Erfreuliche Touristikbilanz in Südeuropa

Vom 05.11.2016

Die Sommerbilanz war für die Mittelmeerländer Spanien und Portugal ein warmer Regen. Griechenland ist trotz Rekordergebnis noch nicht über dem Berg.

Mehr als nur Sonne, Strand und Meer: Spanien hat 45 Weltkulturerbestätten wie die Sagrada Familia in Barcelona. (Foto: Picture Alliance)

Mehr als nur Sonne, Strand und Meer: Spanien hat 45 Weltkulturerbestätten wie die Sagrada Familia in Barcelona. (Foto: Picture Alliance)

 

Die Reise- und Ferienzeit geht zu Ende und die Touristikbranche zieht über den vergangenen Sommer, Bilanz. Die Mittelmeerländer können erfreuliche Zahlen vorweisen. Allen voran Spanien, das einen Boom an Feriengästen erlebt hat. Der Ansturm auf die Hotelbetten hat die Branche teilweise überrascht.

Auch das Nachbarland Portugal hat viele sonnenhungrige Urlauber angelockt, obwohl dort die Preise kräftig angezogen haben. In den ersten acht Monaten diesen Jahres kamen über 50 Millionen Touristen auf die iberische Halbinsel. Ein nie dagewesener Rekord mit einem Wachstum von über zehn Prozent.

Das Sorgenkind Griechenland konnte ebenfalls einen Aufschwung erleben, ist aber trotz Rekordergebnis noch nicht über dem Berg. Die Inseln konnten dem Andrang an Touristen kaum standhalten.

Betroffene waren vor allem die Türkei und Ägypten, in diesen Ländern als auch in Nordafrika hat die Sommersaison tiefe Spuren in den Kassen hinterlassen. Die Airlines die diese Urlauberorte anfliegen, mussten ihre Kapazitäten auf andere Destinationen umleiten. Touristikunternehmen die sich auf diese Länder spezialisiert haben mussten erhebliche Einbußen hinnehmen und teilweise die Firmensubstanz angreifen, um nicht in die Insolvenz zu geraten.

Leidtragende sind die Menschen, die in den Ferienländern saisonal arbeiten. Oft müssen sie auf einem geringen Lohnniveau ihr Brot verdienen, was ihnen jetzt, durch das Ausbleiben der Gäste, ein Loch ins Portemonnaie reißt.

Frankreich bringt Arbeitsmarktreform auf den Weg

Die gute Sommerbilanz war für die Krisenländer ein warmer Regen, sie können endlich wieder durchatmen. Frankreich, das ebenfalls enorme Schwierigkeiten hat konnte in diesem Sommer die Arbeitsmarktreformen, trotz großen Widerstands, durch Streiks der Gewerkschaften, auf den Weg bringen.

Spanien, Italien und Griechenland konnten ein Wirtschaftswachstum von über einem Prozent verzeichnen. Sie dürfen sich jedoch nicht von den Erfolgen blenden lassen und die versprochenen Reformen, zur Sanierung der Haushalte beiseitelegen. Besonders Griechenland bringt in den Verhandlungen immer wieder einen Schuldenerlass auf die Tagesordnung. Bisher konnte man sich in Brüssel mit Unterstützung der Berliner Regierung heftig dagegen wehren.

Inzwischen ist der Schuldenberg in Athen auf über 300 Milliarden Euro angewachsen. Die Hellenen haben immer wieder beteuert, dass sie in der Lage sind die Reformen, wie Arbeitsmarkt und Privatisierung umzusetzen, damit sie ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können.

Die Brüsseler Politiker wissen nur allzu gut, dass ein Nachgeben gegen die Krisenländer, insbesondere einen Schuldenschnitt eine große Ansteckungsgefahr in sich birgt und die Nachahmer aufwecken würde.

Zu blauäugig am grünen Tisch

Die Bürokratie in Brüssel wird jedoch aufmerksam den Versprechungen nachgehen, denn in der Vergangenheit wurden sie nur teilweise erfüllt. Es ist manchmal zu blauäugig am grünen Tisch solche Zusagen zu machen. Kommt man zurück in die Parlamente, muss man die gegebenen Zusicherungen der eignen Partei, als auch der Opposition erklären, um ihr Zugeständnis zu erhalten.

Viele zahlende Europäer sind gereizt, wenn sie erneut den Krisenländern unter die Arme greifen müssen, damit sie ihren Staatsaufgaben nachkommen können. Selbst Deutschland, die stärkste Volkswirtschaft in der Europäischen Union, muss oft alle Register im Parlament ziehen, damit weitere Zahlungen in Brüssel genehmigt werden.

Aber Politiker in der Bundesrepublik wissen auch, dass Deutschland ohne Europa keine wirtschaftliche Zukunft hat. Der erarbeitete Wohlstand und die Reisefreiheit würden zum Nachteil der Menschen auf dem Spiel stehen.