Wie geht’s eigentlich Klaus Kinkel?

Vom 01.01.2017

Der ehemalige Justiz- und Bundesaußenminister, Ex-Vizekanzler und -FDP-Chef ist heute in Rente. Bis vor wenigen Monaten war er allerdings noch aktiv.

Einst Bundesaussenminister: Klaus Kinkel. (Foto: Eduard Fiegel)

Einst Bundesaussenminister: Klaus Kinkel. (Foto: Eduard Fiegel)

Kinkel (79) kommt gerade vom Dauerlaufen zurück; alle 48 Stunden galoppiert er in und um St. Augustin bei Bonn herum, zusammen mit seinem sechs Jahre alten Begleiter Jago. Heißt „wie der Böse in Othello, ist aber lieb“ und ein Labrador.

Seine Frau Ursula schenkt Kaffee ein. Ein eingespieltes Team. Die beiden sind seit 54 Jahren verheiratet. Kinkel ist Rentner. „Mein Verfallsdatum ist überschritten“, warnt er.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik hat er bis vor wenigen Monaten noch als Anwalt praktiziert. „Keine Scheidungsprozesse“ oder ähnliche Bagatellen. Der Außenminister a. D. war für große Firmen tätig. Logo.

Überhaupt die Industrie: Kinkels Lieblingspartei, die FDP, fehle der Wirtschaft ja schon. Das hätten ihm beim Dreikönigstreffen 2016 in Stuttgart erst wieder zahlreiche Unternehmer bestätigt, etwa die Herren Stihl (Stihl-Sägen), Hambrecht (BASF), Leibinger (Trumpf), Rogowski (Voith) und Scholl (Bosch). Und weil es in der Politik, besonders in der CDU, eine „Linkstendenz“ gebe, kämen zunehmend Wirtschaftsvertreter zu ihm, Kinkel, die sagten: „Die FDP muss wieder in den Bundestag. Wir haben niemanden mehr, der besonders stark unsere Interessen vertritt.“ Wird es 2017 so weit sein? Kinkel hegt „große Hoffnungen“, ja, er ist „überzeugt“ davon.

Wenn es seine Zeit erlaubt, helfe er seiner Partei, zuvorderst aber widmet er sich seinen Büchern, in denen er, wie er sagt, „lebt“: Rund 250 Regalmeter Literatur befinden sich in seinem Haus. Er könnte nicht nur jeden zwoten Tag daran vorbeidauerlaufen, sondern gleich täglich.

In der Bundesliga- und der Sepp-Herberger-Stiftung des DFB engagiert er sich für Behindertenfußball; wenn noch Zeit ist, spielt er mit seinen sechs Enkeln. Und jeden zweiten Tag setzt er sich in seine Sauna im Keller.

Was tut er dort? Er schwitzt, er liest, er denkt nach. „Ich merke, dass es eine Gnade ist, in Würde altern zu können. Mir geht’s gut. Ich hatte ein hochinteressantes, aber auch gigantisch forderndes Leben. Und es ist wenigen vergönnt, so wie mir, nach dem Ausscheiden noch einigermaßen fit in der Gegend rumzuturnen.“

Justizminister Klaus Kinkel (M, FDP) 1991 umringt von CDU-Politikern (l.-r.): Günther Krause, Rudolf Seiters und Wolfgang Schäuble. (Foto: Picture Alliance)
Justizminister Klaus Kinkel (M, FDP) 1991 umringt von CDU-Politikern (l.-r.): Günther Krause, Rudolf Seiters und Wolfgang Schäuble. (Foto: Picture Alliance)

Klaus Kinkel

    • *17. Dezember 1936 in Metzingen

    • Jura-Studium in Tübingen, Bonn

    • 1979 – 1982 BND-Präsident

    • 1991 – 1992 Bundesjustizminister

    • 1992 – 1998 Bundesaußenminister

    • 1993 – 1998 Vizekanzler

    • 1993 – 1995 FDP-Chef

    • 2004 – 2014 Telekom-Stiftung

       

Dieser Artikel stammt aus der November-Ausgabe der BILANZ.