Schäuble wird nervös – die Zinsen steigen

Vom 01.11.2016

Was vor Monaten noch undenkbar war, ist nun Realität geworden: steigende Zinsen. Sie beunruhigen nicht nur den Finanzminister. Wird es eine Trendwende geben?

Trotz Schäubles Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB, spart der Staat dadurch Milliarden ein. (Foto: Picture Alliance)

Trotz Schäubles Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB, spart der Staat dadurch Milliarden ein. (Foto: Picture Alliance)

 

Jeden Tag eine Kiste Trollinger frei Haus ins Frankfurter Ostend – eigentlich wäre diese Lieferung aus dem Bundesfinanzministerium angemessen. Denn im Vergleich zu den 2011 veranschlagten Zinszahlungen muss der Finanzminister 2016 rund 25 Milliarden weniger an Zinsen für Bundesanleihen unterschiedlicher Laufzeiten zahlen.

Doch plötzlich wird man in Berlin etwas nervös. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen sind aus dem Negativkeller wieder auf 0,15 Prozent geklettert – eine Trendwende am Schuldenmarkt?

Am weltweiten Anleihemarkt, der um ein Vielfaches größer als der Aktienmarkt ist, sind Turbulenzen zu verzeichnen: die Zinsen sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone sind zuletzt deutlich gestiegen. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen, die Ende September noch bei minus 0,15 Prozent gelegen hatten, sind bis auf 0,15 Prozent geklettert.

Im Gegenzug ist der Bund-Future von 166 Punkten auf 162 Punkte gesunken. Der Bund-Future ist ein Terminkontrakt, der sich auf eine fiktive, zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von sechs Prozent bezieht.

Für den Zinsanstieg in der Euro-Zone sind vor allem die besseren Wirtschaftsaussichten verantwortlich. So stieg der vielbeachtete Frühindikator, der ifo-Geschäftsklimaindex, zuletzt kräftig an. Dr. Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank, sieht die Unternehmensstimmung im Aufwind: „Momentan zeigen sich die deutschen Unternehmen relativ unbeeindruckt von möglichen Turbulenzen in der globalen Konjunktur“.

Auch der Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone überraschte positiv und legte kräftig zu. Verstärkt wurde der Zinsanstieg in der Euro-Zone außerdem durch Medienberichte, wonach die EZB das aktuelle Anleihenkaufprogramm, das nach den bisherigen Planungen bis März 2017 mit 80 Mrd. Euro pro Monat läuft, anschließend zurückfahren könnte.

Etliche Gründe sprechen gegen eine US-Zinserhöhung

In den USA gilt eine Zinsanhebung im Dezember bereits als ausgemacht. Der Markt signalisiert anhand der Fed Fund Futures eine Wahrscheinlichkeit von derzeit fast 70 Prozent, dass es zu einer Leitzinsanhebung kommen wird. Die Frage ist allerdings, ob es tatsächlich zu einer „offiziellen“ Zinserhöhung in den USA kommen wird?

Immerhin bremst der Zinsanstieg der vergangenen Monate die Wirtschaft deutlich. Je stärker die Zinsen noch vor Dezember steigen, umso weniger muss daher Fed-Chefin Janet Yellen anschließend die Leitzinsen erhöhen.

Ein zweiter Grund spricht ebenfalls gegen eine Zinserhöhung: Der deutlich steigende Dollar, wodurch das Wirtschaftswachstum zusätzlich gedämpft wird. Denn ausländische Produkte werden in den USA billiger, während US-Produkte im Ausland teurer werden. Angesichts der Fakten könnte die Fed bei der Sitzung am 14. Dezember einmal mehr die Zinsen nicht erhöhen, was für eine Beruhigung am Anleihenmarkt sorgen könnte.

EZB dürfte Programm nicht zurückfahren

Und wie geht es bei den Zinsen in der Euro-Zone weiter? Die Sorge, dass die EZB ihr Anleihenkaufprogramm bald zurückfahren könnte, dürfte unbegründet sein. Zuletzt sagte EZB-Direktor Benoit Coeure, die EZB werde ihre geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen fortsetzen, bis die Inflation merklich zu steigen beginnt. Damit sendete die EZB ein neues Signal, dass das Kaufprogramm in Höhe von monatlich 80 Milliarden Euro über den März 2017 hinaus verlängert werden könnte.

Die gegenwärtigen Maßnahmen seien „angemessen”, und es gebe derzeit nur wenige Anzeichen für negative Seiteneffekte auf die Wirtschaft. Davon dürften dann auch Anleger profitieren, die mit Fonds oder Zertifikaten direkt am Kursanstieg am Aktienmarkt partizipieren möchten. Zum Beispiel durch das Zertifikat mit der WKN A17TAL, dass sich auch in schwierigen Zinsphasen bewährt hat und im Jahresverlauf ein Plus von knapp 20 Prozent erzielt hat.

Kurzfristig, also bis zur Fed-Sitzung am 14. Dezember, könnten die Zinsen in den USA und damit auch in Europa noch etwas weiter steigen. Sollte die Fed aber einmal mehr nichts unternehmen oder es bei der einen Zinserhöhung auf absehbare Zeit belassen, könnten die Zinsen und Renditen wieder den Rückwärtsgang einlegen.

Es ist also durchaus realistisch, dass Wolfgang Schäuble oder seine möglichen Nachfolger auch nach der Weinlese 2017 kistenweise Trollinger versenden müssten. Im Falle einer Finanzministerin Wagenknecht wäre es allerdings dann eher Riesling von der Mosel.