Bedarf an Mietwohnungen ungebrochen

Vom 15.08.2016

Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt weiterhin hoch, die Preise steigen kontinuierlich. Noch ist allerdings keine Blase zu befürchten.

Ein Neubaugebiet in Köln. (Foto: Picture Alliance)

Ein Neubaugebiet in Köln. (Foto: Picture Alliance)

Der Immobilienmarkt ist eine Stütze der deutschen Wirtschaft und dürfte im Laufe des Jahres das Bruttoinlandsprodukt um circa 0,2 Prozent unterstützen. Der Bedarf an Mietwohnungen ist ungebrochen, es besteht ein großer Nachfrageüberhang. In den Großstädten betragen die Mieten schon ein Drittel des Familien-Einkommens. In vielen kleineren Städten liegen die Wohnungsmieten über den durchschnittlichen Büromieten.

Es ist noch kein Ende über die weitere Entwicklung abzusehen. Es fehlen Wohnungen für Familien und der Zuzug von Migranten erschwert zusätzlich die Wohnungslage. Außerdem wollen die Menschen ihre Wohnstätten großzügiger gestalten. Das bedeutet, dass Wohnungen für Singles mindestens eine Fläche von 47 Quadratmeter beinhalten sollen, Familien fragen Flächen von über 78 Quadratmeter nach.

Grund und Boden sind Preistreiber

Städte und Gemeinden beklagen, dass es nicht ausreichend Bauland gibt, obwohl sie dafür zuständig sind, haben sie in der Vergangenheit nicht genügend Bauplätze geschaffen. Grund und Boden sind daher auch die Preistreiber für den Wohnungsmarkt und auch für auszuweisende Gewerbeflächen.

Diese beiden Ansätze sind für Standortfragen von Unternehmen ein gewichtiger Faktor. Können Kommunen nicht ausreichend Flächen zur Bebauung schaffen, suchen Firmen nach Alternativen im europäischen Raum, um dort ihre Produktionsstätten aufzubauen.

Dies ist oft ein Wettlauf zwischen den verschiedenen Interessen, einesteils der Grundstücksinhaber und anderenteils derjenigen, die nichts verändern und die Landschaft naturbelassen erhalten wollen.

Immobilienblase nicht in Sichtweite

Nach dem Brexit werden die Rollen auf dem Immobilienmarkt neu verteilt. Auf der Insel sind die Preise für Wohnungen, die in den vergangenen Jahren auf astronomische Höhen schnellten, inzwischen im freien Fall. Die Bankpaläste in der Londoner City werden zunehmend leerer, da die Konzerne die Mitarbeiter auf das Festland abziehen. Für manchen Mitarbeiter kann dies zum Destaster werden, falls noch gewaltige Hypotheken auf der eigenen Immobilie lasten und dazu noch der Verlust des Arbeitsplatzes kommt.

Der große Gewinner nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Eurozone dürfte der Raum Frankfurt sein. Die Mainmetropole hat derzeit einen großen Überhang an ausgezeichneten Büroflächen, die in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet wurden. Der Überschuss an Büroflächen wird in den nächsten zwei Jahren durch den Umzug der Mitarbeiter aus London abgeschmolzen. Neben dem internationalen Flughafen Frankfurt bietet die Stadt und das Umland auch für zugereiste Manager eine interessante Perspektive.

Außerdem hat Deutschland einen Nachholbedarf, was den Dienstleistungssektor betrifft. In den Nachbarstaaten wie in den Niederlanden, Frankreich arbeiten über 75 Prozent und in Großbritannien sogar über 80 Prozent in diesem Sektor. Deutschland liegt sogar hinter Finnland mit 70 Prozent. Falls in diesem Bereich auch die Beschäftigen zunehmen, gehört der Büromarkt, bei einer weiter gesunden Inlandskonjunktur, zu den großen Wachstumstreibern.

Bei dem schnellen Anstieg an Wohnflächen hängt über diesem Bereich das Damoklesschwert einer Immobilienblase. Blasen bilden sich im ökonomischen Umfeld immer dann, wenn die Produktion den Markt ignoriert. Da die Nachfrage nach Immobilien und auch die Sanierungen von Häusern und Wohnungen ungebremst sind, dürften die Symptome noch nicht in Sichtweite sein.