„Instant Payment ist ein Produkt für die Zukunft”

Vom 10.10.2016

Ibrahim Karasu vom Bankenverband arbeitet an der Entwicklung eines Standards für Echtzeitüberweisungen mit, der Geldtransfers in Sekunden ermöglichen soll.

Überweisungen in Sekundenschnelle: Ab 2017 im SEPA-Raum verfügbar. (Foto: Getty Images)

Überweisungen in Sekundenschnelle: Ab 2017 im SEPA-Raum verfügbar. (Foto: Getty Images)

Ibrahim Karasu (53) ist der Geschäftsführer des Bereichs Retail Banking und Banktechnologie beim Bundesverband deutscher Banken. Karasus Karriere im Bankensektor begann 1994 bei der Dresdner Bank, für die er bis 1999 tätig war. Anschließend wechselte er zum dem IT-Unternehmen Unisys Deutschland und kam 2001 zum Bankenverband. 

Heute vertritt er den Verband auch im European Payment Council (EPC), wo er einen Standard für Echtzeitüberweisungen – Instant Payments – im SEPA-Raum mitentwickelt. Diese neue Art der Überweisung soll Geldtransfers in E-Mail-Geschwindigkeit ermöglichen und ab November 2017 eingeführt werden. 

Herr Karasu, welche Vorteile hat Instant Payment für die europäischen Bürger?

Zahlungen können mit Instant Payment in Sekundenschnelle ausgeführt werden. Dies bietet Vorteile für Verbraucher und Unternehmen in Situationen, in denen eine sofortige Verfügbarkeit der Mittel gewünscht ist. Das Potenzial in diesem neuen Angebot wird aber sicher nicht von heute auf morgen ausgeschöpft werden. Es handelt sich also um ein Produktangebot für die Zukunft.

Ibraim Karasu (Foto: Hoffotografen)
Ibrahim Karasu ist seit 2001 beim Bankenverband. (Foto: Hoffotografen)

Wie genau stellen Sie sich die Funktionsweise für das Instant Payment System vor? Wird das Online-Banking der Banken einfach viel schneller oder könnte es auch eine separate App geben?

Die genaue Funktionsweise wird erst mit der Veröffentlichung des EPC-Regelwerks im November 2016 bekannt sein. Dann haben die Banken ein Jahr Zeit, bis zum November 2017, entsprechende Produkte zu erarbeiten. Ob diese dann in das bestehende Online Banking integriert werden oder in Form einer eigenen App angeboten werden, ist noch völlig offen.

Wie weit ist das EPC mit der Festlegung der Standards? Ist der geplante Start von Instant Payment im November 2017 realistisch?

Ja, ich gehe davon aus, dass das Regelwerk zu SEPA-Echtzeitüberweisungen wie geplant im November 2016 von dem European Payment Council beschlossen und veröffentlicht werden wird. Die deutschen Banken haben sich hier von Anfang an intensiv eingebracht. Es muss aber auch keine Umrüstung zu einem einheitlichen Stichtag erfolgen, sondern ab November 2017 können Banken ihren Kunden das Verfahren anbieten. Das ist dann eine geschäftspolitische Entscheidung jedes Kreditinstituts.

Gibt es ähnliche Modelle zu Instant Payment, die in anderen Ländern oder Regionen bereits funktionieren und als Vorbild dienen?

Ähnliche oder vergleichbare Modelle gibt es beispielsweise in Schweden, Dänemark, Großbritannien und Australien.

Wird Instant Payment auch mit Ländern funktionieren, die nicht den Euro eingeführt haben aber zur EU gehören? – Dänemark zum Beispiel oder (noch) Großbritannien?

Wie bisher bei den herkömmlichen SEPA-Verfahren können auch Banken in Nicht-Euro-Ländern dem Instant Payment Verfahren beitreten und ihren Kunden entsprechende Zahlungsdienste in Euro anbieten. Ob diese Option genutzt wird, bleibt eine Entscheidung jedes Instituts.