Infrastruktur – mehr als nur ein Wahlkampfthema

Vom 15.11.2016

Der US-Wahlkampf hat den Investorenblick auf diese Branche gelenkt. Der neue US-Präsident will große Investitionen tätigen, um das Wachstum anzukurbeln.

Marode Infrastruktur: Der Investitionsbedarf in den USA ist enorm, dazu müssen vor auch Ausgaben für erneuerbare Energien zählen. (Foto: Getty Images)

Marode Infrastruktur: Der Investitionsbedarf in den USA ist enorm, dazu müssen vor auch Ausgaben für erneuerbare Energien zählen. (Foto: Getty Images)

Der nächste US-Präsident steht vor einer Herkulesaufgabe. Donald Trump wird etliche Investitionen anstoßen müssen, um die schwächelnde Wirtschaft zu beleben. Vor kurzem hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Prognose für das Wirtschaftswachstum der USA für 2016 von 1,8 Prozent auf nur mehr 1,4 Prozent eingedampft.

Das wäre das niedrigste Wachstum seit der 2009er-Schuldenkrise. In dem Umfeld werden die Rufe nach Konjunkturprogrammen deutlich lauter.

Infrastruktur- und Fiskalprogramme notwendig

Konjunktur- oder Fiskalprogramme bedeuten, dass die Länder zusätzliche Schulden machen, um beispielsweise in die Infrastruktur, wie Straßen und Brücken, zu investieren, die Steuern zu senken oder höhere Sozialausgaben zu finanzieren. „Wir erwarten, dass Trump nach seiner Wahl auf erhebliche Infrastrukturprogramme drängen wird“, schrieben die Analysten von Goldman Sachs zuletzt.

Trump hat wiederholt betont, dass die US-Infrastruktur in einem miserablen Zustand sei. Da die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens am Rande der Stagnation oder sogar Rezession sind, wird auch dort der Ruf nach Fiskalprogrammen und damit nach Infrastrukturinvestitionen immer lauter.

In dem Umfeld verbessern sich die Perspektiven für die Unternehmen aus dem Segment weiter. „Aus Anlegersicht betreffen die vielversprechenderen Infrastrukturprojekte, von denen die Baubranche profitiert, die Themen Ausbau des Stromnetzte, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Systeme zur Gewinnung von Energie aus Wasserkraft“, schrieben die Analysten der Deutsche Asset Management, dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank, in ihrer jüngsten Studie zu diesem Thema.

Wer profitiert von Infrastrukturinvestitionen?

Die Kollegen der Société Générale haben in einer ihrer Auswertungen etliche europäische Unternehmen präsentiert, die von höheren Infrastrukturinvestitionen, insbesondere in den USA profitieren würden. Zu den Firmen gehört die Baufirma Hochtief ebenso, wie der spanische Mutterkonzern ACS (Actividades de Construcción y Servicios) und der irische Baustoffhersteller CRH.

Das Trio erzielt laut der Société Générale jeweils rund die Hälfte seiner Erlöse in den USA, weshalb ihm die wahrscheinlich steigenden Infrastrukturausgaben deutlich zu Gute kämen. Anleger sollten aber auch beachten, dass Infrastrukturprojekte ausgeschrieben werden müssen und durch den Wettbewerb die Margen der Baufirmen unter Druck kommen. Daher könnte es einige Zeit dauern, bis die Erträge in der Bilanz wirksam werden.

Trotz hoher Staatsschulden dürften etliche Länder in den nächsten Jahren verstärkt in die Infrastruktur investieren. Dass Anleger aber auch innerhalb einer Branche differenzieren müssen, zeigen unterschiedliche Wertentwicklungen. Wer etwa den Schwerpunkt auf asiatische Infrastruktur gelegt hat, konnte durch die Entwicklung in China kaum etwas verdienen.

Die Wirtschaft schwächelt dort, die Investitionen gehen zurück. So hat der Invesco Asia Infrastructure Fund (ISIN:LU0243955886), der in Infrastrukturunternehmen in Asien ohne Japan investiert, einen schweren Stand gehabt. In den vergangenen drei Jahren trat die Wertentwicklung des Fonds auf der Stelle.

Eine Alternative ist ein globalerer Ansatz, den zum Beispiel die Partners Group mit ihrem Listed Infrastrukturfonds (ISIN: LU0263855479) verfolgt. Der Fonds fokussiert sich auf Infrastrukturbetreiber und ihre Konzessionäre, also etwa die Betreiber von Flughäfen, Krankenhäuser, Pipelines oder Kabelnetzwerke.

Regional werden Nordamerika und Europa am stärksten abgedeckt, mit jeweils knapp 40 Prozent. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds eine Performance von rund 36 Prozent erzielt und damit auch den S&P Global Infrastruktur übertroffen bei gleichzeitig niedriger Volatilität.