Dekabank schwingt sich zur Gouvernante für Topmanager auf

Vom 17.10.2016

Die Dekabank wird Vorständen und Aufsichtsräten stärker auf die Finger zu schauen. Was die Wertpapierbank der Sparkassen genau plant.

Die Dekabank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen mit Sitz in Frankfurt. (Foto: Picture Alliance)

Die Dekabank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen mit Sitz in Frankfurt. (Foto: Picture Alliance)

Die Dekabank vertritt vier Millionen Fondsanleger und will künftig deutlich stärker für eine nachhaltige Unternehmensführung in all den Unternehmen eintreten, bei denen ihre Fonds investiert sind. Was die Aktiengesellschaften erwartet, können Sie in den „Grundsätzen der Abstimmungspolitik bei Hauptversammlungen” nachlesen, die im Internet veröffentlicht sind.

Die Bank will sich künftig bei Hauptversammlungen mehr Gehör verschaffen. Obendrein wird sie bei Investorengesprächen und in Gesprächen mit den Aufsichtsräten auf die Einhaltung ihrer Grundsätze pochen. So drängt das Wertpapierhaus der Sparkassen darauf, dass es keine Bevorteilung von Analysten bei kursrelevanten Informationen geben darf, dass Dividendenzahlungen aus der Substanz tabu sind,  dass Aufsichtsräte und Vorstände wirklich kompetent genug für ihre Aufgabe sind, dass Vorstände nur bei zweifelsfrei guter Leistung auf Hauptversammlungen entlastet werden – und vieles mehr.

Weiterer Risikoposten in der Krisen-PR

Damit mausert sich die Dekabank zu einem neuen starken Spieler um Macht und Ohnmacht bei Aktiengesellschaften. Für Kommunikatoren wird die Bank zu einem weiteren Risikoposten, denn es ist damit zu rechnen, dass die Fondsmanager es nicht bei Gesprächen hinter verschlossenen Türen belassen wollen. Dafür spricht allein schon ein fünfspaltiger Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung” in der letzten Woche, in der die Bank ihr neues Engagement vollmundig angekündigt hat.

Wir wissen nicht, was die Deka zu diesem Eifer im Stellvertreterkampf für ihre Fondsanleger getrieben hat. Eins ist aber sicher: Sie positioniert sich damit sehr klug. Die Anspruchshaltung der Öffentlichkeit gegenüber Unternehmen verschärft sich spürbar, insbesondere gegenüber Banken.

Das hat Gründe, die sich in der historischen Rückschau sehr gut freilegen lassen. Die klassischen Ordnungsmächte – Familie, Kirche, Militär – sind weitgehend zerfallen. Das sorgt für Unsicherheit, weil Orientierung verloren gegangen ist. Dem Staat wird die Lösung wichtiger Probleme nicht mehr zugetraut.

Aber – irgendeiner muss es doch machen! In dieser Situation delegieren die Bürger Verantwortung an Unternehmen. Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Produkte ohne Kinderarbeit und Pestizide entstehen – damit man ohne Nachdenken und ohne Gewissensbisse einkaufen kann. Sie sollen für Wohlfahrt sorgen – damit jeder auch ohne großes Zutun sorgenfrei leben kann. Und sie sollen mit absolut integren Topmanagern glänzen – damit man selber kein Vorbild sein muss.

Das ist hoch egoistisch und nicht besonders fair. Doch die Unternehmen werden sich nicht gegen diesen Trend dauerhaft wehren können. Spitz formuliert werden künftig Firmen ihren Businessplan der Gesellschaft zur Genehmigung vorlegen. Was das bedeutet, haben Energieversorger bereits zu spüren bekommen.

Dekabank positioniert sich klug

Da ist es klug, sich frühzeitig eine Positionierung zu suchen, die diesen Ansprüchen gerecht wird. Das hat die Dekabank getan. Sie übernimmt künftig für Millionen von Anlegern den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Selbstbedienung von Topmanagern in Aktiengesellschaften. Damit verschafft sie sich eine Daseinsberechtigung, die unmittelbaren Nutzen für die Bürger schafft.

Da es um Skandale und Skandälchen geht, darf die Dekabank sicher sein, dass ihre Aktivitäten großes Echo in den Medien finden werden. Damit ist das Konzept perfekt: Die Positionierung passt, und das Engagement wird öffentlich sichtbar.

Die Kommunikatoren der Aktiengesellschaften mögen sich dafür unterdessen weniger begeistern können. Sie haben einen weiteren Spieler im Markt, der für Ärger sorgen wird.