EZB in der Falle

Vom 16.02.2017

Weltweit ziehen die Zinsen und Renditen an und auch Deutschland könnte längst weitaus höhere Zinsen vertragen. Hat Draghi eine Falle gebaut, aus der die EZB nicht mehr rauskommt?

Die deutsche Kritik an EZB-Chef Draghi wird immer lauter. (Foto: Picture Alliance)

Deutsche Sparer ärgern sich bereits seit einiger Zeit über die Zinspolitik der EZB. (Foto: Picture Alliance).

 

Im Frankfurter Ostend lässt sich das Leid deutscher Sparer konzentriert auf vier Quadratkilometer betrachten. Im schicken Turm der EZB verweigert Mario Draghi beharrlich aus der Nullzinspolitik auszusteigen. Gleichzeitig verteuern sich rund herum in Szenelokalen wie dem Oosten die ohnehin schon hochpreisigen Getränke, ziehen die Mieten wie überall in Großstädten an und gehen Wohnungen mitunter zu Mondpreisen weg, da allzu viel Geld am Markt einen sicheren Hafen sucht.

Inflation zieht an

Abzulesen ist dies inzwischen an den Verbraucherpreisen, die in Deutschland und der Euro-Zone seit Monaten nach oben schießen, wesentlich begünstigt natürlich auch vom Basiseffekt beim Ölpreis. Viele Experten fordern daher, dass EZB-Chef Mario Draghi beginnen sollte, über eine allmähliche Verschärfung der Geldpolitik nachzudenken.

Im Januar sind die Verbraucherpreise um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und lagen damit deutlich über den Prognosen der Volkswirte von 1,6 Prozent. Die Inflationsrate nähert sich damit zügig dem Ziel der EZB von „nahe aber unter zwei Prozent”. In Deutschland waren die Preise auf 1,9 Prozent geklettert.

In Spanien lag die Inflation sogar bei drei Prozent. Dafür sind nicht nur die Ölpreise, sondern ein grundsätzlicher Preisanstieg verantwortlich. Weil der Ölpreis der Nordseesorte Brent derzeit um mehr als 60 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt, erwarten Experten, dass die Inflation in der Euro-Zone schon bald über die Marke von zwei Prozent klettern und sich ab Mitte des Jahres allmählich stabilisieren könnte.

Da sich die EZB ihrem Inflationsziel zusehends nähert, fordern Bundesbankchef Jens Weidmann und andere Experten eine allmähliche Abkehr von der sehr lockeren Geldpolitik der EZB. Immerhin sind die Kaufkraftverluste der Sparer so groß wie selten zuvor.

Minusrendite von 2,6 Prozent

So liegen die Zinsen für einjährige Bundesanleihen bei minus 0,83 Prozent. Unter Berücksichtigung der Inflation von 1,9 Prozent liegt die reale „Rendite“ damit bei minus 2,73 Prozent – ein kräftiger Verlust an Kaufkraft für die deutschen Sparer.

In dem Umfeld müsste EZB-Chef Mario Draghi eigentlich allmählich die Geldpolitik verschärfen und die Leitzinsen vom Rekordtief von null Prozent zügig erhöhen, belastet doch eine steigende Inflation die Wirtschaft in Deutschland und der Euro-Zone, weil sich Konsumenten für das gleiche Geld weniger kaufen können als vorher.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Draghi das tut, ist aber äußerst gering. Draghi hat zwar angekündigt, dass er das Anleihenkaufprogramm ab April von 80 auf 60 Milliarden Euro pro Monat reduzieren wird. Allerdings wird die EZB künftig alte, auslaufende Anleihen in neue umschichten, wodurch das monatliche Kaufvolumen bei mehr als 70 Mrd. Euro liegen dürfte, weshalb die Geldpolitik praktisch kaum verschärft wird.

Angst vor den Faschisten

Zugleich machen sich Investoren zusehends Sorgen, dass Marine Le Pen, die Chefin des Front National, die Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April gewinnen könnte. Le Pen hat zuletzt einmal mehr angekündigt, dass sie Frankreich aus dem Euro herausführen wolle und anschließend die französischen Staatsschulden in einer neuen Währung notieren sollten. Frankreich hat 2,16 Billionen Euro Schulden.

In einem derartigen Umfeld dürften Draghi und viele seiner Kollegen auch nicht einen einzigen Gedanken an eine mögliche weitere Drosselung des Kaufprogramms verschwenden. Vielmehr dürfte Draghi darauf hinweisen, dass die Kernrate der Inflation, also die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Inflationsrate, mit 0,9 Prozent weiterhin sehr niedrig sei.

Keine merkliche Abkehr in Sicht

Zusätzlich gebe es weiterhin Abwärtsrisiken für die Wirtschaft der Euro-Zone, die sich durch die Politik von US-Präsdient Trump noch verstärkt hätten. Die hohe Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone werde außerdem nur langsam abgebaut.

Trotz des starken Anstiegs der Inflation dürfte die EZB von dem eingeschlagenen Kurs nicht abrücken, zumindest nicht bis zur Bundestagswahl im September. Dann könnte eine expansive Fiskalpolitik unter einem Kanzler Schulz oder einer erneuten Kanzlerin Merkel für einen Dreh in Europa sorgen.

Die Sparer in Deutschland müssen bis dahin mit weiteren Kaufkraftverlusten rechnen. Zwei Möglichkeiten gegenzusteuern, sind zum einen die Festzinsanleihe Plus der IKB (WKN: A2BN96), die eine Mindestverzinsung von 1,2 Prozent zahlt und von steigenden Zinsen profitiert und zum anderen der inflationsgeschützte Anleihen-ETF für die Euro-Zone mit der WKN LYX0U6.