Wirtschaftskommunikation 2017 – was bleibt, was kommt

Vom 11.01.2017

Fakenews, Lügenpresse, postfaktische Berichterstattung: 2016 endete mit großen medialen Veränderungen. Worauf wir uns im neuen Jahr einstellen müssen.

Schon seit einiger Zeit setzen Kommunikatoren auf das sogenannte Storytelling, also das Geschichten erzählen. (Foto: Getty Images)

Schon seit einiger Zeit setzen Kommunikatoren auf das sogenannte Storytelling, also das Geschichten erzählen. (Foto: Getty Images)

 

Medienlandschaft und Kommunikation unterliegen derzeit einem rasanten Wandel. Angesichts eines neuen amerikanischen Präsidenten, der seine Statements im 140-Zeichen-Modus twittert und der bevorstehenden Bundestagswahl in Deutschland wird es interessant sein zu verfolgen, wo wir am Ende des Jahres kommunikativ stehen werden.

Schon jetzt lohnt ein Blick auf die bestehenden Trends: Welche Entwicklungen werden für Unternehmen in diesem Jahr relevant und wie sollten Unternehmen sich am besten auf diese Trends einstellen?

Das Thema Veränderung bleibt oben auf der Agenda

Die rückläufigen Insolvenzzahlen der letzten Jahre werden in diesem Jahr nach Ansicht von Experten  zumindest stagnieren, international sogar erstmals wieder um ein Prozent zunehmen. Interessant dabei, dass vor allem die Höhe der Schäden schon seit vergangenem Jahr zugenommen hat, indem immer mehr wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen mit erheblichen Umsätzen in Schwierigkeiten geraten.

Um diesen Trend nicht mitzumachen, werden viele Unternehmen auch in diesem Jahr Veränderungen anstoßen und schnell umsetzen müssen. Wobei gerade letzteres in der Regel eine Aufgabe der Mitarbeiter bleibt. Ob neue Unternehmenskultur, neue Prozesse, digitale Neuerungen oder innovative Kundenansprache. Es sind die Mitarbeiter und Führungskräfte, die die Veränderungen leben und umsetzen müssen.

Ob sich ein Unternehmen am Ende in die Statistik der Pleiten oder der Erfolgsgeschichten einreiht ist Ergebnis vieler Faktoren, wenngleich die Kommunikation eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt. Untersuchungen belegen, dass ein Drittel aller Krisen durch mangelhafte interne Kommunikation beschleunigt werden.

In einer anderen Befragung der führenden Insolvenzverwalter haben 70 Prozent angegeben, dass Kommunikation ein wesentlicher Erfolgsfaktor einer Sanierung ist. Die rückläufigen Insolvenzzahlen der letzten Jahre sind also auch Indiz dafür, dass Unternehmen rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen ergriffen und entsprechend umgesetzt haben.

Vor dieser Aufgabe werden sie auch in diesem Jahr stehen. Jedoch wird in einem sich immer mehr zum Arbeitnehmermarkt wandelnden Umfeld die Kommunikation noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Flankiert von einem grundsätzlich vorhandenen Optimierungszwang, einer zunehmenden Verrohung der kommunikativen Sitten und Bewegungen wie die der Achtsamkeit, wird es wichtiger denn je sein, die richtigen Worte zu finden, um Mitarbeiter zu motivieren, zu halten und von der Veränderung zu überzeugen.

Warum die postfaktische Kommunikation für die Leser interessant ist

Ein Trend, der sich in der Kommunikation schon vorher angedeutet hat, hat im letzten Jahr eine neue Ausprägung erfahren und ist in den Mittelpunkt des Interesses getreten: das Postfaktische. Die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat das Wort 2016 zum Wort des Jahres gekürt und begründet diese Entscheidung mit dem tiefgreifenden politischen Wandel und der Tatsache, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen zunehmend um Emotionen und weniger um Fakten gehe.

Dieses Phänomen ist aber eigentlich vom Grundsatz her nicht neu. Schon seit einiger Zeit setzen Kommunikatoren auf das sogenannte Storytelling, also das Geschichten erzählen. Dabei geht es um in Emotionen verpackte Informationen, mit denen sich leichter Zugang zu den Menschen herstellen lässt, als mit den nackten Fakten an sich.

Die zu Grunde liegende Psychologie ist einfach: Menschen können sich Dinge einfach besser merken, erhalten einfacher Zugang zu Sachverhalten, wenn sie emotional berührt werden. Beim Storytelling werden nüchterne Informationen und Fakten in Geschichten gepackt und so für die Leser interessanter als die plumpe Präsentation der Daten und Produkte.

Vor dem Hintergrund der tendenziell immer weiter zunehmenden Informationsfülle und Dichte eine conditio sine qua non, wenn man auf lange Sicht erfolgreich mit seiner Zielgruppe im Gespräch bleiben will. Postfaktisch sollte allerdings nicht heißen, die Fakten zu verdrehen oder zu lügen.

Der Umgang mit Fake News wird zum Imagefaktor

Womit wir bei einem anderen wichtigen Thema aus dem vergangenen Jahr sind – den Fake News, die mittlerweile bis zu Desinformationskampagnen weiterentwickelt werden. Selbst seriöse Quellen haben im vergangenen Jahr den Kampf gegen die Medienflut und die Schnelligkeit zu Lasten der Wahrheit verloren.

Da wurden über Nachrichtenagenturen Meldungen verbreitet, die sich später als PR-Gag entpuppt haben. Und das ist nur die harmlose Variante dessen, was an Unwahrem verbreitet wurde. Was im ersten Moment als Sieg geschickter PR gewertet werden mag, wird sich auf lange Sicht aber öffentlich nicht tragen.

Gerade im Wirtschaftsbereich, wo die sozialen Medien nach wie vor keine so große Rolle wie im B2C-Geschäft spielen und wo glücklicherweise noch mit mehr Bedacht kommuniziert wird. Aber die Entwicklung zeigt, dass hier für die Medien eine große Chance liegt gegen die Flut an Nicht-Profis im Journalismus anzukämpfen.

Vor kurzen haben sich rund 40 Medienpartner, darunter renommierte Medien wie Reuters, Bloomberg und dpa zu einem Recherchenetzwerk gegen Fake News zusammen getan. Für die PR bedeutet das, dass langfristig weiterhin der Erfolg haben wird, der sich durch gesicherte Fakten und valide Informationen vorher Vertrauen und Ansehen gesichert hat. Denn an der Tatsache, dass Lügen kurze Beine haben, wird sich auch 2017 nichts ändern.

Es lohnt sich nicht, für eine schnelle Meldung, Image und Reputation einzubüßen. Für die Medien bedeutet das, zu ihrer ureigenen Aufgabe zurück zu kehren, indem sie Fakten überprüfen, analysieren und einordnen. Ob dies gelingt, wird sich insbesondere im anstehenden Wahlkampf zeigen.