Brexit – Exit from M&A?

Vom 29.07.2016

Wohin steuert der M&A-Markt nach dem britischen Referendum? Noch ist vieles unklar, doch ein erster Ausblick ist möglich. Werden Verhandlungen ausgesetzt?

Laut einer Studie der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie könnte ein ungeregelter Brexit den globalen M&A-Markt 1,6 Billionen US-Dollar kosten. (Foto: Getty Images)

Laut einer Studie der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie könnte ein ungeregelter Brexit den globalen M&A-Markt 1,6 Billionen US-Dollar kosten. (Foto: Getty Images)

 

Diejenigen Projekte, die derzeit in der Verhandlung sind, werden wohl Verzögerungen erfahren, weil eine Verschlechterung der geschäftlichen Lage zu erwarten ist. Auch müssen die sogenannten Material-Adverse-Change-Effekte (MAC) bewertet werden. Dieser Prozess könnte zu Forderungen nach Absenkung des Kaufpreises führen. Wer allerdings aus strategischen Gründen eine Übernahme in Großbritannien plant, sollte sich trotzdem nicht abschrecken lassen.

Aus meiner Sicht ist nicht auszuschließen, dass in laufenden Projekten die Verhandlungen ausgesetzt werden, bis die endgültige Meldung der Briten in Brüssel vorliegt. M&A-Teams verursachen laufende Kosten, solange sie in einem Projekt gebunden sind. Unternehmer dürfen deshalb entweder die Prozesse unterbrechen oder die Teams für vertiefende Analysen nutzen – etwa eine tiefer gehende Due Diligence, die auch noch auf kurz- oder langfristige Effekte aus einem Brexit ausgerichtet ist.

Für die Durchführung eines M&A-Projekts ist das nicht unbedingt eine gute Nachricht. Erfahrungsgemäß führen längere Prozesse und tiefergehende Due Diligences zu einer kritischeren Sicht auf das Target. Kurz: zu mehr Abbrüchen von Verhandlungen.

Strategische Vor- und Nachteile

Wer plant, einen zukünftigen britischen Standort zum Export ins europäische Festland und in Drittländer zu nutzen, der könnte langfristig Vorteile durch ein niedrigeres Pfund erzielen, so meine Einschätzung. Allerdings könnten sich langfristig auch Negativeffekte einstellen, etwa durch eine divergierende Technologie- und Standardpolitik.

Britische Produkte könnten in Zukunft anders aussehen als nach der EU-Norm. Divergierende Produktstandards führen zu höheren Kosten und damit zu höheren Preisen. Allerdings können wir aktuell nur spekulieren, inwieweit Großbritannien sich nicht auch in Zukunft an sich wandelnde europäische Standards anpassen will.

Langfristig würden mögliche Unterschiede zudem an Bedeutung verlieren durch die zunehmenden Möglichkeiten flexibler Fertigung und die steigende Wirtschaftlichkeit einer „Losgröße 1“ infolge von Big Data und Industrie 4.0.

Effekt eher gering

Allein aus Bankensicht ist zu befürchten, dass größere Buyouts wegen des fallenden britischen Pfundes unter Druck kommen werden, was aber aus M&A-Sicht nicht besonders ins Gewicht fällt.

Aufgrund der geringen Anzahl der laufenden Beteiligungsprojekte nach Großbritannien dürfte sich aus meiner Sicht der Effekt auf den M&A-Gesamtmarkt als gering herausstellen. Gelassenheit ist angesagt – da können wir von den Briten noch etwas lernen!