger jetzt wissen müssen.

Für Italiens Ministerpräsidenten Matteo Renzi geht es beim Referendum um sein Amt. (Foto: Picture Alliance)

Für Italiens Ministerpräsidenten Matteo Renzi geht es beim Referendum um sein Amt. (Foto: Picture Alliance)

 

Zunehmende Anspannung bei Matteo Renzi. Er hat in den Umfragen über das am 4. Dezember anstehende Verfassungsreferendum zufolge keine Mehrheit. Sollte er tatsächlich die Abstimmung verlieren, dürfte Renzi zurücktreten, woraufhin es zur Bildung einer Übergangsregierung und vorgezogene Neuwahlen kommen wird.

Investoren befürchten, dass dann die oppositionelle Bewegung MoVimento 5 Stelle (5 Sterne) des Kabarettisten Beppe Grillo an die Macht kommen könnte. Sie strebt ein Referendum über den Ausstieg Italiens aus dem Euro an. Sollte Renzi das Verfassungsreferendum verlieren, könnten sich die Sorgen vor einem möglichen Euro-Austritt Italiens schnell verstärken.

Der Euro ist aber ohne Italien kaum denkbar, ist das Land doch die drittgrößte Volkswirtschaft der Union, hinter Deutschland und Frankreich, erläutert Hartwig Knapp von PP Asset Management.

Italienische Banken stecken in einer schweren Krise

Wegen der zunehmenden Sorgen haben sich die Zinsen für zehnjährige Anleihen in den vergangenen Monaten annähernd verdoppelt auf aktuell etwas mehr als zwei Prozent, während Investoren gleichzeitig in deutsche Anleihen geflüchtet sind.

Entsprechend ist der Zinsaufschlag für italienische Anleihen gegenüber deutschen auf 190 Basispunkte (1,9 Prozentpunkte) gestiegen. Das ist das höchste Niveau seit Oktober 2014 und zeigt die Nervosität der Investoren. Großes Kopfzerbrechen bereitet Investoren vor allem die Situation der italienischen Banken: Die faulen Kredite liegen bei rund 360 Mrd. Euro.

Das sind rund 18 Prozent des gesamten Kreditvolumens. Die Institute bekommen die seit Jahren schwache Wirtschaft erheblich zu spüren.

Die Arbeitslosenquote ist sehr hoch, während die Wirtschaftsleistung pro Kopf – also unter Berücksichtigung der Inflation – in der Nähe des 20-Jahres-Tiefs liegt. Gegenüber Ende 2015 ist der Branchenindex FTSE Italia All-Share Banks um die Hälfte eingebrochen.

Investoren werden daher genau darauf achten, ob etwa die Rekapitalisierung des angeschlagenen Instituts Monte die Paschi di Siena gelingt. Sollte es dabei Probleme geben, käme der gesamte Sektor unter noch größeren Druck. „Italien lautet nun das Fokusland Nummer 1 in Sachen Eurokrise.

Die prekäre Lage der italienischen Banken, die politischen Fragezeichen rund um das Verfassungsreferendum an diesem Sonntag sowie das jahrelange konjunkturelle Siechtum haben das Land südlich der Alpen in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses gerückt“, schreibt Manfred Hübner, Geschäftsführer von sentix. Zur Erinnerung: Die Schulden Italiens sind auf den Rekordwert von 2,25 Billionen Euro gestiegen. Mit 135,5 Prozent ist das der zweitschwächste Wert in der Euro-Zone.

Kauft die EZB bald mehr Anleihen aus Italien?

Die deutlich steigenden Zinsen belasten die Wirtschaft und damit den Aktienmarkt schwer. So ist der italienische Aktienindex FTSE Mib auf Talfahrt und nähert sich den Mehrjahrestief. Angesichts der zunehmenden Turbulenzen wächst der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi, bei der Sitzung am 8. Dezember eine Veränderung des Anleihenkaufprogramms anzukündigen, nach der die EZB künftig viel mehr Papiere aus der Peripherie, also aus Italien und Portugal, kaufen dürfte.

„Die EZB wird ihre elektronische Notenpresse schneller laufen lassen müssen, um die Geldhäuser (der Euro-Zone) zu subventionieren. Das wird nicht nur den inneren Wert des Euro schwächen. Auch nach außen wird der Euro vermutlich nachgeben, wenn Kapital angesichts verbesserter Renditeaussichten den Euro-Raum mit seiner anhaltenden Niedrigzinspolitik verlässt“, schrieb Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa.

Wer in diesen unsicheren Zeiten vorsichtiger investieren will, kann zum Beispiel Aktienanleihen einsetzen. Sie zahlen einen Zinscoupon aus, der gleichzeitig der Sicherheitspuffer gegen fallende Kurse ist.

Auf den Dax bietet sich das Papier mit der WKN DL8A64 (Kupon 6,2%) an und auf den europäischen Leitindex EuroStoxx 50 die WKN VN3408 (Kupon 8,5%). Beide Aktienanleihen bieten eine maximale Renditechance von knapp sieben Prozent bis September 2017 an.