Kommerzielle Seelsorger für Tierfreunde

Vom 21.12.2016

Sebastian Schlatter, Geschäftsführer des Tierfutterherstellers Vet-Concept, über das Geschäft mit Futter für Hund und Katze – und die Liebe zum Tier.

Das Futter von Vet-Concept gibt es, wie der Name schon andeutet, bei der ersten Bestellung nur nur über den Tierarzt. (Foto: Getty Images)

Das Futter von Vet-Concept gibt es, wie der Name schon andeutet, bei der ersten Bestellung nur nur über den Tierarzt. (Foto: Getty Images)

 

Sebastian Schlatter (41) ist Deutsch-Schweizer. Nach seiner Ausbildung als Elektriker arbeitete er als Sicherheitstechniker, Projekt- und Bauleiter sowie als EDV-Spezialist. Durch einen Zufall kam er zu Vet-Concept und übernahm dort den Vertrieb. Heute ist er neben den Gründern Anita Theis und Thorsten Herz einer von drei Geschäftsführern.

Dem Gründungsmythos von Vet-Concept nach haben sich die Hundehalter Anita Theis, damals 45 und Bürokauffrau, und Torsten Herz, 22 und Lehramtsstudent, 1997 zufällig in einer Tierarztpraxis getroffen.

Ja und anfangs haben die beiden alles von Hand gemacht. Damals wurden die Pakete noch in einer Garage gepackt. Die Zahl der Kunden war noch mehr als überschaubar.

Heute sind Sie Geschäftsführer. Wie sind Sie überhaupt ins Spiel gekommen?

Als gelernter Elektriker war ich einige Zeit als Projektmanager im Baugewerbe und habe dort vorwiegend Projekte für die NATO und die US-Streitkräfte ausgeführt. Nachdem lange ein Auftrag auf den nächsten folgte, war hier jedoch irgendwann Schluss. Also musste ich mich umorientieren – und als ich durch Zufall erfuhr, dass Vet-Concept einen Mitarbeiter für den Vertrieb suchte, dachte ich: Wieso eigentlich nicht? Die Philosophie und die Idee hinter Vet-Concept faszinierten mich.

Schlatter ist Geschäftsführer von Vet-Concept. (Foto: Privat)
Schlatter ist Geschäftsführer von Vet-Concept. (Foto: Privat)

Klingt schicksalhaft. Und dann?

Bin ich im Sommer 2003 bei 40 Grad in meinem schwarzen Anzug nach Trier gefahren. Die Sonne hatte die Glasfassade im Büro von Vet-Concept derart aufgeheizt, dass meine Apfelschorle mehr ein Tee war. Damals gab es nur eine Handvoll Mitarbeiter und jeder hat überall angepackt. Nach der Kundenbetreuung, die damals nur bis 16 Uhr besetzt war, sind alle zusammen ins Lager gegangen, um die Bestellungen selbst zu packen. Danach wurden die Pakete zur Post gebracht.

Ihr Bewerbungsgespräch klingt aber nicht ideal.

Das stimmt. Doch Anita Theis, die das Unternehmen wie erwähnt gemeinsam mit Torsten Herz gegründet hat, war von meinem Man-In-Black-Auftritt bei 40 Grad irgendwie angetan. Jedenfalls haben mich die beiden eingestellt. Das Unternehmen sollte wachsen und ich habe zunächst den Vertrieb von meiner Heimatstadt Hamburg aus geleitet. Übrigens hatte mein erster Besuch bei Vet-Concept weitere Folgen: Ich hatte mir schon bei der ersten Begegnung vorgenommen, die Sekretärin zu heiraten. Und das habe ich später auch gemacht. Heute leben wir auf dem Land an der Mosel mit sechs Hunden, einem Pferd, diversen Kaninchen und Hühnern. Meine Frau hat ein großes Herz für Tiere.

Wie passend. Wie bringt man Tierfutter an die Frau oder den Mann?

Wir haben ein besonderes Vertriebssystem und setzen auf eine ausführliche Beratung unserer Kunden. Konkret heißt das, unser Futter gibt es im Erstkontakt nur über den Tierarzt. Folgebestellungen können die Kunden dann direkt über uns beziehen. Für mich als Vertriebler bedeutete das damals: Tierarztpraxen abklappern!

Das war anfangs ziemlich mühselig, den ersten Katalog hatte ich selbst gedruckt und gebunden. Der Vorlauf war groß, bis das Geschäft mit den Tierärzten richtig losging. Als Verstärkung kam schließlich ein guter Freund dazu und das Wachstum nahm Fahrt auf. Der Markt ist ja riesig: Allein in Deutschland geben die Besitzer von Hunden und Katzen im Jahr gut drei Milliarden Euro aus.

Was macht Vet-Concept anders?

Wir sind nicht zuletzt Seelsorger für unsere Kunden. Unsere Mitarbeiter werden umfangreich geschult. Jeder zweite Kunde bestellt telefonisch, der Rest online. Wir legen den Fokus auf die optimale Kundenberatung; und wenn es für die Tiere besser ist, dann empfehlen wir auch das Futter der Konkurrenz. Am Ende sollen sich die Kunden gut beraten fühlen. Außerdem gehen wir bei der Qualität unseres Futters natürlich keine Kompromisse ein.

Wie sichern Sie die Qualität des Futters?

Indem wir so viel wie möglich selbst machen. Mais, Gerste oder Kartoffeln kommen beispielsweise von Bauern aus unserer Nachbarschaft in der Eifel.

Sie verkaufen hochwertiges Futter für viel Geld – allerdings nicht in Bio-Qualität. Warum nicht?

Wir haben unsere Philosophie, daran halten wir fest. Bio ist in den Mengen, die wir produzieren, schlichtweg nicht umsetzbar.

Bei Hunden und Katzen nehmen Allergien zu. Woran liegt das?

Allergien sind meist das Problem eines geschwächten Immunsystems, aber auch Umwelteinflüsse haben Ihren Anteil daran. Daher ist eine ausgewogene und gut abgestimmte Fütterung ja auch so wichtig.

Wenn es so einfach ist, Allergien zu vermeiden, warum nimmt deren Verbreitung zu?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und alternative Proteinquellen finden nur wenig Anklang in der Tierernährung. Ziel von Vet-Concept ist vor allem auch die Aufklärung in diesem Bereich. Zudem ist der Einsatz von chemischen Geruchs-, Farb-, Geschmacks- oder Konservierungsstoffen einer gesunden Ernährung meist nicht wirklich zuträglich. Weshalb wir darauf auch konsequent verzichten.

Wie groß ist Ihr Geschäft inzwischen?

Mit Zahlen sind wir sehr zurückhaltend. So viel kann ich Ihnen sagen: Im Jahr 2014 haben wir erstmals mehr als 50 Millionen Euro umgesetzt. Und wir beschäftigen gut 180 Mitarbeiter.

Fast das gesamte Geschäft machen Sie in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Wann expandieren Sie in andere Länder?

Das bereiten wir vor, aber jeder Markt ist unterschiedlich. In Frankreich beispielsweise spielen die Tierärzte nicht dieselbe Rolle wie in Deutschland. Deshalb brauchen wir ein anderes Vertriebssystem.

Warum die Beschränkung auf Futter für Hunde und Katzen?

Erst einmal ist das der größte Markt und wir haben uns in diesem Bereich spezialisiert.

Arbeiten bei Ihnen eigentlich nur Tierbegeisterte?

Die Liebe zum Tier ist wichtig, unsere Mitarbeiter müssen sich immer wieder in die verschiedensten Tierhalter hineinversetzen, um eine individuelle Betreuung zu gewährleisten. Denn ein Tierliebhaber kann nachempfinden, wie schlimm es ist, wenn es dem Tier schlecht geht. Und das Interesse ist groß – auf eine offene Stelle kommen circa 300 Bewerber und wir geben uns Mühe, damit unsere Mitarbeiter sich wohl fühlen. Wir bieten Ihnen beispielsweise die Möglichkeit, kostenfrei im Fitnessstudio zu trainieren. So bleiben alle fit.