Wie geht’s eigentlich Roland Koch?

Vom 01.01.2017

Der ehemalige Ministerpräsident ist heute beratender Anwalt – und gibt zu, dass er diese Tätigkeit eigentlich erst für einen späteren Zeitpunkt geplant hatte.

Eins Ministerpräsident von Hessen: Roland Koch. (Foto: Bernd Hartung)

Eins Ministerpräsident von Hessen: Roland Koch. (Foto: Bernd Hartung)

Wo ich in zwei Wochen sein werde, weiß ich heute noch nicht so genau“, sagt Roland Koch (58). Wenn ein Mandant dringend einen Termin braucht, muss er sich nach ihm richten. Früher war es Koch, der Beamte, Parteifunktionäre oder Mitarbeiter bei sich antanzen ließ.

Koch lässt sich in sein rotes Sofa fallen, das im Büro seiner Frankfurter Kanzlei steht. Er ist wieder Anwalt, wie früher, nach dem Jura-Studium. „Beratender Anwalt“, wie er betont. Das sei immer sein Ziel gewesen. „Ich gebe aber zu, ich hatte es für einige Jahre später geplant.“

Als er CDU-Ministerpräsident von Hessen gewesen war, wurde er als Kanzlerkandidat gehandelt. Dann stahl ihm eine gewisse Angela Merkel die Schau.

Als Vorstandschef beim Baukonzern Bilfinger machte er eine mehr als unglückliche Figur und musste 2014 das Haus verlassen, auf Druck des Großinvestors Cevian. „Ich hätte mir gewünscht, Eigentümer zu finden, die eine Krisensituation mit etwas mehr Geduld und konzeptioneller Konsequenz angehen.“ Er wirkt nicht verbittert. „Im Vergleich zu mancher Schlacht in der Politik ist festzustellen, dass ich zum Schluss nicht erfolgreich war. Damit muss ich leben.“

Koch freut sich darüber, dass sein Rat heute immer noch gefragt ist – etwa als Aufsichtsratschef der Schweizer Großbank UBS in Deutschland, als Aufseher von Vodafone oder als Berater von Opel.

Dass seine CDU immer weiter nach links rücke und den Weg frei mache für die AfD, wurmt Koch – auch wenn er sich weigert, über Tagespolitik zu sprechen. Nur so viel: „Das Problem der Flüchtlingskrise war, dass die Menschen den Eindruck bekommen haben, dass die Politik das nicht mehr kontrollieren kann. Politik muss den Menschen das Vertrauen geben, dass es möglich ist, die Kontrolle zu behalten.“

Alle zwei Wochen liest Koch an der Frankfurt School of Finance and Management über „Marktwirtschaft und Regulierung“.

An den Wochenenden, berichtet er, gewöhnten sich Familie und Freunde langsam daran, dass er wieder Zeit hat.

Koch (r.) 1999 im hessischen Landtagswahlkampf mit Parteifreund Wolfgang Schäuble. (Foto: Picture Alliance)
Koch (r.) 1999 im hessischen Landtagswahlkampf mit Parteifreund Wolfgang Schäuble. (Foto: Picture Alliance)

Roland Koch

      • *24. März 1958 in Frankfurt a. M.

      • Jura-Studium in Frankfurt

      • 1985 – 1999 Anwalt in Eschborn

      • 1999 – 2010 Ministerpräsident des Bundeslandes Hessen

      • 2006 – 2010 Vizechef der CDU

      • 2011 – 2014 Vorstandschef Bilfinger

      • Anwalt, Berater und Aufsichtsrat

 

Dieser Artikel stammt aus der November-Ausgabe der BILANZ.