Merkel-Wahl: Sind wir im Sozialismus?

Vom 07.12.2016

Die Berichterstattung über den CDU-Parteitag nervt mich: Von der Tagesschau über meine Mainzer AZ bis hin zum Handelsblatt wird die Wiederwahl Angela Merkels zur Parteivorsitzenden mit dem „Dämpfer“-Wort heruntergezogen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 06.12.2016 in Essen nach ihrer Wiederwahl zur CDU-Parteivorsitzenden. (Foto: Picture Alliance)

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 06.12.2016 in Essen nach ihrer Wiederwahl zur CDU-Parteivorsitzenden. (Foto: Picture Alliance)

 

„Zweitschlechtestes Ergebnis“. „Dämpfer” für Merkel. Ein böser „Denkzettel“.

Angela Merkel hat nur 89,5 Prozent der Stimmen bekommen. Furchtbar! Quasi eine Niederlage.

Leute, wollen wir wirklich Ergebnisse von 99 Prozent -wie in der SED? Die CDU ist keine kommunistische Einheitspartei, bei der alles, was unter 99 Prozent liegt, nicht sein darf. Das gilt auch für die anderen Parteien. Mehrheiten sind Mehrheiten, Prozente sind Schall und Rauch.

Kommentiert Oliver Köhr vom MDR in den Tagesthemen: „Es ist zwar das zweitschlechteste Ergebnis, aber es ist keine Katastrophe.” Wow, aus dem klaren Votum für Merkel wird ein gnädiges „keine Katastrophe”.
Köhr weiter: „Es ist ein typisches CDU-Ergebnis.“ CDU-Delegierte straften ihre Führung nicht ab, „selbst wenn es vernünftige Gründe dafür gibt”. Die wollten nämlich gerne „ihre Ämter und Mandate behalten”. So ein Unsinn zur besten Sendezeit.

Sind Inhalte zu anstrengend geworden?

Ich erinnere mich an meine Zeit bei der Berliner Morgenpost, als mein Morgenpost-Kollege immer wieder jubelte: „Yeah, der Tagesspiegel hat den gleichen Aufmacher wie wir.” Selbst geschaffene Gleichschaltung – so kommt mir der heutige Pressemorgen vor.

Kolleginnen und Kollegen, es wäre besser, sich mit den Inhalten der Merkel-Rede auseinanderzusetzen, aber das ist manchen Kommentatoren vielleicht zu anstrengend.

Es reichen ein paar Schlagworte :„Ihr müsst mir helfen”, Burkaverbot „soweit rechtlich”, „viel zugemutet“. Das war’s dann schon.

Und die Zentralredaktionen, die sich abends den dümmlichen Kommentar von Oliver Köhr in den Tagesthemen angesehen haben, machen dann alle ähnliche Überschriften.

So entsteht eine selbst geschaffene Gleichschaltung des Berliner Medienbetriebes.

Vielleicht liegt es daran, dass zu viele Journalisten über das gleiche Thema berichten müssen. In Bonn waren früher 5000 Journalisten akkreditiert, in Berlin sind es mehr als 10.000.