M&A in Zeiten von Entglobalisierung und Industrie 4.0

Vom 11.01.2017

Wenn der zukünftige Präsident der USA, Mister Trump, wahr macht, was er twittert, dann dürften Importe vor allem aus dem Technologiebereich in Zukunft mit Strafzöllen belegt werden.

Neue Autos in Mexiko: Wird es bald teuer, sie in die USA zu importieren? (Foto: Getty Images)

Neue Autos in Mexiko: Wird es bald teuer, sie in die USA zu importieren? (Foto: Getty Images)

Diese Zölle würde unter anderem die deutsche Automobilbranche treffen, die derzeit in Mexiko für den amerikanischen Markt produziert oder in Mexiko gerade Fertigungen aufbaut. Die deutschen Vertreter der Autobranche zeigen sich professionell gelassen. Dennoch ist dies ein Bedrohungsszenario, das nach Antworten sucht.

Die naheliegende Antwort lautet: Wertschöpfung in die USA verlegen. Das geht nur nicht so zügig. Der schnellste Weg wäre der Unternehmenskauf in den Vereinigten Staaten. Die hochkonsolidierte Autobranche bietet auf Sicht zwar keine Übernahmeziele. Aber auf dem Zulieferermarkt und in der breit gefächerten Maschinen- und Anlagenbaubranche sieht es besser aus.

Die M&A-Geschichte der vergangenen fünf Jahre zeigt, dass gerade deutsche Unternehmen erfolgreich große Übernahmen in den USA getätigt haben. Die Deutschen haben bei Mega-Transaktionen in den USA einen Überhang gegenüber den Amerikanern in Deutschland, die hierzulande allerdings beim Kauf von Mittelständlern die Nase vorn haben.

Das Trumpsche Vorgehen wird diese Entwicklung sicherlich nochmal anheizen. Da mit Gegenreaktionen der Europäer zu rechnen ist, dürfte dies einen M&A-Schub in beide Richtungen zur Folge haben.

Auch in Europa: Entglobalisierungstendenzen

Nun haben wir es in Europa gleichfalls mit Bestrebungen zur Entglobalisierung zu tun. Populisten und Nationalisten streben an die Macht. Es ist fraglich, ob der Euro angesichts nationaler Wirtschaftskrisen, Verschuldung und Arbeitslosigkeit in der jetzigen Form dauerhaft bestehen kann.

Wird es auch hier in Old Europe zu einem Rückfall in nationalstaatliche Wirtschaftsstrukturen kommen? Wird es nach dem Brexit weitere Exits geben? Wird am Ende ein „Nord-Euro“ übrig bleiben, begrenzt auf Deutschland und unsere Nachbarstaaten? Das wäre ein bedrückendes Szenario, zumal die wichtigste Achse des Nachkriegseuropas, die deutsch-französische Verbindung, davon bedroht sein würde.

Erfahrungsgemäß wird aber nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Trump wird sich sein Vorhaben nochmals überlegen müssen, denn nationale Fertigungen dürften in den USA die Preise nach oben treiben. In einem zerfallenden Europa ebenso. Der Geist des geeinten Europas wird hoffentlich so stark sein, dass Lösungen gefunden werden, die die Unterschiede in der Wirtschaftskraft überbrücken können.

Dies mögen alles noch Gedankenspiele sein. Der einzelne Unternehmer muss sich jedoch damit schon jetzt auseinandersetzen, denn eine Fertigungsinvestition oder eine Unternehmensübernahme sind langfristige Entscheidungen mit einer Reichweite von mehr als zehn Jahren. Ist dies das Ende der „Continental Scale Factory“? Was kommt danach?

Eine neue M&A-Welle kommt

Vielleicht ist dies ein Vorzeichen für die „Smart Factory“ der Industrie 4.0 – in der Cloud vernetzt, autonom, hochautomatisiert – in der die virtuellen Produkte von Standort zu Standort gereicht werden, um sie an kleinen regionalen Standorten in Kundennähe mit 3-D-Druckern real werden zu lassen.

Die dazu notwendigen Netzwerke und die Anzahl der Standorte werden nicht mehr zentral aus einem Unternehmen heraus geführt werden können. Die Grenzen zwischen Herstellern, Zulieferern und Kunden werden sich zunehmend verwischen. Somit werden immer mehr Allianzen, Beteiligungen, Joint Ventures und Unternehmensübernahmen erforderlich.

Beides, Entglobalisierung und Industrie 4.0 – so es denn so kommt – werden zu einer neuen Welle von M&A führen, nicht nur in Form von Mega-Deals, sondern besonders auch durch Zusammenschlüsse von Konzernen, Spezialisten und Start-Ups.