Zinsen – wird 2017 alles anders?

Vom 19.12.2016

Seit Sommer 2016 steigen still und heimlich die Zinsen wieder an. Wird mit Trump alles anders und geraten die deutschen Sparer und Hausbauer in einen Zinserhöhungsstrudel?

Sind Hausbauer in Deutschland auf einen Zinsanstieg vorbereitet? (Foto: Getty Images)

Sind Hausbauer in Deutschland auf einen Zinsanstieg vorbereitet? (Foto: Getty Images)

Negativzinsen – das Horrorwort schlechthin für Sparer und Anleger war im Sommer 2016 überall zu lesen. Doch wie es oft so ist, mit der Diskussion über Negativzinsen markierte der Zinsmarkt sein Tief. 2017 werden sich Hausbauer und Sparer neu umschauen müssen und die Ursache liegt in den USA.

Das achte Weltwunder lebt wieder

Im Sommer war es undenkbar, doch 2017 könnte man wieder über ihn reden – den Zinseszins. Wer im Dezember 2016 eine Immobilienfinanzierung anfragt, erhält bei einigermaßen passabler Bonität und einem Eigenanteil von 10 bis 20 Prozent eine Rate von rund 1,5 Prozent. Auch diese Rate war 2016 schon deutlich tiefer.

Es tut sich etwas und dies liegt an den zehnjährigen Zinsen in den USA und der Inflationserwartung, denn beide steigen rasant. Dieser Effekt schwappt nach Europa herüber. Noch relativ schwach, doch auch das könnte sich ändern und die zehnjährige Bundesanleihe womöglich mal wieder ein Prozent erreichen.

Allerdings gibt es ein großes Aber:

Die Schuldenblase darf nicht platzen. Dazu ist der Immobilienmarkt weltweit auf Schulden aufgebaut, was sich auch in Deutschland niederschlagen könnte. Wenn nämlich Immobilienbesitzer in Peking oder London merken, dass ihre absurd bewertete Immobilie im Wert nicht mehr zulegt, müssen sie womöglich selbige veräußern oder das jüngst beispielsweise in Berlin erworbene Objekt wieder an den Mann bringen. So platzen Blasen, all dies hat man am Finanzmarkt etliche Male gesehen.

Zu viel Vorschuss für Trump

Aber wie realistisch ist eine nachhaltige, große Zinswende überhaupt? Janet Yellen ist wild entschlossen, stellt bis zu drei Erhöhungen in Aussicht für kommendes Jahr, doch das klappte in der Vergangenheit eben nicht. Allerdings – sie wird Anfang 2018 gehen und könnte im Hinterkopf haben, eine Art Vorgabe zu hinterlassen für einen Nachfolger, der dann im Sinne Donald Trumps agiert.

Dieser Donald Trump wiederum kassierte bisher massive Vorschusslorbeeren auf ein Konjunkturprogramm, das noch nicht da ist und der Dollar profitiert deutlich von einem Wachstum und einer Aussicht, die noch nicht erfüllt ist.

Enttäuscht Trump ein wenig, schwächt sich der Dollarindex wieder ab, US-Bonds wären attraktiver und das Gespenst stark steigender Zinsen, vor allem in den USA, wäre erst einmal wieder vorbei.

Wie finanzieren sich Schulden?

Dies ist die große Frage. So liegen die Staatsschulden der USA mit 19,9 Billionen Dollar auf einem Rekordhoch – das sind 107 Prozent der Wirtschaftsleistung. Unter einem Präsidenten Trump dürften die Verbindlichkeiten massiv anwachsen. Laut dem „Committee for a Responsible Federal Budget“, einem überparteilichen Thinktank, würden die ohnehin kräftig steigenden Staatsschulden in den nächsten zehn Jahren um zusätzliche 5,3 Billionen Dollar zulegen.

Gleichzeitig standen die privaten Haushalte und die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors zuletzt mit insgesamt 47,0 Billionen Dollar in der Kreide. In der Euro-Zone ist die Schuldensituation kaum besser. So lagen die Schulden Italiens mit 2,25 Billionen Euro ebenfalls auf einem Rekord – das sind 135,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Alles hängt mit allem zusammen

Am ehesten würde dies noch Deutschland wegstecken, doch wenn Italien oder Frankreich beim Wirtschaftswachstum wegkippen, fliegt auch Deutschland sein Exportwachstum um die Ohren und vorbei ist der schöne Traum der Vollbeschäftigung. Die Welt ist zu einer Zinswelt geworden und sie ist abhängig wie nie von den Notenbanken.

Sie werden und können es daher schlicht nicht zulassen, dass die Zinswende zu stark ausfällt. Bisher war es eine Zwischenerholung und ein Klettern aus dem Zinskeller. Die Notiz wird im Erdgeschoss hängen bleiben und dies ist eine gute Nachricht für alle Immobilienkäufer. Ablesen können Sie die Stimmung übrigens stets auch an Aktien wie Deutsche Wohnen oder Vonovia, sie sind ein Seismograph für die Erwartungen an den Markt.