Rätselvoller Wohlgeschmack

Vom 31.12.2016

BILANZ-Autor und Weinexperte Thomas Schröder begeht eine Indiskretion: Er verrät uns seinen Lieblingswein.

Genießer: Winzer Luca Martini di Cigala im Zustand der Gnade. (Foto: Schapowalow)

Genießer: Winzer Luca Martini di Cigala im Zustand der Gnade. (Foto: Schapowalow)

Gut 28 Milliarden Liter Wein werden derzeit Jahr um Jahr weltweit produziert – das ergäbe, würde nicht ein Teil davon als Fasswein verkauft, über 37 Milliarden Flaschen.

Und dies alles wird auch getrunken – eine kaum vorstellbare Menge: grottenschlechte Weine und traumhaft gute; billige Weine und unbezahlbare; vertraute und Exoten; nichtssagende, aufregende und solche Weine, die dem Genießer ihre schönsten Geheimnisse preisgeben. Zu ihnen zählen wohl die Weine einer Kategorie, die keine Statistik verzeichnet: die Kategorie des Lieblingsweins.

Mit dem Lieblingswein ist es wie mit der Liebe: Warum ausgerechnet diese oder dieser eine aus der menschlichen Milliardenschar das eigene Herz berührt – niemand weiß es, wichtig ist einzig, dass es sie, dass es ihn gibt.

So ergeht es auch dem Kolumnisten, der hier eine Indiskretion begeht: Sein Lieblingswein, ein Italiener, ist ein reinsortiger Sangiovese (kommt im Moment in Mode, gelingt mit der kapriziösen Traube fast nie!) vom Weingut San Giusto a Rentennano bei Gaiole in Chianti. Hier erzeugt Luca Martini di Cigala seinen „Percarlo“, einen der großen Rotweine der Welt.

Sein dunkler Veilchenduft und sein sortentypisch kirschiger Geschmack verbinden sich mit den Aromen und Mineralien des Terroirs zu etwas unbeschreiblich Einzigartigem: jeder Jahrgang seit 1982 ein Monument der Noblesse und des rätselvollen Wohlgeschmacks (zwischen 5o und 7o Euro im Internethandel oder bei Alpina, Buchloe bei München).

Dieser Artikel stammt aus der November-Ausgabe der BILANZ.