Trump war gestern – Fed, EZB und Italien sind morgen

Vom 23.11.2016

Die Parallelen nach dem Brexit-Votum und der US-Wahl sind frappierend: Nicht nur politisch, auch an der Börse haben die Außenseiter gewonnen.

Brexit und Trump-Wahl: Beide Trendwechsel waren heftig und für viele Anleger überraschend. (Foto: Getty Images)

Brexit und Trump-Wahl: Beide Trendwechsel waren heftig und für viele Anleger überraschend. (Foto: Getty Images)

 

Nach den Meinungsumfragen waren die Ausgänge der US-Wahl und der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU im Sommer eine recht klare Angelegenheit. Dass es dann ganz anders kam, hat wohl mehrere Ursachen, vermutlich trauen sich Bürger in Umfragen nicht, ihre tatsächliche Meinung zu äußern.

Dagegen sind Börsianer offener und vor allem auf der Suche nach Rendite opportunistisch. Schnell drehte sich nämlich die Börsenstimmung nach der Bekanntgabe der Abstimmungen, weshalb der alte Börsenspruch „Politische Börsen haben kurze Beine“ auch heute noch gilt.

Zunächst stürzten die Aktienmärkte sowohl beim Brexit als auch bei der Trump-Wahl wie erwartet ab, Risiko wurde gemieden und vermeintlich sichere Häfen wie Gold angesteuert. Während diese Schockphase beim Brexit zwei Tage dauerte und mit einem Minus von rund 6,5 Prozent endete, dauerte der Turnaround nach der Trump-Wahl nur wenige Stunden.

Der Verlust betrug aber auch rund 6,5 Prozent. Beide Trendwechsel waren heftig und für viele Anleger überraschend. Im Falle des Brexit folgte nach einer kurzen mehrtägigen Seitwärtsphase ein weiterer Anstieg um etwas mehr als zehn Prozent. Wird es nun wieder eine solche Fortsetzung nach der ersten Trump-Euphorie geben?

Neues Rekordhoch in Sicht

Da die Aktienmärkte saisonal betrachtet in der besten Börsenzeit des Jahres stecken, ist ein weiterer Aufschwung nicht unwahrscheinlich. In den vergangenen Jahren hat es häufig eine Jahresendrally gegeben.

Sollte sich die Geschichte wiederholen und der marktbreite S&P 500 wie beim Post-Brexit wieder um etwas mehr als zehn Prozent steigen, würde der US-Index ein neues Rekordhoch bei knapp 2.200 Punkten markieren.

Von den drei großen US-Indizes hat bisher nur der Dow Jones nach der Trump-Wahl ein neues Rekordhoch erreicht. Die von Trump in Aussicht gestellte expansive Fiskalpolitik hat zu einem kräftigen Zinsanstieg geführt, wovon in erster Linie Banken und Industrieunternehmen profitiert haben – beide im Dow reichlich vertreten.

Die gestiegenen Zinsen verbessern die Kreditmargen der Banken und die geplanten Mehrausgaben eines Konjunktur- und Infrastrukturprogramms helfen den Industrieunternehmen.

Allerdings hat Trump die genauen Pläne für das Konjunkturprogramm noch nicht bekannt gegeben. Dennoch ist wohl mit einem Aufschwung zu rechnen, meint Dr. Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank: „Auch wenn die konkrete Ausgestaltung der US-Wirtschaftspolitik unter Trump erst noch erfolgen muss, kann davon ausgegangen werden, dass die Fiskalpolitik expansiver sein wird, als dies unter Hillary Clinton der Fall gewesen wäre. Eine Beschleunigung des US-Wirtschaftswachstums in 2017/18 ist somit wahrscheinlich“.

Störfeuer sind in nächster Zeit eher in Europa auszumachen.

Italien könnte zum Problem werden

Denn die nächsten großen Entscheidungen mit der US-Notenbanksitzung am 14. Dezember, der EZB-Sitzung am 8. Dezember und der Verfassungsabstimmung in Italien am 4. Dezember stehen bereits vor der Tür. Während eine moderate Leitzinsanhebung in den USA bereits so gut wie beschlossen ist, bleibt die Abstimmung in Italien spannend.

Aktuellen Umfragen zufolge liegen die Gegner des Verfassungsreferendums mit 39 Prozent vor den Befürwortern mit 36 Prozent. Laut den Analysten der Deutschen Bank ist die Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern des Referendums daher zuletzt auf 60 Prozent geklettert.

Daher haben sich auch in Italien die Renditen für zehnjährige Anleihen in den vergangenen drei Monaten annähernd verdoppelt auf aktuell etwas mehr als zwei Prozent. Dabei hatte sich der Aufwärtstrend nach dem Sieg von Donald Trump deutlich beschleunigt. Das könnte schnell zum Problem werden, weil die Schulden Italiens auf den Rekord von 2,25 Billionen Euro gestiegen sind.

Die Schulden des Landes sind damit größer als jene Deutschlands (2,17 Billionen), obwohl die Wirtschaftsleistung Italiens nur 54 Prozent der Leistung Deutschlands ausmacht. Damit liegt die italienische Verschuldung bei 135,5 Prozent der Wirtschaftsleistung – das ist der zweitschlechteste Wert in der Euro-Zone.

Damit wächst der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi, bei der nächsten Sitzung eine Veränderung des Anleihenkaufprogramms der EZB anzukündigen und künftig verstärkt Anleihen aus Italien zu kaufen, um so die Lage etwas zu beruhigen.

Ansonsten könnte es am italienischen Anleihen- und Aktienmarkt noch ungemütlicher werden und ein Austritt aus der Euro-Zone denkbar. Welche Handelsalternativen bieten sich in diesem Umfeld an?

Investment- und Absicherungsideen

Mutige kurzfristig ausgerichtete Anleger können mit Knock-out-Bull-Papieren auf den S&P 500 (WKN: VS8UNE) und auf den DAX (WKN: HU3PE0) von einem zweiten Aufschwung á la Brexit profitieren. Der Hebel der Papiere liegt bei rund sieben.

Wer sich lieber strategisch positionieren will, kann das Strategiezertifikat mit der WKN A17TAL erwerben. Das Papier hat den heftigen Kurssturz zu Beginn des Jahres durch eine geschickte Depotaufteilung gut überstanden und bisher in diesem Jahr eine Performance von knapp 20 Prozent erzielt. Vorsichtige Anleger können sich mittelfristig mit Knock-out-Bear-Papieren, die von fallenden Kursen gehebelt profitieren, absichern.

Dabei ist der Einstieg nach einer möglichen kurzfristigen Erholung denkbar. Auf den EuroStoxx 50 ist das Bear-Papier mit der WKN GL3BFY moderat gehebelt, auf den S&P 500 die WKN DT3EYK.