Sorgen um Italiens Banken

Vom 19.09.2016

Das Land ist politisch und wirtschaftlich stark angeschlagen. Besonders besorgniserregend sind 700 Milliarden an faulen Krediten der italienischen Banken.

Die Bankenkrise in Italien lähmt auch die Wirtschaft – und Wachstum braucht das Land dringend. (Foto: Picture Alliance)

Die Bankenkrise in Italien lähmt auch die Wirtschaft – und Wachstum braucht das Land dringend. (Foto: Picture Alliance)

 

In Italien wird derzeit die Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung zur Abschaffung des Zweikammersystems vorbereitet, um das Land regierbarer zu machen. Neben diesem Vorhaben stehen der italienischen Bankenwelt harte Zeiten bevor. Die Institute haben eine geringe Kapitalausstattung und in den Büchern sind faule Kredite von über 700 Milliarden Euro.

Außerdem haben sie eine geringe Rentabilität, da die Belastungen in den Bilanzen zu hoch sind und daher auch für Aktienkäufer uninteressant sind. Falls die Reformpolitik unter den Wählern eine große Zustimmung erfährt, dann kommen auch wieder die internationalen Investoren zurück.

Sollte jedoch die Abstimmung scheitern, dann steht das ganze Bankensystem in Gefahr. Die Kapitalerhöhungen könnten dann die Manager in den Ofen schreiben. Es ist zu befürchten, dass eine Bankenpleite ein Ansteckungseffekt auf die anderen europäischen Bankhäuser hätte. Denn auch sie leiden schon seit Jahren unter den toxischen Krediten in ihren Bilanzen.

Auch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat diese Krise der Institute mit verursacht. Außerdem liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr nicht im Soll. Die Erwartungen liegen in 2016 bei unter einem Prozent und somit im Mittelfeld innerhalb der Europäischen Union.

In Rom muss man leider erkennen, dass man die Wachstumsziele klar verfehlt hat. Hoffnung einer Trendwende hat die Regierung auf die diesjährige Touristikbilanz.

Bankrott abwehren

Mit diesen Negativbelastungen sind jedoch die Banken im Stiefelstaat nicht allein, auch die deutschen Großbanken und gleichermaßen die Schweizer Institute haben Probleme. Die Banken können ihren Aktionären nicht mit blendenden Zahlen imponieren, sondern müssen sie in gewissen Abständen zur Kasse bitten.

Zwingende Kapitalerhöhungen sind notwendig, um teilweise den drohenden Bankrott abzuwehren. Aber solche Kapitalspritzen sind noch umstritten, da man den Ausgang der Abstimmung zugunsten der Regierung in Rom abwarten will. Große Investoren fordern immer wieder die Ablösung der verantwortlichen Vorstände und Verwaltungsräte.

Aber allein ein Rauswurf bringt noch lange kein lukratives Neugeschäft. Banken sind deshalb gut beraten, weniger Kredite zu vergeben sondern mehr in die einträgliche Kundenberatung zu gehen. Interne Abläufe müssen mehr standardisiert und automatisiert werden.

Auch eine Zusammenarbeit und Vernetzung unter den Banken muss mehr in Italien angestrebt werden. Einige beklagen, dass das Schwarzgeld, das sie bunkerten ihnen über manche Klippe hinweggeholfen hat. Da auch diese Quelle durch die Regularien trocken gelegt wurde, gehen den Banken Milliarden-Beträge an Kundengeldern verloren.

Auch die veränderten Ansprüche junger Kunden an die Digitalisierung der Bankgeschäfte machen die margenträchtigen Geschäfte den Häusern zu schaffen. Viele Italiener sind gegenüber den Kreditanstalten in der Vergangenheit misstrauischer geworden. Sie behalten lieber ihr Geld bar zu Hause, als es auf die Bank zu bringen, von der sie nicht wissen, ob sie morgen wieder die Schalter öffnen wird.

Da es noch einige kleinere Institute gibt, sind die Hürden hoch um eine gemeinsame Wechselbeziehung aufzubauen. Manche Institute werden noch von Privatbankiers geführt, die über Generationen hinweg durch ihre Unabhängigkeit gegenüber den Management-getriebenen Kreditinstituten geglänzt haben.

Es gibt darüber hinaus Überlegungen, einige der Bankkathedralen zu verkaufen. Interessenten gibt es durchaus, da die Grundstückslage mancher Banken werthaltiger ist, als das Kreditinstitut selbst.