Familienunternehmen: Wie die Nachfolge gelingen kann

Vom 30.01.2017

Die Unternehmensberatung KPMG hat eine Studie zu Nachfolgeregelungen in Familienunternehmen gemacht. Die Ergebnisse überraschen.

Manchmal kommt der neue Chef nicht aus der Familie, sondern von außen. (Bild: Picture Alliance)

Manchmal kommt der neue Chef nicht aus der Familie, sondern von außen. (Bild: Picture Alliance)

Jedes Jahr gehen die Chefs von 27.000 deutschen Familienunternehmen aus, die Übergabes steht an. Die Unternehmensberatung KPMG hat mit dem Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen hierzu eine Studie gemacht.  Alexander Koeberle-Schmid, bei KPMG für Nachfolgefragen in Unternehmen zuständig, erklärt die Resultate.

Herr Koeberle-Schmid, was ist das zentrale Ergebnis Ihrer Studie?

Vorweg: Das Kernergebnis unserer Studie hat uns überrascht: Zwar geben 79 Prozent der Befragten an, dass es für sie sehr wichtig oder wichtig ist, dass es in ihrem Familienunternehmen Regelungen zur Führungsnachfolge gibt. Tatsächlich nutzen aber nur 58 Prozent der Familienunternehmen solche Nachfolgeregelungen aktiv. Oder mit anderen Worten: Obwohl der überwiegenden Mehrheit klar ist, dass die Nachfolge ohne genaue Regeln nicht gelingen kann, ergreift nur ein Teil von ihnen rechtzeitig entsprechende Maßnahmen.

Alexander Koeberle-Schmid von KPMG. (Foto: KPMG)
Alexander Koeberle-Schmid von KPMG. (Foto: KPMG)

Haben Sie Erkenntnisse, bei welchen Unternehmen der Bedarf für Nachfolgeregelungen besonders groß ist?

Die Lücke zwischen der eingeschätzten Relevanz und der tatsächlichen Anwendung von Nachfolgeregelungen gibt es bei vielen Familienunternehmen. Die Studie zeigt aber, dass sie bei einem Typ von Familienunternehmen besonders groß ist – und zwar jenen in der ersten und zweiten Generation. Unternehmen, die sich in nachfolgenden Generationen befinden, haben tendenziell häufiger einen Nachfolgeprozess.

Eine Erklärung dafür ist, dass der Bedarf an einer Regelung bei Traditionsunternehmen in vielen Fällen aufgrund der gestiegenen Komplexität durch mehr Kinder und potenzielle Nachfolger spürbar geworden ist. Gerade für den ersten Übergang und dann auch von der zweiten auf die dritte Generation braucht es eine tragfähige Nachfolgestrategie.

Wie können Unternehmen die richtige Nachfolge-Strategie finden?

Das ist eine wichtige Frage, die uns schon viele Familienunternehmer gestellt haben. Die Antwort ist, dass es den einen Königsweg für die Nachfolge nicht gibt. Jedes Familienunternehmen muss seine individuelle Lösung erarbeiten. Eines gilt aber für jede Staffelübergabe an die nächste Generation: Es ist maßgeblich, dass die Nachfolgestrategie gemeinsam erarbeitet wird und die darin getroffenen Vereinbarungen im Anschluss konsequent umgesetzt werden.

Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn sie sich eine Nachfolgeregelung geben wollen?

Die passende Nachfolgeregelung kann am besten in drei Schritten gefunden werden. Im ersten Schritt sollte die Ausgangssituation des Unternehmens analysiert werden. Die Inhaber müssen sich in dieser Phase Fragen stellen wie: Ist der Betrieb überhaupt übergabefähig? Gibt es geeignete Kandidaten für die Nachfolge? Welche Ziele haben die einzelnen Personen in Bezug auf die Übergabe?
Nachdem der Status quo geklärt ist, geht es im zweiten Schritt darum, das passende Nachfolgemodell zu finden. Der zentrale Punkt dabei ist: Wer übernimmt die Lenkung des Betriebs? Es muss aber auch geklärt werden, wer wie viele Anteile am Unternehmen erhält, wie das private Vermögen verteilt wird und welche Rolle der Beirat oder Aufsichtsrat nach der Übergabe spielt. Alle Entscheidungen werden im so genannten Nachfolgemodell formuliert.

Im dritten und letzten Schritt geht es darum, die Details zu konkretisieren und die Umsetzungsschritte zu planen: Im Nachfolgekonzept sollten die Rechte und Pflichten der Gesellschafter, der Geschäftsführung und des Beirats formuliert, Fragen der Organisation und Informationen sowie Entscheidungswege bestimmt werden. Auch Übereinkünfte über die Vermögensübertragung, das Testament und die unternehmerische Vorsorgevollmacht sollten festgehalten werden.

Eine Frage zur Führungskultur: Gibt es heute noch viele Patriarchen in Familienunternehmen?

Die Studie zeigt, dass nur noch sechs Prozent der Geschäftsführer autoritär führen. Heute wird partizipativ oder kooperativ geführt. Die aus unserer Sicht viel interessantere Frage ist daher: Habe ich als Nachfolger den Freiraum, eine neue Führungskultur einzubringen, oder soll ich den Stil meines Vaters weiterführen?

In unserer Studie haben wir die Generationen miteinander verglichen. Es zeigt sich ein eindeutiges Bild: Auf die Frage „Entscheiden Sie lieber allein?“ hat die Antwort „Nein“ von der jetzigen Generation im Vergleich zur vorigen um mehr als 50 Prozent zugenommen. Das zeigt, wie schnell und grundlegend sich der Führungsstil von Generation zu Generation ändert.

Neben dem verstärkt partizipativ und kooperativen Führungsstil neigt die aktuelle Generation der Führungskräfte aber auch eher dazu, Risiken einzugehen: Die Frage „Sind Sie risikofreudig und offen für Veränderungen?“ bejahen heute ein Drittel, 33 Prozent, mehr als in der Generation zuvor.

Welchen Stand haben „Manager von außen” in Familienunternehmen?

Wer glaubt, dass inhabergeführte Unternehmen um jeden Preis die eigene Familie an der Spitze halten wollen, der irrt sich. Rund drei Viertel der Befragten, konkret 78 Prozent, besetzen die Geschäftsführung entsprechend der Kompetenz der Anwärter und entscheiden sich dabei durchaus auch für externe Bewerber.

Nur knapp fünf Prozent der Studienteilnehmer sind der Meinung, dass ausschließlich Familienmitglieder Geschäftsführer werden können. Dieses Ergebnis offenbart, wie sehr sich der Nachfolgeprozess in den vergangenen Jahren professionalisiert hat.