Opel und Peugeot: ein Fanal für die Autobranche?

Vom 17.02.2017

Die in Verhandlung befindliche Übernahme von Opel durch Peugeot-Citroen ist ein Signal für weitere Bewegungen in der Autoindustrie. Hierbei sind drei Bewegungen maßgebend.

Bereits 2013 wurde über eine mögliche Übernahme von Opel durch Peugeot spekuliert. (Foto: Getty Images)

Bereits 2013 wurde über eine mögliche Übernahme von Opel durch Peugeot spekuliert. (Foto: Getty Images)

 

Erstens: General Motors hat die europäischen Töchter Opel und Vauxhall nicht nachhaltig aus der Verlustzone führen können. Grund war zuletzt die Schwäche des britischen Pfunds nach der Abstimmung über den Brexit. Insofern war es eine Frage der Zeit, wann die Notbremse gezogen wird, da die Produktoffensive, Kostensenkungen und Standortschließungen keine Perspektiven auf dauerhaften Erfolg zeitigten.

Der jetzige Rückzug von General Motors dürfte aber auch politisches Kalkül haben: Trump hat mit seiner Androhung, 35 Prozent Zölle auf Autoimporte in die USA zu erheben, ein Signal für die ganze Branche, insbesondere aber gegen Deutschland, gestellt.

Denn in der Zollfrage kann den Amerikanern entgegengehalten werden, dass die US-Autobauer GM und Ford dank ihrer lokalen Marken Opel und Ford mehr Marktanteil in Europa haben als die deutschen Autobauer in den USA. Damit steht die Zoll-Argumentation Trumps auf tönernen Füßen. Wenn aber GM aus Opel aussteigt, dann entfällt dieses Argument und Trump hätte bessere Karten, um seine 35 Prozent-Drohung mit nur mäßiger Gegenwehr durchzusetzen.

Elektroantrieb kann viele Arbeitskräfte kosten

Ein weiterer Faktor ist die anstehende Umstellung des Automarktes auf Elektroantrieb. Dies wird in einer starken Schubbewegung („Disruption“) kommen, nicht in der Form einer Evolution. Wann dies in der Breite des Marktes ankommt, ist noch offen, und woher die Schubkraft kommt auch: China hat sich ja bereits in der Durchsetzung von Elektro-Krafträdern profiliert, indem Motorräder mit Verbrennungsmotor in Beijing verboten wurden.

Das Gleiche kann den Pkws blühen. Und dies wird in der ganzen Autobranche zu einer großen Freisetzung von Arbeitskräften führen. Branchenvertreter sprechen von 30 Prozent. Dies wird bei einer weitgehenden Durchdringung des Marktes und bei der Erschließung der Volumensegmente wesentlich mehr sein, denn das Elektroauto ist viel weniger komplex als das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Es bietet ein viel größeres Standardisierungs- und Integrationspotenzial als das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mit dem mechanischen Antriebsstrang. Opel bietet mit dem Ampera zwar ein Elektroauto an. Sein Potenzial am Markt ist aber offensichtlich zu klein, um eine tragende Säule in einer „World Car“-Strategie mit der Mutter GM zu spielen. Sonst würden die Amerikaner jetzt nicht den Ausstieg suchen.

Die Strategie der Franzosen

Als Faktor drei stellt sich die Frage nach der Strategie von PSA Peugeot-Citroen. Diese haben im Wettlauf der Modelle gegenüber den deutschen Autobauern in den vergangenen Jahren aufgeholt. Dennoch haben sie Volumen- und Designrückstände, insbesondere aber Probleme bei der Preis-Realisierung und dem Zeitrückstand bei der Elektromobilität. Diese Lücke könnte mit dem Opel Ampera und dem Zusatzpotenzial, das Opel am Markt bietet, verringert, aber nicht geschlossen werden.

Zwischen Opel und PSA gibt es bereits höhere Synergien als mit GM, insbesondere im Zusammenrücken als Basis einer einheitlichen kontinentalen Plattform. Opel und Peugeot hatten bereits vor einigen Jahren eine Allianz angestrebt. Davon verabschiedete man sich jedoch 2012. Beide Unternehmen arbeiten noch bei der Produktion von SUVs und Minivans zusammen, beispielsweise beim Opel Grandland X, der auch als Peugeot 3008 erscheint.

Die letzten Jahre waren für den PSA-Konzern jedoch nicht rosig. Die Absatzzahlen rauschten in den Keller. Und der französische Staat war sogar gezwungen, sich mit 14 Prozent an dem darbenden Autobauer zu beteiligen. Dagegen hat die PSA ehrgeizige Pläne: Ab 2019 wollen Peugeot und Citroën wieder ganz vorn im Konzert der Automobilbauer mitmischen. Eine neue Plattform, die für reine E-Mobilität vorgesehen ist, soll die globale Attacke lostreten, flankiert von leistungsstarken Plug-in-Hybriden.

Da könnte Opel mit dem Ampera die bestehende zeitliche Lücke füllen. Und nicht nur das. Strategisch würde eine verbreiterte Zusammenarbeit Sinn machen, insbesondere vor dem Zwang zu einem verbreiterten Marktzugang und bei der Durchsetzung des Elektroautos. Dies impliziert aber die Freisetzung von Design- und Fertigungskapazitäten, nicht nur die oben genannten 30 Prozent, sondern wesentlich höher.

Keine Rücksicht auf deutsche Standorte zu erwarten

Am Ende wird die Frage nach dem Erhalt der deutschen Standorte gestellt werden müssen. Es geht um den Stammsitz Rüsselsheim sowie die Werke in Kaiserslautern und Eisenach. Die Franzosen haben durch vergangene Fusionen in anderen Branchen gezeigt, dass sie keine Rücksicht auf deutsche Standorte nehmen. So etwa bei der Migration von Hoechst in die Sanofi-Aventis, nach der am Standort Hoechst praktisch nichts mehr übrigblieb und Deutschland seine führende Stellung als „Apotheke der Welt“ verlor.

Für die Opel-Standorte bedeutet dies nichts Gutes. Die deutsche Politik, die Sozialpartner und die Opel-Werksleitung sind gefordert, jetzt nicht nur auf die kurzfristige Erhaltung der Opel-Standorte zu sehen, sondern auf eine langfristige Rolle im PSA-Verbund, etwa als Standorte für die Elektromobilität.

Wenn man sich die deutsch-französische Industriehistorie ansieht, sehen aber unsere Karten nicht gut aus, insbesondere vor dem Hintergrund der Staatsbeteiligung an der PSA, die vornehmlich den Kapazitätserhalt der französischen Standorte im Auge haben wird.