US-Zinserhöhung steht bevor

Vom 28.11.2016

Nach der US-Wahl ist alles anders: Die Wall Street lag daneben, die Fed erhöht die Zinsen und Europa ist für die USA kein sicherer Partner mehr.

Die zinspolitischen Entscheidung der Fed-Chefin Janet Yellen werden weltweit immer mit großer Spannung erwartet. (Foto: Getty Images)

Die zinspolitischen Entscheidungen der Fed-Chefin Janet Yellen werden weltweit immer mit großer Spannung erwartet. (Foto: Getty Images)

 

Im US-Wahlkampf war sich die Wall Street in New York einig, dass bei einem Wahlsieg des Republikaners Trump die Aktien abstürzen würden. Die Prognosen waren nicht professionell, sondern nur Wunschdenken einiger Börsianer, da genau das Gegenteil eingetreten ist. Inzwischen werden von der künftigen Regierung in den USA wegen der Ankündigung von Steuersenkungen wachstumsfördernde Impulse erwartet.

Das Einkaufsverhalten der Amerikaner war in den letzten Tagen gewaltig gestiegen, denn die Bevölkerung geht davon aus, dass Washington neue Jobs schafft und der Jugendarbeitslosigkeit den Kampf ansagt. Das Arbeitsministerium will protektionistische Maßnahmen einsetzen, um die einheimischen Arbeiter zu schützen.

Dies wird jedoch das Gegenteil bewirken, denn dadurch steigen die Lohnkosten und die Inflationsgefahr. Gesetze und politische Entscheidungen werden auch in Zukunft schneller durchgeführt und umgesetzt werden können, da der neue Präsident auf Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus bauen kann. In der Vergangenheit haben sich beide Häuser permanent bei Abstimmungen oft zum Schaden der US-Bevölkerung blockiert.

Zinserhöhung im Dezember

Die nächste Sitzung der US-Notenbank (Fed) findet am 14. Dezember statt, dabei wird eine moderate Erhöhung des Leitzinses erwogen. Dies würde bedeuten, dass Gelder aus der Eurozone abgezogen werden, um sie in den USA zu größeren Zinserträgen mit einem Anstieg des US-Dollars anzulegen.

Für die exportorientierte US-Industrie werden die Produkte, die ins Ausland ausgeführt werden, teurer. Andererseits könnten die Unternehmen, die nach den USA ihre Waren liefern geradezu einen neuen Boom auslösen. Die deutsche Automobilindustrie wird ihre Premium-Automobile weiter exportieren und gegenüber den amerikanischen Herstellern wettbewerbsfähiger werden.

Auch die Touristikbranche in Europa wird sich in den kommenden Jahren über neue Gäste freuen, da der US-Dollar gegenüber den anderen Weltwährungen bis dahin neue Höhenflüge einnehmen wird. Amerika wird somit wieder zum sicheren Hafen für Investoren und Anleger und die Rallye könnte sich in den Börsensälen weiter fortsetzen.

Deutschland unsicherer Partner

Die größte Volkswirtschaft der Welt schaut mit großer Erwartung nach Europa, wo in den nächsten Monaten Parlamentswahlen anstehen. Italien, Frankreich und Deutschland sind in ihren Augen unsichere Kantonisten geworden. Die erhebliche Zunahme der politischen Risiken und der wachsende Vertrauensverlust der Wähler in die politische Elite könnten die USA noch stärker machen.

Italien ruft am 4. Dezember zum Urnengang auf, um mit einem Referendum über eine Verfassungsreform abzustimmen. Für den jetzigen Regierungschef stehen die Chance schlecht, dass er weiter im Palazzo Chigi in Rom regieren kann. Die Wachstumszahlen wurden in den letzten Jahren immer wieder verfehlt und die propagierten Reformen wurden nicht einmal im Ansatz angepackt.

Auch Frankreich leidet unter ähnlichen Symptomen, da die Jugendarbeitslosigkeit keine erkenntliche Wirkung zeigt. In den Elysee-Palast wird im Mai 2017 voraussichtlich ein neuer Präsident einziehen.

Die deutsche Wirtschaft läuft von Monat zu Monat zu Hochform auf, aber die Bevölkerung ist mit der derzeitigen Berliner Regierung unzufrieden, da sie die Probleme der Menschen nicht mehr erreicht. Deutschland war in den vergangenen Jahren immer ein sicherer Partner und Vertrauter für die amerikanische Politik, dies könnte sich jedoch in Zukunft ändern.