Draghi schockt Hausbauer

Vom 12.12.2016

Die jüngste Entscheidung der EZB scheint wie eine Drosselung der expansiven Geldpolitik. Neu ist allerdings nur, dass keine Immobilienkäufer profitieren.

Häuslebauer müssen mit höheren Zinsen rechnen. (Foto: Picture Alliance)

Häuslebauer müssen mit höheren Zinsen rechnen. (Foto: Picture Alliance)

Wird die europäische Zentralbank (EZB) der US-Notenbank Fed folgen und geldpolitisch ein wenig auf die Bremse treten? So sieht es auf den ersten Blick aus als sie jüngst angekündigt hat, den Umfang der Anleihenkäufe um 20 Milliarden auf 60 Milliarden Euro im Monat ab April 2017 zu verringern. Allerdings wurde das Anleihenkaufprogramm der EZB um neun Monate verlängert, länger als von Analysten erwartet.

Neue Spielregeln

Doch damit nicht genug, die EZB hat nämlich gleichzeitig die Regeln für den Ankauf von Anleihen verändert, weil die Notenbank durch ihre bisherigen Käufe die Anleihenmärkte ziemlich trocken gelegt hat. Die Renditen vieler Bundesanleihen waren unter den Einlagensatz der Banken von minus 0,4 Prozent gesunken, sodass das Anleihenuniversum für die EZB immer kleiner geworden ist. Denn sie darf nur Anleihen kaufen, die unterhalb des Einlagenzinses notieren. Ab Januar ist dies aber nun auch möglich und außerdem darf die EZB nun Anleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr erwerben. Zuvor waren nur Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren möglich. Von einer bestimmten Staatsanleihe darf aber weiterhin nur ein Drittel des Volumens gekauft werden.

Die Entscheidung der EZB deutet also keinesfalls auf eine Straffung der Geldpolitik hin, vielmehr könnte das Programm ausgeweitet werden, sollte sich die Inflation nicht wie gewünscht entwickeln. Auch das hat Mario Draghi unmissverständlich klar gemacht und damit an sein Statement „what ever it takes“ zu Hochzeiten der Eurokrise im Sommer 2012 erinnert. Allerdings gibt es Unterschiede in den Reaktionen der Märkte. Die Aktienmärkte haussierten damals wie heute, dagegen zeigen Anleihen eine andere Reaktion. Sie sinken nicht, sondern stabilisieren sich auf hohem Niveau, weil die Inflationserwartung heute wesentlich höher ist. Daher verlangen Anleger heute einen Ausgleich für die Geldentwertung durch die Inflation, und das ist eben der Zins.

Schulden sind nicht mehr umsonst

Die Zeiten, in denen die EZB oder die Fed Investoren das Geld umsonst hinterhergeworfen haben, dürften erst einmal vorbei sein. Dies wird sich auch bei den Zinsen für Immobilienkredite bemerkbar machen, denn diese hängen mit zeitlichem Verzug an den Vorgaben der Anleihenmärkte. Die billigen Zinsen für Immobilienkäufer sind damit erst einmal vorbei.

Durch die unterschiedliche Geldpolitik der Fed und EZB gerät der Euro unter Druck und stützt die exportlastigen DAX-Werte. Die Jahresend-Rally läuft aber nicht überall. Mit RWE und Eon sind Aktien unter Druck, deren Firmen hoch verschuldet sind und unter den gestiegenen Zinsen leiden. Dazu büßen Wohnimmobilienaktien wie Vonovia ein, die ebenfalls kräftig verschuldet sind. Gewinner sind einmal mehr Banken, die nach schwierigen Zeiten jetzt von steigenden Zinsen profitieren. Gold und Silber stabilisieren sich, könnten 2017 jedoch wieder in den Fokus rücken, wenn Anlegern bewusst wird, dass die weiter voranschreitende Verschuldung auch stattliche Risiken mit sich bringt.

Investmentideen

Wer daher defensiver investieren will und sich gleichzeitig vor einer anziehenden Inflation schützen will, kann inflationsgeschützte Anleihen kaufen. Zum Schutz vor der Inflationsentwicklung in den USA eignet sich das Papier mit der WKN LYX0VY und in Europa die Anleihe mit der WKN LYX0U6. Für mutige Anleger, die von weiter steigenden Aktienkursen ausgehen, bieten sich Index-Zertifikate auf die großen Aktienindizes an. „Index-Zertifikate haben den Vorteil, dass sie annähernd 1:1 mit dem Basiswert mitgehen und vergleichsweise günstig sind“, erklärt Christine Romar, Zertifikate-Expertin der Citigroup, die Vorzüge der Papiere. Hier eine kleine Auswahl: DAX (CD2JKY), S&P 500 (HVB1H3, währungsgesichert), EuroStoxx 50 (819437) oder den Nikkei (DE04UZ, währungsgesichert).