Traurig aber wahr – Zinsen dürfen nicht steigen

Vom 14.02.2017

Bisher galt eine Inflationsrate von zwei Prozent in der Eurozone als Richtschnur für eine straffere Geldpolitik, nun wendet sich die EZB davon ab – Willkür oder Strategie?

Die Chefs der Fed und der EZB, Janet Yellen und Mario Draghi. (Foto: Getty Images)

Die Chefs der Fed und der EZB, Janet Yellen und Mario Draghi. (Foto: Getty Images)

Das Neue an der EZB-Bewertung ist jetzt, ob die Inflation nur aufgrund der EZB-Geldpolitik anzieht. Mit anderen Worten – die EZB kann sich ihre Interpretation auslegen wie sie will. Ähnlich verfährt die Fed und beide Notenbanken haben Gründe – eigentlich dürfen Zinsen nicht nachhaltig steigen. Dafür sind die Schulden zu hoch.

Schauen wir in die USA, wo die Schuldenblase 2.0 schwelt. Schuldenmachen gehört für viele Amerikaner ebenso zum „American Way of Life“ wie das Essen von Fast Food. Nachdem die Zinsen Mitte 2016 im absoluten Keller waren, scheint die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen im Laufe dieses Jahres mit weiteren Zinserhöhungen tatsächlich Ernst machen zu wollen. Aber kriegt sie es wirklich hin?

Wer zahlt die Party?

Obwohl Fed-Chefin Janet Yellen bei der Sitzung im Dezember 2016 drei Zinserhöhungen für 2017 in Aussicht gestellt hatte, preist der Finanzmarkt derzeit lediglich zwei Erhöhungen ein. Damit laufen viele Investoren Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, hat sich doch seit dem Wahlsieg von Donald Trump am 8. November scheinbar ein kräftiger Stimmungswandel bei der Fed vollzogen.

Spielraum wird enger

Nachdem Yellen noch Mitte Oktober gesagt hatte, man könne die Wirtschaft kurzfristig heiß laufen lassen, um die Arbeitslosenquote weiter nach unten zu drücken, und damit im Krisenfall einen Puffer zu haben, warnt Yellen seit Trump’s Wahlsieg vor einer starken Steigerung der Neuverschuldung, weil die USA wegen der bereits vorhandenen Schulden in Krisenzeiten weniger finanziellen Spielraum hätte.

Trump hat alles gedreht

Nachdem Yellen vor Trumps Wahlsieg also über einen deutlichen Anstieg der Inflation hinwegsehen hätte und nicht an der Zinsschraube drehen wollte, scheint es Yellen und ihren Kollegen nun mit Zinserhöhungen gar nicht schnell genug zu gehen.

Das Problem: Sollte Yellen die Zinserhöhungen tatsächlich zügig vorantreiben, wäre das nach der Schuldensause der vergangenen Jahre eine enorme Belastung für die US-Wirtschaft, ebenso wie es eine Verschärfung der EZB für Italien, Portugal oder Spanien wäre, von den Griechen einmal gar nicht zu sprechen.

Fazit: Die US-Notenbank hat bisher steigende Zinsen für 2017 in Aussicht gestellt. Ob sie ihren Plan durchzieht, hängt natürlich von der US-Wirtschaft ab. Nimmt diese aufgrund der mitunter absurden Vorgänge um Donald Trump Schaden, könnte es auch bei einem Zinsschritt 2017 bleiben, vermutlich im Frühsommer.

Für Europa gilt dagegen, dass Mario Draghi sein „Tapering“ begonnen hat, also den Einstieg in den Ausstieg des Anleihekaufprogramms. Von Zinserhöhungen ist man in Europa noch meilenweit entfernt. Mutige Anleger, die die Wende von der Zinswende, also steigende Anleihenkurse beziehungsweise sinkende Zinsen erwarten, können mit moderat gehebelten Knock-out-Papieren auf den Bund-Future (WKN TD3CG4) und auf den T-Bond (WKN TD774W) auf diesen Trend setzen.