Von Österreich über China in die Welt

Vom 16.02.2017

Alexander Schütz, Gründer von C-QUADRAT, ist einer der erfolgreichsten Finanzunternehmer im deutschsprachigen Raum. Eine Partnerschaft mit der chinesischem HNA Group verspricht weiteres Wachstum.

C-QUADRAT hat seinen Hauptsitz in Wien. (Foto: Getty Images)

C-QUADRAT hat seinen Hauptsitz in Wien. (Foto: Getty Images)

Wenn Alexander Schütz, einer der beiden Gründer der österreichischen Investmentgesellschaft C-QUADRAT, sich in die Anfänge seines Unternehmens zurückversetzen will, braucht er dafür nur über den Schreibtisch zu schauen.

Dort sitzt sein Freund, Mitgründer und Vorstandskollege Thomas Rieß, mit dem er sich bis heute das Büro teilt. Ganz so wie vor 26 Jahren. Nur, dass damals das Wohnzimmer von Schütz zum Büro umfunktioniert wurde.

Bescheidene Anfänge

Gemeinsam entwickelten die beiden Anfang der Neunziger Jahre, nachdem sie bei einem Wiener Portfoliomanager erste Erfahrungen gesammelt hatten, die Idee eines bankenunabhängigen Vermögensverwalters, eines Asset Managers mit Fonds für jedermann. Zu dieser Zeit eine kühne Idee. Denn bis dahin hatten Banken ihren Kunden praktisch nur hauseigene Fonds angeboten. Fonds ausländischer Gesellschaften waren in Österreich kaum erhältlich.

Schütz und Riess entwickelten ihre Idee einer unabhängigen Vermögensverwaltung auf Fondsbasis, indem sie zunächst in ein Fonds-Research-Programm investierten, mit dem sich auf Knopfdruck Rankings tausender Fonds erstellen ließen. In mühseliger Kleinarbeit machten sich die beiden dann daran, Gesellschaften aufzuspüren, die erfolgreiche Fonds managen, und diese ihren Kunden anzubieten.

Alexander Schütz: Gründer des Asset Managers C-QUADRAT. (Foto: C-QUADRAT)
Alexander Schütz: Gründer des Asset Managers C-QUADRAT. (Foto: C-QUADRAT)

Kontinuierliches Wachstum

Seither hat sich das Unternehmen mit Riesenschritten entwickelt hin zu einem internationalen Player mit rund sieben Milliarden Euro verwaltetem Vermögen. Gewiss, im internationalen Vergleich mag das noch ausbaufähig erscheinen. Doch mit ihrem Investmentansatz haben Schütz und Ries längst über die Grenzen von Österreich hinaus Beachtung gefunden, natürlich auch in Deutschland.

Zu den Kunden zählen heute etliche namhafte Konzerne in ganz Europa, wie die Nürnberger Versicherung, die C-QUADRAT 1999 als erste Versicherungsgesellschaft das Management von Dachfonds übertrug, oder Talanx, einer der größten Versicherer Europas. Talanx hatte sich zudem von 2010 bis 2016 mit über 25 Prozent an C-QUADRAT beteiligt – ein Investment, das der Versicherer nicht bereut haben dürfte. Der Aktienkurs des in Frankfurt und Wien notierten Unternehmens hat sich seit der Finanzkrise 2009 mehr als verzehnfacht.

Schütz konnte wiederum beweisen, dass er nicht nur als Unternehmer erfolgreich sein kann, sondern sich auch unter dem Dach eines Konzerns mit all der damit einhergehenden Politik, Corporate Governance und Regulierung gut behaupten kann.

Partnerschaft mit HNA Group

Aktuell erfolgte nun Schütz‘ jüngster und vermutlich langfristig wichtigster Coup: Die chinesische HNA Group, eines der 500 größten Unternehmen der Welt, ist seit wenigen Wochen mit knapp zehn Prozent an C-QUADRAT beteiligt.

Das Unternehmen mit rund 420.000 Mitarbeitern betreibt in Asien mehrere Airlines, ist als Hauptaktionär von NH Hotels und Hilton eine feste Größe im Tourismusbusiness, ist mit Swissport und Gategroup in der Logistikbranche aktiv und gilt zudem als einer der führenden Finanzdienstleister Asiens. Mit der C-QUADRAT-Beteiligung will der chinesische Investor nun seine außerasiatischen Finanzdienstleistungsaktivitäten forcieren. Und Schütz soll dabei der Hauptakteur sein.

Plattform für Expansion

C-QUADRAT bietet den Chinesen die perfekte Plattform: Aus dem kleinen Büro in Wien ist längst ein internationaler Player geworden, der am Finanzhotspot London ebenso wie in Osteuropa und Asien Fuß gefasst hat. Zur C-QUADRAT Gruppe zählt heute unter anderem eine Asset Management Einheit in London, die 2004 von Morgan-Stanley-Managern gegründet und dann 2012 mehrheitlich von C-QUADRAT übernommen wurde.

Die Londoner Truppe mit internationalem Hedgefonds-Background hat sich erfolgreich auf Anleihen-Management spezialisiert. Das boomende Anlagethema Asien deckt C-QUADRAT mit einem Team in Wien und seinem asiatischen Kooperationspartner Lion Global Investors mit Sitz in Singapur ab. Die Asiaten, die rund 26 Milliarden Dollar verwalten, managen für C-QUADRAT eine Reihe von Fonds.

In Osteuropa wird das Geschäft vielfach mit großen Vertriebspartnern wie der VIG Group vorangetrieben. Von Wien aus werden Fonds sowohl für Privatanleger als auch institutionelle Kunden gemanagt, einer davon ist die armenische Zentralbank, für die der Asset Manager armenische Pensionsgelder verwaltet.

Erfolg mit System

Zu den erfolgreichsten C-QUADRAT Töchtern zählt ARTS Asset Management. Die Spezialisten für Trendfolgemodelle auf Fondsbasis haben, seit der erste Fonds 2003 zugelassen wurde, mehr als 300 internationale Awards gewonnen.

Ihren bisher größten Erfolg feierte ARTS laut Schütz aber ausgerechnet mitten in der Finanzkrise. Weil das ARTS Handelssystem seinen Kunden rechtzeitig angezeigt habe, aus fallenden Märkten auszusteigen und Ihnen anschließend auch das richtige Timing zum Wiedereinstieg geliefert habe, hätten sie inmitten der Krise viel Neugeschäft generiert. Schütz: „Gerade 2009 hatten wir das bis dahin größte Wachstum unserer Firmengeschichte.“

Wer Mitarbeiter und Freunde über Schütz befragt, der erhält das Bild eines begnadeten Netzwerkes, der als unprätentiös und durchaus zu Scherzen aufgelegt gilt, aber auch das eines im besten Sinne Getriebenen, der stets neue Ideen im Kopf hat.

Denn auch als Private Equity Investor ist der Vater zweier Kinder, der mit einer erfolgreichen Anwältin verheiratet ist, aktiv, wenn auch auf eigene Rechnung. Mehr als 20 Beteiligungen – von der plug-and-play Photovotaikanlage „Smartflower.com” über den in Afrika führenden Produzenten von HIV-Generika bis zum Probiotikum-Erzeuger HSO Healthcare gehören zu seinem Portfolio.

Auch im Fintech-Bereich ist Schütz engagiert. So ist er an dem börsennotierten afrikanischen Mikrofinanzierer MyBucks beteiligt, der inzwischen über 1,5 Millionen Kunden verfügt. „MyBucks macht mir nach dem jüngsten Börsengang großen Spaß,” so Schütz.

„Zumal man noch etwas Gutes dabei tut,” erklärt der Finanzfachmann, der sich privat schon länger humanitär engagiert und unter anderem Waisenhäuser in Nepal, Äthiopien und Haiti gegründet hat. Schließlich gewähre MyBucks Menschen Zugang zu Krediten, die sie sonst nicht oder nur zu deutlich schlechteren Konditionen erhalten würden.

Die Zukunft der Finanzdienstleistungsindustrie mitgestalten

Sich nach den vielen erfolgreichen Jahren aus dem Geschäft zurückzuziehen, ist für den Liebhaber und Sammler antiker Globen und historischer Bücher aber keine Option. „Es gibt keinen Tag, an dem wir bei C-QUADRAT nicht über Ideen und Verbesserungsmöglichkeiten nachdenken. Lange Diskussionen und Beschlüsse sind dafür nicht notwendig. Wir sind weiterhin sehr unternehmerisch unterwegs und ziehen alle am gleichen Strang.”

Eine strenge Regulierung durch verschiedenste Aufsichtsbehörden und eine weiterhin unternehmerische Firmenkultur schließen sich dabei laut Schütz nicht aus. „Nur wer beides kann – in einem reguliertem Umfeld absolut Regelkonform zu arbeiten aber gleichzeitig nicht den Drive und die Vision und vor allem nicht den Willen zum uneingeschränkten Dienst am Kunden zu verlieren – wird in dem sich dramatisch veränderndem Finanzdienstleistungsgeschäft zukünftig Erfolg haben,” ist er sich sicher. HNA scheint auf den richtigen Mann zu setzen.