Wer möchte noch Wirsing-Chips?

Vom 30.03.2016

Die Eheleute Ebru und Erol Kaynak verschicken über Ihre Firma My Chipsbox Bio-Kartoffelchips in der Box. Das Konzept scheint anzukommen.

Bio-Chips aus der Box, gewöhnungsbedürftige Geschmacksrichtungen (Foto: My Chipsbox)

Bio-Chips aus der Box, gewöhnungsbedürftige Geschmacksrichtungen (Foto: My Chipsbox)

Im vergangenen Dezember starteten die Ökotrophologin Ebru (28) und der Diplom-Kaufmann Erol Kaynak (34) in München mit ihrem Unternehmen My Chipsbox die Versendung von Bio-Kartoffelchips.

Erol Kaynak, der u.a. in Bayreuth studiert hat, gab für den Chips-Versand seine Investmentbanker-Karriere in Frankfurt auf. Nachgefragt beim Gründer.

 

Herr Kaynak, Sie sind Betriebswirt und Investmentbanker. Wie kamen Sie auf die doch recht abseitige Idee, Ihren Job in Frankfurt aufzugeben, um nun von München aus Bio-Kartoffelchips zu vertreiben?

Ich hatte schon seit dem Studium das Bestreben, unternehmerisch tätig zu werden. Bereits mit 28 habe ich mich im Investment Banking selbständig gemacht.

Nach über sechs sehr intensiven Jahren in der Dienstleistungsbranche hatte ich dann das Bedürfnis, ein echtes (physisches) Produkt, zu dem ich selbst einen großen Bezug habe, selber herzustellen und auf den Markt zu bringen. Ich sehe mich zwar selbst als Food-Enthusiast, jedoch war ausschlaggebend für den Schritt mit My Chipsbox das Zusammenspiel mit meiner Frau und Mit-Gründerin.

Die beiden Gründer Ebru (l.) und Erol Kaynak auf der Bio-Lebensmittel-Messe Biofach in Nürnberg im Februar (Foto: My-Chipsbox)
Die beiden Gründer Ebru (l.) und Erol Kaynak auf der Bio-Lebensmittel-Messe Biofach in Nürnberg im Februar (Foto: My Chipsbox)

Sie als Lebensmitteltechnikerin und Ökotrophologin bringt die Lebensmittelexpertise mit, ich die Visionen, das Kaufmännische und die Umsetzungsstärke. Auf die Idee mit den Chips sind wir dann gekommen, als wir selbst im Supermarkt vor dem Chips-Regal standen und das Angebot etwas fad fanden. Es gab keine wesentliche Innovation im Regal und wichtige Trends seitens der Verbraucher wurden kaum berücksichtigt.

Wie haben Sie die Finanzierung von My Chipsbox sichergestellt? Haben Ihnen dabei womöglich Ihre Kontakte aus dem vorigen Job geholfen?

Unser Ziel war es, so lange wie möglich keine externen Gesellschafter an Bord zu haben, um die Flexibilität auf der einen Seite zu bewahren und auf der anderen Seite nicht zu früh zu günstig Anteile an unserem Unternehmen abzugeben. Vor diesem Hintergrund haben wir bei der Finanzierung auf Eigenmittel, Förderdarlehen und Unterstützung aus dem Familien- und Bekanntenkreis zurückgegriffen.

Diese Strategie sollte man aber nur bis zu einem gewissen Grad ausführen. Denn sobald man mit seinem Produkt den Markteintritt geschafft hat und erste Traction vorweisen kann, sollte man dann schnellstmöglich den Turbo einschalten und das Ganze skalieren.

Wir sprechen gerade selbt mit möglichen Investoren für My Chipsbox. In diesen Gesprächen ist mein M&A-Hintergrund natürlich Gold wert und fördert die Gesprächs- und Verhandlungseffizienz.

Und, wie laufen die Geschäfte?

Wir sind seit Dezember 2015 nunmehr im Markt und haben unser Produkt Anfang des Jahres auf zwei wichtigen Fachmessen präsentiert. Die Resonanz ist äußerst positiv und offen gesagt werden wir gerade vom Andrang überrollt.

Wir sprechen mit allen großen Lebensmitteleinzelhändlern über Listungen und beliefern diese teilweise schon. Auch sind wir schon bei großen Bio-Supermarkt-Ketten gelistet.

Was uns besonders freut, ist ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ von Mitte März. Dort wurden elf Kartoffelchips-Produkte u.a. auch von allen großen Herstellern getestet und My Chipsbox ist unangefochten auf Platz eins gekürt. Das ist natürlich eine Riesen-Sensation im Markt und wird uns einen ordentlich Push geben.

Wie viele Ihrer Chips-Boxen verschicken Sie denn so am Tag?

In den letzten zwei Wochen haben wir alleine über unseren Online-Shop über 4000 ChipsBoxen verschickt. Hier spielt aber der Bericht in der „Süddeutschen Zeitung“ natürlich eine Rolle.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Aktuell sieben.

Wie stellen Sie die von Ihnen zugesicherte Bio-Qualität Ihrer Chips sicher? Überprüfen Sie alle Arbeitsschritte?

Wir sind bio-zertifiziert und werden entsprechend von den zuständigen Prüfkontrollstellen geprüft. Die Prüfung ist in Deutschland sehr detailliert und gewissenhaft, so dass eigentlich in Deutschland überall wo bio draufsteht, auch bio drin ist.

Wie werden die Chips hergestellt?

Die Kartoffelchips werden klassisch in Sonnenblumenöl ausgebacken und mit Gewürzen verfeinert. Wir verzichten komplett auf Geschmacksverstärker und künstliche Aromen. Das Gemüse, das wir den Kartoffelchips beimischen, wird luftgetrocknet und ist somit fett-frei.

Sie bieten neben dem Klassiker Paprika auch die recht gewöhnungsbedürftigen Geschmacksrichtungen Wirsing, Zuccini und Rote Beete an. Finden Sie genügend Kundschaft dafür? 

Diese sogenannten Bio-Chips-Duetts sind unser Steckenpferd und Alleinstellungsmerkmal. Wir sind die Erfinder dieser Produktkategorie im Bio-Snacking und treffen mit diesem Produkt genau den Nerv der Zeit.

Die Verbraucher werden immer aufgeklärter und ernähren sich bewusster. Hierauf reagieren wir durch die Kombination mit echtem Gemüse in der Packung, wie eben bspw. Rote Beete Chips, Wirsing Chips oder Tomaten Chips.

Nach welchen Kriterien kreieren Sie neue Geschmacksrichtungen?

Für die Produktentwicklung ist meine Frau zuständig. Da wir natürlich kein großes Budget für große Entwicklungsarbeiten haben, erfolgt vieles aus dem Bauch heraus.

Zudem sind wir sehr aktiv auf Messen unterwegs und holen uns Inspirationen aus verschiedenen anderen Bereich im Food-Segment.

Wo möchten Sie mal hin mit Mychipsbox?

Unser Ziel ist es, die Premium-Marke Nummer eins im deutschen Chips-Markt zu werden.