Google und Amazon stellen alles auf den Kopf

Vom 18.10.2016

Die großen US-Hightech-Titel gehören in diesem Jahr zu den Top-Performern, weil sie trotz Konjunkturschwäche kräftig wachsen.

Google ging 2004 an die Börse. in den ersten zehn Jahren ist der Kurs um fast 1

Google ging 2004 an die Börse. in den ersten zehn Jahren ist der Kurs um fast 1000 Prozent gestiegen. (Foto: Getty Images)

 

Haben Sie schon einmal Google gegoogelt? Klingt kurios, aber kann man mal machen. Wo sollte man auch sonst suchen, wird mancher denken. Die Suchmaschine spuckt ihr Gründungsdatum mit dem 15. September 1997 aus – Google wird also nächstes Jahr 20.

Das Unternehmen könnte dann im Jahr 2017 den Wert von 500 Milliarden Dollar locker überspringen und das sogar deutlich. Mancher Analyst erwartet ein Kursziel für die teurere der beiden Aktiensorten von weit mehr als 1000 Dollar. Fundamental reiht sich Google momentan im Tech-Sektor passend ein. Denn neben der starken Geschäftsentwicklung kommt vielen Technologie-Aktien paradoxerweise die starke Abkühlung der US-Wirtschaft zugute.

Nachdem die Volkswirte ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum auf zuletzt nur mehr 1,5 Prozent eingedampft haben, schauen sich Investoren nach Unternehmen um, die selbst in dem schwachen Konjunkturumfeld kräftig wachsen. Fündig werden die Anleger dabei vor allem bei Tech-Werten. Fundamental nimmt die Alphabet-Tochter Google einmal mehr Apple ins Visier und steigt ins Hardware-Geschäft mit Smartphones ein.

Google mit neuen Handys

Anfang Oktober hat Google die Modelle Pixel und Pixel XL vorgestellt, die 649 bis 869 Dollar kosten und von der taiwanesischen Firma HTC produziert werden. Den Smartphones ist ein Adapter beigefügt, mit denen Kontakte und Fotos vom iPhone auf das Pixel übertragen werden können. Etliche Analysten sind allerdings der Überzeugung, dass Google mit dem neuen Vorstoß nur dann erfolgreich sein wird, wenn das Unternehmen eigene Läden eröffnet, in denen die Kunden die neuen Geräte ausprobieren können.

Bislang verkauft Google sie hauptsächlich über den eigenen Online-Shop, sowie in den Läden des US-Mobilfunkproviders Verizon und denen der US-Elektronikhandelskette Best Buy. Dennoch sind die Investoren insgesamt zuversichtlich für die Perspektiven der weltgrößten Internetsuchmaschine, weshalb die Alphabet-Aktien in der Nähe des Rekordhochs notieren.

Amazon wächst rasant im Cloud-Bereich

Geradezu euphorisch sind die Investoren für Amazon. Nach der Rekordfahrt ist der Börsenwert auf 399 Mrd. Dollar geklettert und das 2017er-KGV auf herbe 80. Mit einem Indexgewicht von 7,1 Prozent belegt Amazon den dritten Rang im Nasdaq 100, hinter Apple (10,9 Prozent) und Microsoft (8,0 Prozent). Investoren feiern das rasante Wachstum bei Amazon, wofür vor allem das Cloud-Geschäft verantwortlich ist. Es war im zweiten Quartal um stattliche 58 Prozent gewachsen und steuert mehr als die Hälfte des Konzerngewinns bei.

Nun greifen die Rivalen Microsoft, Apple und Google den Branchenprimus im Cloud-Bereich zusehends an, der laut der Synergy Research Group im zweiten Quartal weltweit einen drei Mal so großen Marktanteil wie die Nummer zwei Microsoft hatte. Microsoft hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Mrd. Dollar investiert, um das Cloud-Geschäft in Europa auszubauen. Im nächsten Jahr sollen die Investitionen mit der Eröffnung eines Rechenzentrums in Frankreich weitergehen.

Zudem fasst Google künftig sein Cloud-Geschäft mit dem Firmenkundengeschäft unter der neuen Einheit Google Cloud zusammen. Google ist die weltweite Nummer vier im Cloud-Geschäft, hinter Amazon, Microsoft, und IBM. Gerüchten zufolge will außerdem Apple sein Service-Geschäft aus verschiedenen Standorten künftig auf dem bestehenden Infinite Loop Campus in Cupertino, Kalifornien, zusammenziehen, um so die Schlagkraft im Cloud-Bereich zu erhöhen.

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten auf die Kursentwicklung von Amazon und Alphabet zu setzen. Neben dem direkten Aktienkauf ist der defensivere oder offensivere Einstieg via Zertifikate beziehungsweise Hebelpapiere möglich. Papiere wie Discountzertifikate eignen sich besonders, wenn die Aktie leicht steigt oder nur auf der Stelle tritt, wie Adrian Hurler, Derivate-Experte von Goldman Sachs, erklärt: „Mit Discountzertifikaten bekommen Anleger einen Rabatt auf den aktuellen Kurs einer Aktie. Daher erzielen diese Papiere schon bei stagnierenden, moderat steigenden beziehungsweise fallenden Aktienkursen eine positive Rendite“.

Anleger kommen mit diesen Zertifikaten also meist schneller in die Gewinnzone als mit Aktien. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt. Wer ungebremste Gewinnchancen mit einem Hebel wahrnehmen möchte, setzt dagegen besser auf Knock-out-Papiere.